Paulus, Eduard [Editor]; Württemberg / Statistisch-Topographisches Bureau [Editor]
Beschreibung des Königreichs Württemberg (Band 56): Beschreibung des Oberamts Rottweil: mit drei Tabellen, einer geognostisch kolorirten Karte des Oberamts, einem Farbendruckbild und sechs Lithographien — Stuttgart, 1875

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Brikbcschrcilmiig.

init Eisenbahnstation,

Gemeinde II. Klasse mit 1810 Einwohnern, womnter 144 Evangelische.
n. Deißlingen, Pfarrdorf, 1735 Einwohner; d. Heiligenhof, Hof,
12Einwohner; e. Hinteihölzerhöfe, Weiler, 45 Einwohner; ä. Lengen-
feld, Hof, 7 Einwohner; s. Maienbühl, Hof, 11 Einwohner; Kath.

Pfarrei; die Evangelischen sind nach Schwenningen eingepfarrt.

2 Stunden sndwestlich von der Oberamtsstadt gelegen.

Dcr große, unregelmäßig angelegte Ort hat eme sehr freund-
liche, jedoch ziemlich unebene Lage an dem noch nicht erstarkten
Neckar und ist theils in die Thalebene, theils an die leicht geneigten
Abhänge gegen dieselbe weitläufig hingebaut. Viele ansehnliche Bauern-
häuser mengen sich unter die gewöhnlichcn ländlichen Wohnungen,
von denen nur wenige noch mit Schindeln gedeckt sind, während
die übrigen durchgängig Ziegelbedachung haben. Der Ort ist lieb-
lich mit Obstbaumgärten umsäumt, die sich auch in die Zwischen-
ränme der Gebäude hereindrängen; auch einzeln und gruppenweise
gestellte Pappeln am und im Ort tragen zu der gefälligen Ansicht
desselben wesentlich bei. Durch den Orte führt die Rottweil-Schwen-
ninger Landstraße und die den gleichen Weg einschlagende Eisenbahn
zieht nur etwa 500 Schritte südöstlich am Ort vorüber; an ihr
befindet sich zunächst am Ort cine Eisenbahnstation und eine weitere
(Trossingen) ebenfalls auf Deißlinger Markung, Stnnden südlich
von Deißlingen. Ueberdieh sind Vicinalstraßen nach Niedereschach,
Trossinge», Weigheim und Dauchingcn angelegt.

Die dem h. Laurentius geweihte so ziemlich inmitten des Dorfes
frei nnd schön gelegene Kirche soll in den nächsten Jahrcn durch
eine neue in modern romanischem Stil gehaltene ersetzt werden und
ist im ganzen Oberamtsbezirk die einzige Dorfkirche, die noch be-
deutende Reste der gothischen Bauart, des Spitzbogenstiles zeigt.
Der mit Strebepfeilern besetzte vieleckige Chor ist sast vollständig
erhalten, aus seinen Spitzbogenfenstern sind jedoch die spätgothischen
Füllungen herausgebrochen, mit Ausnahme des hintersten Chor-,
sensters.

Jm Jnnern hat das Schiff eine flache Decke, die in recht-
eckige Felder eingetheilt ist und in der Mitte ein großes nicht un-
tüchtiges Gemälde zeigt: Mariä Himmelfahrt mit der Unterschrift:
3. 6l. Olz-ekliör inv. ot pinx. 1723. Glyckher ein bekannter aus
Rottweil gebürtiger Maler des vorigen Jahrhunderts. Auch die
jetzt getünchtcn Wände des Schiffes waren bemalt. Der Chor hat
noch sein ursprüngliches sehr schönes Netzgewölbe mit zwei Schluß-
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