Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

Page: 448
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Ortsbeschreibung.

Mit Wasser ist der Ort hinlänglich versehen. Die Hoch-
ebene selbst hat zwar keine Quellen, dagegen führen die Thal-
wände gegen Lautlingen deren eine ganze Reihe, von denen 2
laufende Brunnen, der eine dnrch eine 1200^ lange thönerne,
der andere durch eine 200 lange hölzerne Leitung, gespeist
werden, indeß 3 unmittelbar geschöpst werden. Neben diesen
öffentlichen Brunnen sind 50 Privatcisternen und eine große
öffentliche Wette vorhanden. Jm äußersten Nothfall, der Jahr-
zehnte anstehen kann, holt man das Wasser bei der Mühle im
Thalbach, dem einzigen fließenden Gewässer, das die Markung
berührt.

Die kräftigen, ansdauernden Einwohner, von denen 3
achtzig Jahre und darüber zählen, sind größtentheils fleißig,
sparsam, ordnungsliebend und kirchlich gesinnt. Aeltere Männer
und Weiber tragen noch bäuerliche Tracht. Man tanzt zu-
weilen bei Hochzeiten.

Die Vermögensverhältnisse sind mittel. Der vermöglichste
Bauer besitzt 70 M., der mittlere 25—30, der ärmere 1 — 5 M.
Ein kleiner Theil der Güter liegt aus Ebinger Markung.

Von Gewerben wird Strnmps-, Hauben- und Manchester-
weberei betrieben. Meßstetten war Jahre hindurch, ehe der
mechanische Webstuhl aufkam, ein Hauptsitz der Manchester-
Handweberei. Auch die Strumpf- und Haubenweberei beschäf-
tigt dort eine größere Anzahl Arbeiter, desgleichen die Schuh-
macherei; sämmtlich fast ausschließlich für Ebingen. Vor Ein-
sührung des Erdöls wurde von hier aus ein ziemlich aus-
gedehnter Oelhandel aus den Heuberg, in die Baar und den
Schwarzwald betrieben. Der Handel mit Früchten, insbesondere
Haber, ist heute noch von größerem Umfang. Gleich Bitz kann
sich auch Meßstetten einer Pstngspecialität rühmen, des bekannten
alten ^MeßstetterpflugsO der noch heute viel im Gebrauch ist.
Mousselinstickerei geht in die Schweiz, einige Holzgeräthe, Rechen
u. dgl. in die Umgegend. Auch selbst gesponnene und 'gewobene
Leinwand wird verkauft. 6 Schildwirthschaften, wornnter eine
kleine Brauerei, uud 3 Spezereikrämer dienen dem örtlichen
Bedarf. Jm Thal sind 2 Mühlen, eine mit 2 Mahlgängen
und einem Gerbgang, die andere mit einem Mahl- und einem
Gerbgang. Jm Ort 2 Oelpressen mit Pserdegöppel.

Der Hauptnahrungszweig ist die mit großem Eifer getrie-
bene Landwirthschast und Viehzucht.
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