Die neue Stadt: internationale Monatsschrift für architektonische Planung und städtische Kultur — 6.1932-1933

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schweizerischen Bundeshauptstadt im Jahre 1848 besiegelte ein für allemal
diesen Prozeß — so wie die Wahl von Genf zum Sitz des Völkerbundes mög-
licherweise für Genf eine ganz neue urbanistische Zielsetzung bedeuten wird!
Wer diese Zeitschrift kennt, der weiß, daß wir den Sinn der „neuen Stadt"
nicht in irgendwelchen ästhetischen Ausdeutungen ihrer alten Formen, sondern
in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung für die Zukunft zu erkennen suchen.
Alte Stadtgebilde, die wirklich einen baulichen Charakter besitzen, sollen,
wenn es irgend angeht,wie ein gutes altes Bild behandelt und erhalten werden,
aber die neue Stadt mit ihren Vororten und ihrem Hinterland ist ja längst in
ihrer Totalität keine irgend zu benennende Planform mehr, sondern ein volks-
wirtschaftliches Element, Teil eines viel größeren Ganzen und hoffentlich in
nicht allzu ferner Zeit eine entscheidende Figur auf dem Schachbrett der
Landesplanung.

II.

Als Bern zur schweizerischen Hauptstadt wurde, hatte die Stadt in ihrem heu-
tigen Gebiet mit Vororten knapp 40 000 Einwohner. Sie war, was die Bebauung
betrifft, eben erst aus ihrem engsten Kern, der Halbinsel über der Aare, her-
ausgetreten, und nun begann erst die eigentliche Ausbreitung auf das Land.
Heute zählt das in Frage stehende Gemeindegebiet mit fünf Vororten schon
120 000 Einwohner, und der Wettbewerb rechnet mit einer zukünftigen oberen
Grenze von 250 000 Seelen. Wir übersehen also ganz klar die erste Etappe,
bis 1848, d. h. bis zum restlosen Ausbau der Halbinsel und der Anlage der
ersten Vororte, dann die zweite Etappe, von 1848 bis zum Beginn des 19. Jahr-
hunderts, und stehen nun im Beginn der dritten Etappe, die mit einem durch-

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