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Neuer General-Anzeiger: für Heidelberg und Umgegend ; (Bürger-Zeitung) — 1893 (Juli bis Dezember)

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1893

Heidelberg, Dienstag, den 25. Juli

Druck und Verlag:
kseckmann, Dörr L Wurm.

Verantwortlicher Redacteur:
Lserm. Streich.

Offizieren direkt anordnet, was natürlich nur in
einem ganz besonders schweren Fall vorkommt. Das
neue Duellgesetz verfügt nun die Entlassung des
Regimentskommandeurs, welcher ein Duell zwischen
zwei Offizieren angeordnet hat, ohne Pension und
ohne Grad. Ueberdies bleibt er für die Folgen
des Duells dem Strafgericht verantwortlich. Die
dem Offiziercorps angehörigen Duellanten werden
gleichfalls strafweise entlassen und überdies straf-
gerichtlich abgeurtheilt. Trotz der Opposition, die
sich gegen eine derartige drakonische Strenge erhebt,
ist die Annahme des neuen Duellgesetzes durch die
klerikale Kammermehrheit sicher.
Ob es bei uns wohl auch noch so weit kommt,
daß dem Duellunfug ein Ende gemacht wird?
Strafgesetze gegen das Duell haben wir allerdings,
dieselben werden aber so milde gehandhabt, daß sie
zur Steuerung des Duellunwesens rein nichts ver-
mögen

Deutsches Reich.
Berlin, 24. Juli.
— Tie Frage, ob unser Kaiser zum Besuche
der Weltausstellung nach Chicago reisen werde,
hat die amerikanische Presse seit Monaten lebhaft
beschäftigt. Seit einigen Tagen läuft wieder eine
Nachricht darüber durch die Blätter. Der deutsche
Reichskommissar, GeheimerRegierungsrath Wermuth,
der sich durch seine Pflichtreue und unermüdliche
Thätigkeit ein großes Verdienst um das Gelingen
der deutschen Ausstellung erworben hat und zu den
„populärsten Persönlichkeiten unter den prominenten
Fremden in Chicago" gehört, ist nämlich nach
Europa zurückgereist, nachdem er, wie das in Amerika
unvermeidlich, vorher noch ein „Schluß-Interview"
seitens der Reporter zu bestehen hatte. In dieser
Unterredung nun hat Herr Wermuth auf die Frage,
ob der Kaiser wohl nach Chicago kommen werde,
die naturgemäße Antwort gegeben: „Das weis ich
nicht". Dieses „I äc> not lluorr it" wird nun
so ausgelegt, als habe er eine Halbwegs zustimmende
Antwort gegeben. Darüber herrscht große Freude
in Chicago. Schon seit einiger Zeit war übrigens
ein bedeutsamer Umschwung in der Haltung der
amcrkanisches Presse unserem Kaiser gegenüber
zu beobachten. Sein Eintreten für die deutsche
Ausstellung hat ihn in Verbindung mit dem über Er-
warten großen Erfolge der deutschen Ausstellungin
Amerika, geradezu populär gemacht.
— Am nächsten Donnerstag wird der Bundes-
rath voraussichtlich seine letzte Plenarsitzung vor
der üblichen Sommerpause abhalten. Der Bundes-
rath hat in seiner jüngsten Sitzung den Beschluß
des Reichstags, betreffend die Ausführung der im
Neichshaushaltsetat für 1893/94 bewilligten Neu-
bauten von Kasernen, dem Reichskanzler unter Er-
klärung seines Einverständnisses damit überwiesen,
daß in den Fällen in denen ein leichter Massivbau,
wie solcher zur Unterbringung der Heeresverstärkung
in Aussicht genommen ist, zur Herstellung der be-
willigten Kasernenneubauten für ausreichend erachtet

