Noack, Friedrich
Das Deutschtum in Rom seit dem Ausgang des Mittelalters (Band 1) — Stuttgart , Berlin , Leipzig, 1927

Seite: 132
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klagten bitter über die flämischen Künstler, die durch die ^Schamlosig-
keiten'' des Bamboccio (turpitudini) den guten Geschmack in Italien
verdorben hätten, und Sacchi soll den Miel, der als Gehilse bei ihm
gearbeitet hat, davongejagt haben, weil er in einem großen Historien-
bild groteske Züge angebracht hatte. Miel nahm sich diese Bestrafung
seiner künstlerischen Seitensprünge zu Herzen; er war zu klug, um
gegen den Strom zu schwimmen, und kehrte reuig zu dem alleinselig-
machenden vornehmen Stil zurück. Nur dadurch konnte er Anerken-
nung in der Akademie S. Luca und bei den Virtuosi del Panteon
gewinnen; hei der ersteren gelangte er Ende 1651 in die engere Wahl
für das Amt des Princeps, und die Congregazione Virtuosi ernannte ihn
zum Regenten für 1654. Diese Ehrungen, für die er sich durch letzt-
willige Vermächtnisse an beide Vereinigungen dankbar erwies, hat er
wesentlich durch Arbeiten für den päpstlichen Hof und römische Kir-
chen verdient, in denen er sich der herrschenden Mode untergeordnet
hat. 1656/57 malte er in der Galerie des Quirinalspalastes und der
päpstlichen Privatkapelle des Vatikans und verdiente damit 365 Skudi;
auch die Kirchen S. Lorenzo in Lucina, S. Martino ai Monti und Regina
Goeli besitzen Werke von ihm, und ein flämischer Provisor der Anima-
kirche ließ durch ihn die dortige Lambertuskapelle mit Fresken aus
dem Leben des Heiligen ausschmücken. Der Anima-Bruderschaft hat
der Künstler nicht angehört, wohl aber dem Campo Santo, der ihm
1656 das Kämmereramt übertrug. Mit kirchlichen Arbeiten hat auch
Miels Landsmann Louis Gentile oder Primo Ansehen und Ehren wäh
rend eines mehr als zwanzigjährigen Aufenthalts in Rom erworben; er
war Vorstandsmitglied der flämischen S. Giuliano- und der deutschen
Campo-Santo-Bruderschaft, ist für 1651 zum Regenten der Congre-
gazione Virtuosi und im Jahr darauf zum Princeps von S. Luca gewählt
worden. Er hat 1646—1652 nicht weniger als zwei Dutzend kleinere
Taselbilder für den Papst im Gesamtbetrag von 780 Skudi gemalt und
größere Werke in den Kirchen S. Faustino e Giovita, S. Maria del
Popolo, S. Nicola in Arcione, S. Marco und S. Domenico e Sisto hinter-
lassen, als er um 1656 in seinVaterland zurückkehrte. Der 1639 in Rom
verstorbene Karl Philipp Spierincks aus Brüssel, der als Mitglied der
Bruderschaft vom Campo Santo dort sein Grab gesunden hat, war 1637
von der Anima beauftragt worden, vier Bilder für deren, Sakristei zu
malen, ist jedoch mit der Arbeit nicht fertig geworden; ein Gemälde,
welches den hl. Norbert darstellte, dürfte zu diesem Auftrag gehört
haben, da die Bruderschaft es 1643 aus dem Besitz eines ihrer Mit-
glieder zurückgefordert hat. Von seiner sonstigen künstlerischen Tätig-
keit wissen wir, daß er für die Galerie des Marchese Vincenzo Giu-
stiniani gearbeitet hat, jenes großen Sammlers, der mehrere Jahre lang
den Frankfurter Maler und Kupferstecher Joachim Sandrart beschäf-
tigt hat. Während seiner römischen Jahre wurde dieser fruchtbare und

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