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Andermann, Kurt [Editor]
Historiographie am Oberrhein im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit — Oberrheinische Studien, Band 7: Sigmaringen: Thorbecke, 1988

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Mertens, Dieter: Geschichte und Dynastie: zu Methode und Ziel der "Fürstlichen Chronik" Jakob Mennels
DOI Page / Citation link:
https://doi.org/10.11588/diglit.52725#0125

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Geschichte und Dynastie — zu Methode und Ziel der
’Fürstlichen Chronik5 Jakob Mennels

VON DIETER MERTENS

I
Den fünf Jahrzehnten um 1500 und darin namentlich der sogenannten „Aetas Maximilia-
nea”1 kommt in der Geschichte des Hauses Habsburg der Rang einer Schlüsselzeit zu. Denn
in dieser Zeit vollzog sich der Aufstieg dieses Hauses, dessen steirische Linie in der Nachfolge
der albertinischen 1440 die deutsche Königskrone und 1452 die Kaiserkrone erlangt hatte,
von einer über mehrere Jahrzehnte bedrängten und geschwächten Stellung in den Erblanden
und im Reich zu einer beherrschenden Position in und über dem Reich, zur Position einer eu-
ropäischen Großmacht und des „Universaldominats”2. Im Verlauf dieses Vorgangs wandelte
sich das Selbstverständnis des habsburgischen Herrscherhauses. Ein authentisches Zeugnis
des neuen Selbstverständnisses, das geradezu den Charakter eines Vermächtnisses Maximi-
lians I. trägt, liegt vor in der von Jakob Mennel im Auftrag und mit unmittelbarer Beteiligung
Maximilians I. verfaßten und 1518 beendeten ’Fürstlichen Chronik genannt Kaiser Maximi-
lians Geburtspiegel’.
Die bis heute anhaltende, nunmehr seit fast einhundert Jahren zumeist heftig geführte
Kontroverse über die Absichten und die Bedeutung der Politik Maximilians I.3 war der Erfor-
schung dieser Chronik wenig günstig. Denn die Kategorien geschichtswissenschaftlicher Dar-
stellung und Deutung des ohne Zweifel eindrucksvollen und für die europäische Politik fol-
genschweren Aufstiegs des habsburgischen Hauses lauteten lange Zeit ausschließlich „Reich”
und „Dynastie”, und dies in einem auf „Realpolitik” reduzierten Verständnis, das Zeugnisse
des Selbstverständnisses ausschloß und vor allem in anachronistischer Weise politisch präfor-
miert und umstritten war. Rankes frühes Urteil über das Verhältnis Maximilians I. zu „Reich”
und „Dynastie”, das er in den ’Geschichten der romanischen und germanischen Völkef (1824)
aussprach4 und das schärfer gefaßt war als sein späteres in der 'Deutschen Geschichte im Zeit-
1 Zu diesem vornehmlich von Heinrich Lutz verwendeten Begriff vgl. H. Lutz, Die deutschen
Reichstage in der Staatslehre der Frühen Neuzeit, Göttingen 1966, S. 99, 162 Anm. 4, 185 ff, 190-212,
295 f, 460; H. Lutz, Christianitas afflicta, Göttingen 1964, S. 20.
2 Vgl. vor allem H. Wiesflecker, Kaiser Maximilian I., 5 Bände, München 1971-1986, 1, S. 11, 12;
5, S. 614, 642.
3 Zusammenfassend Wiesflecker(wie Anm. 2) 1, S. 11-43; 5, S. 612-643, und A. Lhotsky, Das Zeit-
alter des Hauses Österreich. Die ersten Jahre der Regierung Ferdinands I. in Österreich (1520-1527),
Wien 1971, S. 15-64, besonders S. 15-34.
4 Leipzig 31885, S. 72: „Nicht auf das Reich, für dessen wahre Bedürfnisse er wenig wesentliche Sorg-
falt zeigt, auch nicht auf das Wohl seiner Erblande unmittelbar, sondern auf die Verwirklichung jener
Idee (sc. die künftige Größe seines Hauses) geht seine ganze Politik, gehen alle seine Pläne.”
 
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