wird, die den Bewilligungen zu Grunde liegenden
Pläne und Kostenvoranschläge entsprechend ab-
geändert werden. Dem Entwurf von Vorschriften
wegen Versendung von Sprengstoffen und Mu-
nitionsgegenständen der Militär- und Marincver-
waltung auf Land- und Wasserwegen wurde die
Zustimmung ertheilt.
— Zu den Ordensverleihungen an Reichs-
tagsabgeordnete bemerkt die „Köln. Volksztg.":
„Wenn diese Verleihung an einen hohen Reichs-
oder Staats-Beamten anläßlich der Annahme einer
von demselben vertretenen Vorlage erfolgt, so wird
Niemand darin etwas Auffallendes finden. Die
Reichs- und Staatsbeamten werden vom Kaiser
bezw. Könige ernannt und entlassen; sie sind zu-
nächst ihm für ihre Amtsverwaltung verantwortlich.
Wenn der Monarch denselben seine Anerkennung
und sein Wohlwollen in irgend einer Form bezeugt,
so ist das eine politisch und verfassungsrechtlich
durchaus unanfechtbare Handlung. Nicht so liegt
unseres Erachtens die Sache mit Ordens-Ver-
leihungen an Reichstags- oder Landtagsabgeordnete
aus Anlaß einer bestimmten Abstimmung. Ein
solcher Vorgang ist eben so ungewöhnlich als er
uns nicht unbedenklich erscheint; jedenfalls bietet
er der Mißdeutung Raum, zumal wenn die
Verleihung der Auszeichnung in einer Weise be-
gründet wird, wie es insbesondere in dem Tele-
gramm an Herrn v. Koscielski geschehen ist. Nach
der Verfassung soll der Abgeordnete frei und unbe-
einflußt gewählt werden, um das Wohl des Reiches
und des Landes zu berathen. Das Parlament hat
einen gewissen, genau umgeschriebenen Antheil an
der Regierung; die ehemals absolute Gewalt des
Monarchen ist dadurch eingeschränkt. Der einzelne
Abgeordnete nimmt, kraft seines Mandates, Theil
an der Gesetzgebung; er befindet sich in der Aus-
übung seines Amtes als Volksvertreter nicht in einem
Abhängigkeits-Verhältniß zu dem Monarchen. Für
die Ausübung seines Mandates ist er zunächst
seinen Auftraggebern, den Wählern, verantwortlich.
Bei der Ausübung seines Amtes hat er selbstver-
ständlich auch das Wohl der Dynastie niit in Be-
tracht zu ziehen, weil dasselbe mit dem Wohl des
Reichs- und Staats-Ganzen eng verknüpft ist.
Daraus folgt aber in keiner Weise, daß er seine
Thätigkeit stets im Sinne des jeweiligen Reichs-
bezw. Staats-Oberhauptes einzurichten habe; er hat
frei und unabhängig nach bestem Wissen und Ge-
wissen das zu tkun, was er im gegebenen Falle
für das Richtige hält.
— Die Bcrathungen der Finanzminister in
Frankfurt a. M. beginnen am 8., nicht am
6. August. Voraussichtlich wird der Schatzsekretär
Frhr. v. Maltzahn denselben noch beiwohnen,
dessen Rücktritt erfolgt, weil, wie schon gemeldet,
der Reichskanzler auf die beabsichtigt gewesene Bier-
besteuerung verzichtet.
— Der frühere freisinnige Reichstagsabgeordnete
Dr. Ludwig Bamberger beging vorgestern die
Feier seines siebzigsten Geburtstages. Er verlebte

