Die Geschichtsschreibung des Bistums Konstanz
im 16. Jahrhundert
VON EUGEN HILLENBRAND
Im 16. Jahrhundert entstanden innerhalb von fünfzig Jahren nicht weniger als acht Chro-
niken, die einen umfassenden Überblick der Konstanzer Bistumsgeschichte boten. Dieser
stürmische Zugriff ist umso erstaunlicher, als es bis dahin keine eigenständige Chronik des Bi-
stums gab. Wohl gab es die Tradition der Bischofslisten, wie sie seit dem 12. Jahrhundert auch
für Konstanz überliefert sind1. Aber sie enthielten eben nur die Namen der Bischöfe. Erst ge-
gen Ende des 14. Jahrhunderts traten Daten der Amtszeiten, sporadisch sogar Einzelnachrich-
ten hinzu2. Diese Listen vermittelten zwar den Eindruck der Kontinuität einer geistlichen In-
stitution, aber deren einzelne Träger blieben ohne Konturen. Andererseits waren wenige gro-
ße Bischofsgestalten bereits durch historiographische Würdigungen herausgehoben. In erster
Linie sind hier die hochmittelalterlichen Viten der heiligen Bischöfe Konrad und Gebhard zu
nennen; ihre Lebensbeschreibungen und Wunderberichte, die zunächst als Grundlage für den
Kanonisationsprozeß dienten, wurden von den späteren Chronisten des Bistums als unent-
behrliche Materialsammlung benutzt3.
Auch die Geschichtsschreiber der benachbarten Klöster Petershausen, Reichenau und
St. Gallen notierten eine Fülle von Nachrichten über ihren Oberhirten, vor allem dann, wenn
dieser auch Abt ihres Klosters war4. Und selbstverständlich zogen die städtischen Chronisten
der Bodenseemetropole ihre Bischöfe in die Darstellung ihrer Stadtgeschichte mit ein5. Aber
1 Th. Ludwig, Die Konstanzer Geschichtsschreibung bis zum 18. Jahrhundert, Straßburg 1894, beson-
ders S. 150f; Th. Ludwig, Einige unbekannte Konstanzer Chroniken und Bischofsreihen des General-
Landesarchivs zu Karlsruhe, in: ZGORh 49 (1895) S. 267-278. Die Listen der frühen Bischöfe sind
übersichtlich nebeneinander geordnet in: H. Lieb / R. Wüthrich, Lexicon Topographicum der römi-
schen und frühmittelalterlichen Schweiz (Antiquitates 1,15), Bonn 1967, S. 43f; M. Sot, Gesta episcopo-
rum. Gesta abbatum (Typologie des sources du Moyen Age Occidental 37), Brepols 1981.
2 F.J. Mone (Hg.), Die Fortsetzungen Twingers von Königshofen, in: Quellensammlung der Badi-
schen Landesgeschichte 1, Karlsruhe 1848, S. 300 - 309; Die Klingenberger Chronik, hg. von A. Henne,
Gotha 1861, S. 57-59.
3 E. Hillenbrand, Das literarische Bild des heiligen Konrad von Konstanz im Mittelalter, in: Freib-
DiözArch 100 (1980) S. 79-108; W. Wattenbach / F.J. Schmale, Deutschlands Geschichtsquellen im
Mittelalter. Die Zeit der Sachsen und Salier, 1, Darmstadt 1967, S. 249f; H. G. Walther, Gründungsge-
schichte und Tradition im Kloster Petershausen, in: SchrrVGBodensee 96 (1978) S. 36.
