Noack, Friedrich
Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters (Band 1) — Stuttgart , Berlin , Leipzig, 1927

Seite: 129
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entfaltet hat, in Neapel und Rom tätig war und hier außer einer
Kirchenfahne für den Campo Santo das Heiliggeistbild in einer Kapelle
der Chiesa Nuova als Vermächtnis des 1597 verstorbenen päpstlichen
Kammerherrn Didacus de Campo aus Cambray gemalt hat. Zahlreich
sind die Zeugnisse der Tätigkeit Gerhard Honthorsts während seines
römischen Aufenthalts um 1620; die Kunstfreunde schätzten seine Ar-
beiten wegen der Eigenart der künstlichen Beleuchtung, wovon er den
Beinamen Gherardo delle Notti erhielt. Außer den Galerien Borghese,
Doria, Giustiniani, S.Luca und Spada erwarben auch römische Kirchen
Gemälde von ihm, S. Maria della Vittoria einen Apostel Paulus, S. Maria
della Scala eine Enthauptung des Täufers und S. Maria in Aquiro drei
Darstellungen aus der Passion Christi. Ein Gemälde des hl. Kilian hat
1626/27 Anton van Os aus Hulst dem Campo Santo geliefert, der auch
im Chor der flämischen Nationalkirche S. Giuliano Malereien aus-
geführt hat; die Anima-Bruderschaft ließ 1628/29 durch den Löwener
Theodor van Loon ein Altarbild für ihre St.-Anna-Kapelle anfertigen,
um dieselbe Zeit malte Jakob Hase aus Antwerpen, der über dreißig
Jahre als Mitglied der Akademie S. Luca und der Gampo-Santo-Bruder-
schaft am Tiber gelebt hat, für die Kirche der letzteren Darstellungen
aus dem Leben der Jungfrau. Von dem Maler und Kupferstecher
Theodor Krüger bewahrt das Stammbuch Hans Hochs ein kleines Blatt
mit römischen Ruinen aus dem Jahre 1618. Einen nur flüchtigen Auf-
enthalt nahm in Rom 1622/23 Anton van Dyck, obwohl er als pittore
cavalieresco dort dauernde und ehrenvolle Beschästigung finden
konnte; verschiedene Bildnisse von Kardinälen, wie des Guido Benti-
voglio, sind damals entstanden. Sein Landsmann Vincent Adriaenssen,
der mit seinem Bruder Anton lange in Rom lebte, hat 1632/33 in
der vatikanischen Kartengalerie gearbeitet. Von der Antwerpener
Künstlerfamilie Backereel waren mehrere Mitglieder am Tiber tätig,
Gillis wurde 1639 ausersehen, um für die neue Sakristei der Anima-
kirche etwas zu malen, ohne daß die Arbeit zustande gekommen wäre.
Dasselbe Schicksal hatte Justus de Pape aus Audenaerde, der vor der
Ausführung um 1645 gestorben ist.
Die Landschaftsmalerei erhob sich seit Brill und Elsheimer in Rom
zu einer selbständigen Kunstgattung, die vorwiegend von Fremden ge-
pflegt wurde; der unterscheidende Zusatz ,,che fa paesi" findet sich nun
öfter bei den Namen in Künstlerverzeichnissen der Akademie S. Luca.
Ein Lehrling Paul Brills, Balthasar Lauwers aus Antwerpen, von den
Italienern gewöhnlich Lauro genannt, muß schon vor 1600 nach Rom
gekommen sein, da er im April 1604 bereits selber einen Lehrling und
Gehilfen aus Flandern für 8 Julier (4 Franken) monatlich angenommen
hat. Seit 1619 gehörte er der Akademie S. Luca an, wird auch von italie-
nischen Schriftstellern als tüchtig in seinem Fach gelobt, hat aber wohl
wenig geschäftliche Erfolge gehabt, denn er erscheint seit 1637 unter

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