diesen Tag in Interlaken, wo er viele Glückwunsch-
briefe und Telegramme erhielt. Bekanntlich hat
Herr Bamberger bei den letzten Wahlen auf eine
Wiedereinstellung seiner Kandidatur verzichtet.
— Anläßlich des wiederholt auftauchenden Planes
einer allgemeinen progressiven Erbschafts-
steuer dürfte es nicht uninteressant erscheinen,
eine Vergleichung der genannten Steuer in den
wichtigsten Staaten Europas zusammenzustellen.
Die Erbschaftssteuer trägt in Mark in England
170 Mill., also pro Kopf 41/2 Mk., in Frank-
reich 130 Mill-, also pro Kopf 3^ Mk., in
Oesterreich 24 Mill., also pro Kopf 1^/z Mk.,
in Rußland 14 Mill., in Italien 33 Mill-,
also pro Kopf 4i/,g Mk., in Belgien 20 Mill.,
also pro Kopf 3i/z Mk., in Holland 15 Mill.,
also pro Kopf 3^ Mk., in Dänemark 2 Mill.,
also pro Kopf 1 Mk., in Preußen 6 Mill., also
pro Kopf l/5 Mk. In Württemberg ist die
Erbschaftssteuer im Etat zusammengestellt mit dem
Ertrag der Sporteln und Gerichtsgebübren und
war zusammen mit diesen auf 2 747 000 Mk. pro
1892/93 festgesetzt.
Karlsruhe, 24. Juli. Die Erpropria-
tionsverhandlungen für die strategische
Bahn von Graben über Karlsruhe nach Röschwoog
sind nunmehr für die Gemarkungen Graben,
Friedrichsthal, Blankenloch, Hagsfeld, Rintheim,
Haardtwald, Durlach und Karlsruhe Rangierbahn-
hof zum Abschlüsse gelangt; sie werden nunmehr
unverzüglich für Karlsruhe-Ende, Beiertheim,
Rüppur und Ettlingen erfolgen. Die Arbeiten
selbst sollen, nachdem die einzuholcnde Allerhöchste
Staatsministerialentschließung für die Genehmigung
der Zuglinie auf der bezeichneten Strecke ergangen
sein wird, mit thunlichster Beschleunigung in An-
griff genommen werden. Es sind ferner die Er-
propriationsoerhandlungen für die in Verbindung
mit der neuen Murgthalstraße zu erbauende Neben-
bahn von Gernsbach nach Weisenbach für die Ge-
markungen Scheuern und Obertsroth, sowie für
Theile der Gemarkung Hilpertsau vorgenommen.
Die Arbeiten auf der bereits genehmigten Strecke
sind in vollem Gange und es ist zu erwarten, daß
die Bahn noch vor Ende d. I. dem Betriebe wird
übergehen werden können.
Ausland.
Paris, 24. Juli. Der „Tcmps" schreibt, die
engliche Regierung bekunde entgegen den abgegebenen
Erklärungen die Absicht einer Einmischung in den
französisch-siamesischen Konflikt; ein
Anzeichen dafür sei die Rückkehr Lord Dufferins
und die gestrigen Erklärungen Greys. Diese
Haltung wird die französische Regierung nicht von
der in der Kammer vorgelcgten Verhaltungslinie
abbringen. Nichts könne der Intervention eines
Dritten in dem Konflikt zum Vorwand dienen.
Paris, 24. Juli. Das „Journal des De-
bats" meldet, jetzt Details über die Kanonade
von Paknam. Der erste Schuß wurde 6 Uhr
Abends abgefeuert. Es herrschte Nacht als die

* Zum Dnellunfug.
. In den 30er Jahren dieses Jahrhunderts hatten
I" Mgland, besonders in der Armee, die Duelle
s?"berhand genommen, daß geradezu eine „öffent-
lch- Kalamität" entstand. Die Engländer sind be-
nnntljch gründliche Leute: was John Bull einmal
das fast er ordentlich an; und so endigten
^ch die Zweikämpfe in England nicht, wie die
uclle in Frankreich, mit einer Durchlöcherung
sondern mit einer Durchlöcherung mensch-
icher Körper, daß jedesmal einer der beiden schie-
mnden oder säbelnden Theile auf der Strecke blieb,
arob großes Wehegeschrei im ganzen Lande. Be-
Ivuders Frauen und Bräute, aber selbst un-
eryeirathote Damen forderten ganz energisch, daß
ivas geschehe, um diesem unnatürlichen Verbrauch
P" verbeirathetem, verlobtem oder doch heiraths-
mhigem Mentschenmatcrial kräftig zu steuern. Durch
drakonisches Gesetz ging schließlich das Par-
Zickst nur gegen alle Duellanten vor, sondern
i ost die Zeugen, Aerzte u. s. w. wurden mit mehr-
lahrigcn Gefängnißstrafen bedroht. Besondere Be-
iP^'ungcn richteten sich gegen die Angehörigen des
^"des. Jx^r Offizier u. s. w., der forderte oder
^ Forderung annahm, wurde sofort „ehrlos kassirt."
nach 50 Jahren hat sich diese Anschauung,
Men welche ursprünglich mancher Widerspruch cr-
, Z wurde, in Großbritannien vollkommen ein-
^ot. Thatsächlich gehören dort Duelle zu eben-
E chcn Seltenheiten, wie siamesische Zwillinge,
Ewköpfige Menschen, weise Elephanten u. s. w.
Mst Offiziere, die untereinander Streit bekommen,
Mp.cn denselben ganz ruhig vor den bürgerlichen
crichtcn aus, wie andere Menschenkinder auch.
In Belgien scheint man jetzt dies Beispiel des
Ls'oßen englischen Nachbars nachahmen zu wollen.
Kommission des Senats hat das von dem Se-
nator Baron de Co.ninck beantragte ueue Duell-
Mdtz mit erdrückender Mebrheit angenommen, und
E >st zweifellos, daß es sehr bald gesetzliche Kraft
riangen wird, da beide Kammern des Parlaments
amit einverstanden zu scheinen. Das neue Gesetz
enthält gradezu drakonische Bsstimmnngen gegen
Duellanten, die fortan Gefahr laufen, ihren
^dikampf, auch wenn er unblutig verlaufen ist, mit
Mgjährigem Gefängniß zu büßen. Das neue
spricht im Falle eines Duells mit tödtlichem
P^gange für den überlebenden Duellanten die
ödes st rase wegen beabsichtigten Mordes aus,
fluch wenn bewiesen ist, daß der Duellant gar nicht
^elte. Die Zeugen eines solchen Zweikampfes
Werden mit 10—20-jähriger Haft bedacht, sodaß es
dl> Duellanten in Zukunft recht schwer werden
PPste, Zeugen und Aerzte (letztere sind gleich ge-
stEt) zu finden. Ein besonderer Abschnitt des
Gesetzes behandelt die Offiziersduelle, und zwar in
dincr Weise, welche die Opposition des gesammtcn
ffllgischen Offizicrcorps hervorruft. Bekanntlich
ritt in Belgien manchmal der Fall ein, daß der
^dgirnentskommandeur ein Duell zwischen zwei

