Noack, Ferdinand
Ovalhaus und Palast in Kreta: ein Beitrag zur Frühgeschichte des Hauses — Leipzig, Berlin, 1908

Seite: 53
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Die ovale Hausform.

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dürfen heute keiner Hypothese mehr. Die Frage ist seit
kurzem durch ein Monument, wie ich glaube, bereits ent-
schieden, wenn auch in ganz anderem Sinne, als man bisher
meinte; dieses Monument ist das schon erwähnte elliptische
Haus von Chamaizi-Siteia, der glückliche Fund von St. Xan-
thudides, dem wir auch die erste sorgfältige Veröffentlichung
verdanken.62)

Seine Einzelfunde datieren es in eine sehr frühe Zeit, in
die Periode der entwickelten Kykladenkultur63), also vor die
Blüte der Kamaresvasen, die wir mit den älteren Palästen
zu verbinden haben. Es selbst aber weist wieder auf eine
ferne Vergangenheit zurück. In seiner Grundform hat ein
uralter Haustypus die höchste Stufe seiner Leistungsfähigkeit
erreicht. Die elliptischen Hausformen, die bisher bekannt Elliptische
waren (Pfuhl, A. M. XXX 1905, 377f.), und vor allem die
Ovalhäuser von Orchomenos, die soeben in Bulles großzügiger
Darstellung weithin überraschendes Licht verbreitet haben,
geben uns diesen Typus unstreitig in primitiveren Stadien-
Bis zu vierfacher Schichtung liegen seine Beispiele in Orcho-
menos übereinander (Orchomenos 26, 34 f.). Das spricht doch
für einen langen Zeitraum, während dem man sich hier um Erste Er-
die Vervollkommnung des einzelligen Ovals bemühte. Die "versuche!
Tendenz bleibt jedoch stets die gleiche: man sucht es auf
eine geradlinige, schmalstirnige Front hin zu entwickeln. Eine
„gewaltsame oder unpraktische" Erweiterung durch Nischen
oder durch Addition zweier und mehrerer Einzelhütten, wie
sie schon im Rundhüttenbau beginnt (Bulle, Orchomenos 39f. 49.
Pfuhl a. a. O. 347 f.), ist hier nicht beobachtet worden. Daß
die Entwicklung auch einen ganz anderen Weg finden konnte»
zeigt jenes kretische Haus: nämlich ohne die Ellipse irgendwie
zu deformieren oder zu kürzen, — nur mit Hilfe einer all-
seitigen Ausdehnung. Seine Maße (22,20: 14,50), gehen ja
noch über die des Oinomaoshauses in Olympia (18,50: 10)
hinaus. Als für dieses vielbesprochene Fundament von zwei

menos 126) in der Verkennung der gerade in diesem Beispiel schon enthaltenen
Gesetzmäßigkeit.

62) Ephem. arch. 1906, 119 Fig. I. Bulle, Orchomenos 126, Abb. 37.

63) Ephem. arch. 1906, 127. 137. 145. Middle Minoan I: Burrows 169.
Vgl. A. M. XXXI, 1906, 367 (Karo).
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