Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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General view of hall "B".

Saal „A".

Bühnenfläche 1340 qm — 1100 qm Reservebühne als Zuschlag bei Massen-
aufführungen. 5 radiale Wege von den Rängen zur Aktionsfläche herab.
Durchmarschmöglichkeit von Demonstrationen und Aufzügen von außen
über die Aktionsfläche hinweg und wieder heraus.

Keine Bühnendekorationen, kein Bühnenvorhang. Die gesamte Aktions-
fläche ein Teil des Saales.

Die gesamten Aktionsflächen in heb- und senkbare Einheiten zerlegt.
3 polygonal gestellte Filmschirme, die synchronisiert gleichzeitig ablaufen.
Farbenorgel aus Batterien von Scheinwerfern, die an den Peripherien der
Ränge angeordnet sind.

Estrade für offizielle Empfänge vor dem Präsidententisch.

Oberlicht mit Sheddächern, niedriges Kranzlicht an der Peripherie des

obersten Ranges.

Saal „B".

Grundsätzliche Trennung von Zugängen und Sitzanordnung der einzelnen
Gruppen: Delegierte (Saal), Diplomaten (Logen), Zuschauer, Presse
(Mittel- und Seitenrang).

Hohes Seitenlicht, Oberlicht über der Vorbühne und über dem Zuschauer-
rang.

Einbeziehung der Bühne in den Saalraum, trotzdem vollgültige Anlage mit
Tiefenbühne, Nebenbühnen, Unterbühne, Schnürboden und ein System
versenkbarer Kreissegmente.

Durchmarschmöglichkeit von außen über die Bühne und wieder heraus
bezw. im Anschluß daran über die Bühne von Saal „A".
Die Bühneneinrichtung ein Präzisionswerk technischer Funktionen, unper-
sönlich, fügsam und veränderbar mit größtmöglicher Variabilität horizon-
taler und vertikaler Bewegungen.

Eine an Wirkungsmöglichkeiten unerschöpfliche und große Raummaschine,
ein Haus, das vom Raum her den Geist umbildet und erfrischt.

Konstruktion und Baumaterial.

Die Notwendigkeit langer Lebensdauer des Sowjetpalastes bestimmt die
Wahl des Materials und der Konstruktion.

Tragende Teile ein System von Eisenbetonstützen und Unterzügen, auf
denen hohe eiserne Brückenbinder zur Ueberwölbung der Säle ruhen. Die
gesamten Fassadenflächen zwischen den vertikalen Betonrippen sind mit
verschiedenen Gesteinsarten der Union (Granit, Marmor, Porphyr) ver-
blendet.

Sämtliche Dachflächen: Kupferblech.
Rahmenwerk der Fenster: Bronzeprofile.

Chronik der Länder

Tschechoslowakei.

Eine Architektur-Ausstellung wird verboten!

Die Architektensektion der „Levä fronta" in Prag bittet uns um Abdruck
eines größern Berichts über das Verbot ihrer „Ausstellung proletarischen
Wohnens" im September 1931. Wir entnehmen dem Bericht folgende
Angaben:

„Es wurden 80 Diagramme aufgestellt, die im Licht wissenschaftlicher
Analyse die bisherigen Erfolge in der Lösung der Wohnungsnot aufzeig-
ten. Diese 80 Diagramme sprachen davon, daß die Wohnungskrise nur für
die bemittelten Schichten und für die gutbezahlte Bevölkerung beseitigt

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worden ist, und das mit einer ausgiebigen Unterstützung des Staates,
welche 7 Milliarden Garantien und Darlehen ausmachte. Sie führten den
Beweis dafür, daß niemand in der Tschechoslowakischen Republik, nicht
einmal in Prag, versucht hat, etwas gegen die Wohnungsnot der Werk-
tätigen zu unternehmen, ja, daß sogar jedes wissenschaftliche Studium
des tatsächlichen Standes der Sache — Wohnungsbedarf, Wohnungs-
statistik — fehlt. Die Folge dieser Politik ist auf der einen Seite ein Ueber-
maß an teuren Wohnungen — im Verhältnis zu den Lohnverhältnissen die
teuersten in ganz Europa —, die auf Kosten der Steuerträger gebaut
worden sind, auf der anderen Seite leben zehntausende Menschen in
Baracken unter furchtbaren, unmenschlichen Verhältnissen.
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