Kine öunLU'e THcrL.
Roman von E. P. von Areg.

(Fortsetzung)
„Ja, Leonore, er und Hans sind gekommen,
Ml mit dem Vater Rath zu halten über Hans.
Sic wollen später einen gemeinschaftlichen
"Odsuch auf dein Gute machen. Du siehst also,
flfl ist nicht um Deinetwillen, sondern um Hansens
-dflleu gekommen. Willst Du ihn sehen? Ich
JflÜ Dir natürlich dazu weder zurcden noch ab-
mhcn. Du mußt dabei vollkommen Deinen
lrewn Willen haben. Ich bin Dir nur deßhalb
Megen gegangen, um Dich vor einer Ueber-
^chchung zu bewahren, für die Du dem Zufalle
Reicht nicht einmal dankbar gewesen wärest."
y. „Gehen wir hinein ins Haus", lautete die
Antwort Leonorens nach einer kürzen Pause der
^Verlegung. „Ich wüßte nicht, was mich abhalten
°ünte, ihn von Angesicht zu Angesicht gegenüber
ZU treten. Mehr als vier Jahre sind feit jenem
Mißlichen Tage verronnen, der unsere Herzen
fluseinanderriß und unsere Hoffnungen begrub.
s-Pr haben uns Beide standhaft erwiesen, als wir
Trennung ertrugen. Wir können uns also
flflch getrost als ein Paar Menschen Wiedersehen,
einen unvermeidlichen harten Schicksalsschlag
Ms ihren Schultern tragen, von dem sie gebeugt,
nicht gebrochen worden sind."
. Leonore, zog den Arm der Greisin in den
chren, und langsam und wortlos schritten Beide

durch den Garten aus das ihnen freundlich und
einladend cntgegenblickende Pfarrhaus zu.
In diesem waren vor etwa zwei Stunden die
beiden jungen Männer angekommen, welche sich
am Vormittage über einen gemeinschaftlichen Aus-
flug hierher geeinigt hatten.
Hans von Flottwell, der Offizier, hatte während
der kurzen Reise, die sie in einem Coups allein
zurücklegten, dem Juristen eine kurze Darstellung
seiner arg bedrängten Verhältnisse gegeben, freilich
nur in einem Umfange, der sich auf die augen-
blicklich fälligen Wechsel bezog. Wo aber sollte
Jemand gesunden werden, der einem tief verschul-
deten und vermögenslos gewordenen Offizier eine
so erhebliche Summe auf Treu und Glauben dar-
leihen würde, wenn sich der eigene Vater von ihm
lossagen sollte?
Ungefähr dasselbe hatte der Pastor Hans von
Flottwell geantwortet, als dieser ihn bat, er möchte
zwischen Vater und Sohn treten. Der Pfarrer
war zur Beurtheilung der Sachlage ungemein ge-
eigneter als sein Neffe, der Assessor, den seine
Zurückgezogenheit von Borkum in den letzten
Jahren einer klaren Anschauung über den Nieder-
gang der Lage des jüngeren Sohnes mehr und
mehr entfremdet hatte.
Denn zwischen den beiden Familien, der des
Gutsherrn und des Pfarrers, bestanden seit
langen, langen Jahren so intime und herzliche
Beziehungen, wie sie Wohl nur in seltensten Fällen
zwischen dem Kirchenpatron und Pfarrer gefunden
werden.
Diese Beziehungen stammten schon aus der

