Schwäbisch Gmünd [Editor]; Nitsch, Alfons [Oth.]
Urkunden und Akten der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 777 bis 1500 (Band 2): 1451 bis 1500 — Schwäbisch Gmünd, 1967

Page: 7*
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/nitsch1967bd2/0015
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Oberschulrat a. D. Dr. Alfons Nitsch zum Gedenken

Am 9. November 1966 starb nach langem Leiden Oberschulrat a. D. Dr.
Alfons Nitsch, der Bearbeiter der „Urkunden und Akten der ehemaligen
Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 777 bis 1500.“ Er wurde am 24. Mai 1890
zu Albrechtsdorf bei Gablonz als Sohn eines Volksschullehrers geboren und
studierte in Prag und Paris. 1915 kam er als österreichischer Soldat in russi-
sche Gefangenschaft nach Sibirien. Nach Kriegsende arbeitete er an ver-
schiedenen Gymnasien der Tschechoslowakei, zuletzt als Direktor des Staats-
gymnasiums zu Brünn. 1945 wurde der stets vornehm denkende und han-
delnde Mann von den Tschechen zu Zwangsarbeit verurteilt. Ein Jahr später
konnte er sich in Schwäbisch Gmünd mit seiner Familie eine neue Heimat
aufbauen. Bald wurde er mir im hiesigen Stadtarchiv ein wertvoller ehren-
amtlicher Mitarbeiter. Mit Begeisterung nahm er meinen Plan auf, für die
hiesige Stadt ein Urkundenbuch zu bearbeiten. Jede Urkunde bis 1500 wurde
von ihm abgeschrieben, was fremdsprachig war auch übersetzt. Daneben be-
arbeitete Dr. Nitsch die neu aufgefundene überaus wertvolle hiesige Passions-
musik aus dem 18. Jahrhundert. Über 2000 fein säuberlich geschriebene No-
tenblätter zeugen von seinem Fleiß. Leider verschlechterte sich sein Gesund-
heitszustand zusehends. Zu einem alten Lungenleiden traten verschiedene
Schlaganfälle und ein schweres Herzleiden. Es ist erstaunlich, was der längst
vom Tode Gezeichnete noch leistete. 1965 erschien „Das Spital zum Heiligen
Geist in Schwäbisch Gmünd. Inventar der Urkunden, Akten, Bände.“ Im
Frühjahr 1966 konnte ich ihm den 1. Band der „Urkunden und Akten der
ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 777 bis 1500“ in die Hand drük-
ken. Was niemand mehr zu hoffen wagte, brachte er mit Aufbietung aller
Willenskraft noch zustande: den Abschluß der Arbeit zum 2. Bande des vor-
liegenden Werkes. Mit Dr. Nitsch ist ein hoch begabter Mann dahingegan-
gen, dessen feinsinniger Natur alles Unedle fern lag. Das Stadtarchiv Schwä-
bisch Gmünd hat allen Grund, diesem edlen Menschen in tiefer Dankbarkeit
ein dauerndes Gedenken zu bewahren.
Albert Deibele
Stadtarchivar

7 *
loading ...