Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 60): Beschreibung des Oberamts Balingen: mit fünf Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts und drei lithographirten Ansichten — Stuttgart, 1880

Page: 520
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Ortsbeschreibmig.

von Kirche und Schnlhaus freundliche Ort. Erstere mit neben
anstoßendem Kirchhof, den ein fchönes eisernes Gitterthor ziert,
steht in der Mitte des Orts nahe dem durchfließenden Lochen-
bache. Sie ist ziemlich geräumig, doch etwas schmal, und frennd-
lich hergerichtet. An das Langhaus schließt sich in drei Seiten
des Achtecks der Chor; an der nördlichen Ecke steht der schlanke
zeltdachgedeckte Thurm. Der Chor zeigt noch drei kleine gothische
Fenster mit ausgebrochenem Maßwerk, das Langhaus gothische
Thüren und ein viereckiges gothisches Fenster über der West-
thür, einige stilgemäße Fenster sind in neuerer Zeit eingesetzt.
Das Jnnere hat eine gemalte Decke mit Ornamenten und Engel-
köpfen (über der Kanzel Name des Malers: Zoh. Christof König
zu Kirchheim 1703), einen gothischen, etwas erneuerten Tauf-
stein nnd ein neues schön geschnitztes Altarkrnzifix.

Von den zwei Glocken des Thurms zeigt die größere die
Namen der 4 Evangelisten nnd den des Gießers, Dtarte Fuchs
1586; die kleinere ist von Mathens Grieninger 1682. Die
Kirche ist von der Stiftung zn nnterhalten. Das Schnlhans
von 1788 hat eine srenndliche Lage; es enthält die Lehrzimmer
und Wohnränme sür einen ständigen und einen unständigen
Lehrer. Das Rathhans wnrde 1838 eingerichtet. Anch ein
Waschhaus nnd Armenhaus besitzt die Gemeinde. Trinkwasser
ist gut nnd reichtich vorhanden; es wird in thönernen und

eisernen Teucheln 3 laufenden Brunnen zugeleitet; außerdem hat
man gegen 30 Pump-, Zieh- und Schöpsbrunnen. Eine Vizinal-
straße verbindet den Ort mit der Lochenstraße bei Ziegelwasen,
und es hat die Gemcinde eine steinerne Brücke und zwei

Stege zu unterhalten.

Die kräftigen Einwohner, von denen 4 über 80 Jahre
alt, sind von gntem Charakter. Jhr Nahrungsstand ist kaum
mittel. Der Vermöglichste besitzt etwa 32, der Mittelmann

6 — 9 Morgen, die ärmere Klasse ganz wenig. 100 Morgen
Güter liegen anf Nachbarmarknngen. Von Gewerben bestehen

2 Corsettsabriken mit mäßigem Erfolg. Eine Schildwirthschaft
und 3 Krämer dienen dem Verkehr. Jndustrieschule wird ge-
halten.

Die ziemlich ausgedehnte, abgerundete, aber großentheils
waldige Markung geht durch alle Schichten des braunen Jura
hindurch und erreicht an der Lochen und dem Horn noch dcn
weißen; sie hat einen humusreichen, meist tiefgründigen er-
giebigen Boden; Steine zum Straßenbeschläg, Kies nnd Lehm,
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