Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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Schweden Geschichte, Situation, Beziehungen

Von allen Großmächten Europas ist Schweden sicherlich diejenige, die seit Gedanken und Bedenken

dem Dreißigjährigen Kriege am wenigsten entscheidend in das poiitische und
kulturelle Schicksal Mitteleuropas eingegriffen hat. Zwar war es beteiligt an
den Kriegen Ludwigs XIV. und stand in den Befreiungskriegen auf seiten Preu-
ßens,, zwar führte die russische Konkurrenz zu kriegerischen Auseinander-
setzungen in Finnland; indessen behielten alle diese Unternehmungen den
Charakter kontinentaler Expeditionskriege, berührten das Mutterland nicht un-
mittelbar und Mitteleuropa nicht entscheidend. Von der Not und der Größe
Mitteleuropas durch ein Meer getrennt, bleibt Schweden abseits, bleibt länger
als irgendein anderes ein Land der Kleinbauern und unbevölkerten Einsam-
keiten, bewahrt länger Reste alter Markverfassung und begnügt sich damit,
die Wellen neuer Ideen, die in ihrer zyklischen Wanderung von Frankreich und
England schon Deutschland meist um ein Jahrzehnt verspätet erreichten, noch
später an sich herankommen zu lassen. So fanden Aufklärung, Revolution und
Romantik in Mitteleuropa eine verspätete und im Norden eine noch spätere
Resonanz, so traten Impressionismus und Expressionismus um jeweils ein Jahr-
zehnt verspätet und meist vergröbert in Deutschland ein; aus Monet wird Co-
rinth, aus van Gogh wird Münch; so postulierte le Corbusier zuerst eine neue
Baugesinnung und wurde der Vater von Gropius, May, Taut, so wurden diese
wieder Paten von Markelius, Ähren, Eriksson und anderen in Schweden. Und
je weiter diese Weilen reichten, je mehr blieben sie meist Reflexion. In den

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