Schwäbisch Gmünd [Editor]; Nitsch, Alfons [Oth.]
Urkunden und Akten der ehemaligen Reichsstadt Schwäbisch Gmünd 777 bis 1500 (Band 2): 1451 bis 1500 — Schwäbisch Gmünd, 1967

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Der Neuaufbau des Stadtarchivs Schwäbisch Gmünd

Von Albert Deibele
Bei der Abgabe der Archivbestände an das Staatsarchiv Stuttgart im Jahre
1880 war nur noch ein kläglicher Rest des einst so stolzen Archivs der Reichs-
stadt in Gmünd zurückgeblieben, ein Rest, der überhaupt nicht mehr als
Archiv angesprochen werden konnte. Lediglich tauchte hin und wieder noch
der Name „Debler’sche Chronik“ auf, aus welcher der eine und andere ab-
schrieb oder aus welcher er Bilder, Karten und Pläne entfernte. Selbst dieses
Restarchiv wäre 1916 beinahe bei einer Kriegssammlung als Altpapier ver-
kauft worden (Gemeinderatsprotokoll 1916 § 668).
Als 1928 die „Gmünder Heimatblätter“ gegründet wurden, bat mich der
damalige Schriftleiter Dr. Franz Dietzel um Mitarbeit. Ich sagte zu und bat
die Stadtverwaltung, für meine Arbeiten das Archiv benützen zu dürfen. Was
mir als Stadtarchiv gezeigt wurde, übertraf meine schlimmsten Befürchtun-
gen. Im Erdgeschoß des „Predigers“ wurde ich in einen feuchten, unheizbaren
Raum geführt, dessen Türe nicht einmal eine Klinke besaß. Der Boden be-
stand aus rissigem Zement wie in alten Waschküchen. Über den ganzen Raum
waren die traurigen Reste einer Bühnenausstattung zerstreut, die einst einer
Laienspielschar gehört hatten: Tuch- und Kleiderfetzen, alte Säbel, zerschla-
gene Möbelstücke, zerschlissene Kulissen usw. Inmitten dieser Trümmer
stand ein großer Kassenschrank. Er enthielt die berühmte 18 bändige Chro-
nik von Dominikus Debler, vollständig verwahrlost, dazu noch einige Bündel
alter Heiratsverträge und Grundstücksverkäufe. Das war das Gmünder Stadt-
archiv. Später wurde mir gesagt, daß auf der obersten Rathausbühne auch
noch etwas lagere. Dieses „Etwas“ bestand aus einigen alten Zeitungsbänden,
einer Anzahl von Ratsprotokollen und Rechnungsakten aus der Reichsstadt-
zeit. Ich bat um die Erlaubnis, das Vorhandene sammeln, ordnen und auf-
stellen zu dürfen, daß es nicht vollends zugrunde gehe. Das wurde gestattet
und mir der feuchte Raum im „Prediger“ für meine Zwecke zugewiesen.
Auf Dachböden und in Lagerräumen fanden sich einige altersschwache Mö-
belstücke, die mir überlassen wurden. Und nun begann der Neuaufbau des
Stadtarchivs. Es war ein schweres, fast entmutigendes Beginnen. Beim eifrigen
Suchen konnte noch eine schöne Anzahl von wertvollen Archivalien in den
verschiedenen Abteilungen der Verwaltung aufgestöbert werden. Als das
Ganze allmählich etwas Ansehen bekam, wurde mir ein brauchbarer Raum
im 1. Stock des „Predigers“ zur Verfügung gestellt.
Von Anfang an war ich bestrebt, das Archiv zu einer Stätte des Forschens
und Suchens zu machen. Deshalb wurde sofort mit der Anlage einer Kartei
begonnen, die nach Orten, Personen und Sachen geordnet, eine wichtige Hilfe
für die Erforschung der Ortsgeschichte wurde. Auch eine bescheidene Bü-

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