Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Neue Bücher

Ittens Tagebuch

Tagebücher schöpferischer Menschen gehören von jeher zu den auf-
schlußreichsten Ereignissen der Kunstliteratur; besonders dann, wenn sie
Erfahrungen aus dem Umkreis der künstlerischen Arbeit anschaulich ver-
mitteln. Der Maler Johannes Itten, dessen seltene pädagogische Begabung
fast bekannter ist als sein Werk, hat auf lithographischem Wege in Worten,
Zeichnungen und Abbildungen aufgeschrieben, was er bei eigener Arbeit
und beim Unterricht beobachtet und erfahren hat (Tagebuch 1930, Berlin,
Itten-Sc'nule). Wir sehen zu, wie Itten arbeitet und unterrichtet, machen
selbst vom Vorkurs an alles mit und gelangen schließlich zu den Einsichten
eines reifen Künstlers. Itten führt durch alle Stufen malerischer Anschau-
ung und Arbeit. Von der Wesensforschung der Formenwelt ausgehend,
beleuchtet er das gesamte Gebiet der künstlerischen Darstellungsmittel
bis in die letzten Verästelungen, aber stets — und dies scheint mir der
entscheidende Gewinn des Buches zu sein — unter Berücksichtigung der
verschiedenen Anlagen und Temperamente und im Zusammenhang mit
dem gesamten Vorrat der Kunst. Auf diese Weise wird das Tagebuch
ebenso wichtig für Kunstwissenschaftler wie für Maler, denn für beide er-
geben sich neue Aspekte. Erörterungen über Daseins- und Wirkungsform,
über die polaren Kontraste, über Farbkontraste und Farbklänge, über Ent-
materialisierung dürften nirgends mit so viel Einsicht in die Zusammen-
hänge und Gegensätze von Kunst und Wirklichkeit angestellt worden
sein wie in Ittens kunstpädagogischem Werk. Dabei wird der Lernende
immer angeregt, selbst zu finden und weiterzuversuchen, sodaß man bei
der Lektüre in eine Spannung gerät, als ob man an der Entstehung des
Buches aktiv beteiligt wäre. Und gleichzeitig spürt man, auch in den bei-
läufigsten Bemerkungen, den Atem eines Lebens- und Weltgefühls, das an
den ganzen Menschen von heute appelliert. Die Akademien könnten in
dem Buche Ittens eine Fülle exakter Anregungen finden — wenn es nicht
bereits zu spät für sie ist. Will Grohmann.

Städtebau

Karl Scheffle r, Berlin. Wandlungen einer Stadt. Verlag Bruno
Cassirer, Berlin 1931.

Neue Bauten der Oberpostdirektion Köln. Mit einer Ein-
leitung von Postbaurat Adolf Renz. Verlag J. P. Bachem G. m. b. H., Köln.
Oskar Schürer, Prag. Kunst, Kultur, Geschichte. Verlag von Dr.
Hans Epstein, Wien und Leipzig 1930.

Einzelne Bau-Aufgaben

Neuzeitlicher Verkehrsbau. Herausgegeben von H. Gescheit
und K. O. Wittmann. Verlag Müller & J. Kiepenheuer, Potsdam.
Erich Diekmann, Möbelbau in Holz, Rohr und Stahl.
Mit 232 Lichtbildern und Zeichnungen nach Entwürfen des Verfassers. Stutt-
gart, Verlag Julius Hoffmann.

Der neue Schulbau im In- und Auslande. Grundlagen,
Technik, Gestaltung. Von Dr. Julius Vischer-Dresden. Verlag Julius Hoff-
mann, Stuttgart.

Monografien

will Grohmann, Kandinsky. Editions „Cahiers d'Art", Rue du
Dragon 14, Paris VK

Andre Lurcat,Projets et realisations. Vincent, Freal et
Cie., editeurs, Paris, 4, Rue des Beaux-Arts.

Paul Bonatz und seine Schüler. Herausgegeben von Gerhard
Graubner, Stuttgart. Verlag Deutsche Bauten, Stuttgart,Gerlingen.
Peter Behrens und seine Wiener akademische Mei-
st e r s c h u I e. Herausgegeben von Karl Maria Grimme. Verlag Adolf
Luser Wien—Berlin—Leipzig.

Allgemeine Werke

Modern architecture, being the Kahn Lectures for 1930, by
Frank Lloyd Wright. Published for the Department of Art and
Archeology of Princeton University 1931. Princeton University Press.
Enrico A. Griff ini, Costruzione razionale dellaCasa.
I Nuovi materiali. Orientamenti attuali nella costruzione, la distribuzione,
la organizzazione della casa. Ulrico Hoepli editore Milano 1932.
Walter Koch, Psychologische Farbenlehre. Die sinnlich-
sittliche Wirkung der Farben. Verlagsbuchhandlung Carl Marhold, Halle a.
d. Saale.

Joseph Gantner, Revision der K u n s t g e s c h i c h t e. Pro-
legomena zu einer Kunstgeschichte aus dem Geiste der Gegenwart. Wien
1932, Verlag Anton Schrott & Cie.

Slavische Bau-Literatur

Der Belgrader Architekt und Professor Branko Maksimovitch hat
eine Broschüre „Probleme des Städtebaus" veröffentlicht, die
nach allgemeinen Erörterungen über moderne Probleme eingehend von
den besondern Verhältnissen Belgrads spricht. Maksimovitch schreibt uns,
daß er bei seiner Arbeit durch die Publikationen unserer Zeitschrift in
stärkstem Maße gefördert worden sei.

Die Architekten-Gesellschaft in Leningrad hat in sehr schöner Aufmachung
ein Buch von JakobTschernichow herausgegeben, „Konstruk-
tion der Architektur und Maschinenformen". Die Un-
kenntnis der Sprache erlaubt uns leider hier wie bei Maksomivitch kein
Urteil über den Text. Aus den zahlreichen Schwarz-Weiß-Abbildungen ist
ersichtlich, daß es Tschernichow darum zu tun ist, die „dynamische" Form,
etwa im Stil der Zeichnungen Mendelsohns, aus Maschinen auf Bauten zu
übertragen. Die Zeichnungen sind, wie so oft in russischen Projekten,
von einer ungemein suggestiven Art.

Die Zeitschrift „U. S. S. R. i m B a u ", auf die wir früher oft hingewiesen
haben, hat soeben ein Sonderheft über Magnitogorsk herausge-
geben, das mit ausgezeichneten Bildern und Fotomontagen die industrielle
und architektonische Aufbau-Arbeit in diesem neuen Zentrum der russi-
schen Erzgewinnung zeigt. gtr.

Die Bücher des Verlags Philipp L. Fink
in Frankfurt-Groß-Gerau

Ernst Trommler, Die kommende Baukunst

I. Band: Die Lösung der technischen und wirtschaftlichen Seite. 110 Seiter,
Text und 30 Bildtafeln.

Der Heidelberger Architekt macht in diesem ausgezeichnet gedruckten
Bande bestimmte Vorschläge für die Neubelebung der Bauwirtschaft, be-
sonders des Bauhandwerks. Wir werden auf seine Vorschläge an dieser
Stelle noch ausführlich zurückkommen.

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