4 Wattenbach / Schmale (wie Anm. 3) S. 226-252 und 2, S. 528-532.
5 Ludwig, Geschichtsschreibung (wie Anm. 1) S. 97-150; Konstanzer Chronik, hg. von F.J. Mone, in:
Quellensammlung (wie Anm. 2) S. 309-349; Ph. Ruppert, Die Chroniken der Stadt Konstanz, Kon-
stanz 1891.
im 16. Jahrhundert
VON EUGEN HILLENBRAND
Im 16. Jahrhundert entstanden innerhalb von fünfzig Jahren nicht weniger als acht Chro-
niken, die einen umfassenden Überblick der Konstanzer Bistumsgeschichte boten. Dieser
stürmische Zugriff ist umso erstaunlicher, als es bis dahin keine eigenständige Chronik des Bi-
stums gab. Wohl gab es die Tradition der Bischofslisten, wie sie seit dem 12. Jahrhundert auch
für Konstanz überliefert sind1. Aber sie enthielten eben nur die Namen der Bischöfe. Erst ge-
gen Ende des 14. Jahrhunderts traten Daten der Amtszeiten, sporadisch sogar Einzelnachrich-
ten hinzu2. Diese Listen vermittelten zwar den Eindruck der Kontinuität einer geistlichen In-
stitution, aber deren einzelne Träger blieben ohne Konturen. Andererseits waren wenige gro-
ße Bischofsgestalten bereits durch historiographische Würdigungen herausgehoben. In erster
Linie sind hier die hochmittelalterlichen Viten der heiligen Bischöfe Konrad und Gebhard zu
nennen; ihre Lebensbeschreibungen und Wunderberichte, die zunächst als Grundlage für den
Kanonisationsprozeß dienten, wurden von den späteren Chronisten des Bistums als unent-
behrliche Materialsammlung benutzt3.
Auch die Geschichtsschreiber der benachbarten Klöster Petershausen, Reichenau und
St. Gallen notierten eine Fülle von Nachrichten über ihren Oberhirten, vor allem dann, wenn
dieser auch Abt ihres Klosters war4. Und selbstverständlich zogen die städtischen Chronisten
der Bodenseemetropole ihre Bischöfe in die Darstellung ihrer Stadtgeschichte mit ein5. Aber
1 Th. Ludwig, Die Konstanzer Geschichtsschreibung bis zum 18. Jahrhundert, Straßburg 1894, beson-
ders S. 150f; Th. Ludwig, Einige unbekannte Konstanzer Chroniken und Bischofsreihen des General-
Landesarchivs zu Karlsruhe, in: ZGORh 49 (1895) S. 267-278. Die Listen der frühen Bischöfe sind
übersichtlich nebeneinander geordnet in: H. Lieb / R. Wüthrich, Lexicon Topographicum der römi-
schen und frühmittelalterlichen Schweiz (Antiquitates 1,15), Bonn 1967, S. 43f; M. Sot, Gesta episcopo-
rum. Gesta abbatum (Typologie des sources du Moyen Age Occidental 37), Brepols 1981.
2 F.J. Mone (Hg.), Die Fortsetzungen Twingers von Königshofen, in: Quellensammlung der Badi-
schen Landesgeschichte 1, Karlsruhe 1848, S. 300 - 309; Die Klingenberger Chronik, hg. von A. Henne,
Gotha 1861, S. 57-59.
3 E. Hillenbrand, Das literarische Bild des heiligen Konrad von Konstanz im Mittelalter, in: Freib-
DiözArch 100 (1980) S. 79-108; W. Wattenbach / F.J. Schmale, Deutschlands Geschichtsquellen im
Mittelalter. Die Zeit der Sachsen und Salier, 1, Darmstadt 1967, S. 249f; H. G. Walther, Gründungsge-
schichte und Tradition im Kloster Petershausen, in: SchrrVGBodensee 96 (1978) S. 36.
4 Wattenbach / Schmale (wie Anm. 3) S. 226-252 und 2, S. 528-532.
5 Ludwig, Geschichtsschreibung (wie Anm. 1) S. 97-150; Konstanzer Chronik, hg. von F.J. Mone, in:
Quellensammlung (wie Anm. 2) S. 309-349; Ph. Ruppert, Die Chroniken der Stadt Konstanz, Kon-
stanz 1891.