Junggesellenzeit beider. Und als sie sich verhei-
rateten, waren die beiden jungen Frauen, die in
einem und demselben Pensionat erzogen, ein neues
Band der Freundschaft, und die Erweiterung der
Familien, das Heranwachsen der Kinder hatte
auch dazu beigetragen, die vertraulichen Bezie-
hungen der Alten auch aus die Jungen zu über-
tragen und ihnen so einen weiteren und dauer-
hafteren Halt zu geben.
Groß war der Kindersegen freilich weder auf
dem Gute noch aus der Pfarre. Der Ehe des
Barons waren nur zwei Söhne entsprossen, von
denen der Jüngere bereits bekannt ist, während
der Aeltere, der künftige Majoratsherr gegenwärtig
noch im aktiven Dienste der Armee als Haupt-
mann stand. Der einzige Sohn des Pfarrherrn
dagegen war der Diakonus Lindemann an der
Domkirche der Hafenstadt. Der Letztere und der
Hauptmann waren gleichaltrig; sie waren zu-
sammen ausgewachsen und hatten gemeinschaftlich
das Gymnasium besucht, von dem der Eine zur
Universität ging, während der Andere bei der
Armee eintrat.
Allein es bestanden zwischen der Familie des
Gutsherrn und der des Pfarrers außer diesen
freundschaftlichen auch noch verwandschaftliche Be-
ziehungen, die zwar erst im Laufe der Zeit ent-
standen und deßhalb vielleicht auch ohne schwer-
wiegenden Einfluß geblieben wären, hätten sich
aus ihnen nicht Dinge entwickelt, die den beiden
Familienhäuptern ernste Verpflichtungen aufer-
legen sollten.
Der jüngere Bruder des Majoratsherrn, Hugo

von Flottwell, der wie der ältere nach dem
Willen seines Vaters von Haus aus als prak-
tischer Landwirth ausgebildet worden war, hatte
wenige Jahre nach dem Tode der Eltern und
verhältnißmäßig nur kurze Zeit nach der Verhei-
ratung seiner Brüder sich dadurch selbständig
gemacht, daß er mit dem Theile des auf ihn ge-
fallenen mütterlichen Vermögens ein kleines Gut
angekaust und in eigene Verwaltung genommen
hatte. Er war dadurch zu einer möglichst raschen
und möglichst vortheilbringenden Verheiratung
veranlaßt worden und hatte nach kurzer Umschau
unter den Töchtern des Landes bald eine Wahl
getroffen, die nach seinem Ermessen seinen Wünschen
vollkommen entsprach.
Nun aber hatte es der Zufall gefügt, daß er
mit seiner Wahl auf ein Mädchen getroffen war,
deren etwas ältere Cousine zwei Jahre vorher
von dem jüngeren Bruder des Borkumer Pfarrers,
dem Kaufmann Ernst Lindemann in Rhaden,
heimgeführt worden war.
Die Frauen dieser beiden Männer waren also
Geschwisterkinder und die Verwandtschaft demnach
eine keineswegs nahe; allein da Hugo von Flott-
well sich in der Nähe von Rhaden angekauft
hatte und ost genug mit seiner Frau nach dieser
Stadt kam, so lag es nahe genug, daß die Ver-
wandten sich häufiig sahen und daß man unter
einander einen ziemlich regen gegenseitigen Verkehr
unterhielt.
Hierdurch entwickelte sich aber bald zwischen
den beiden Männern ein gleich freundschaftlicher

General-WAMiger


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