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Andermann, Kurt [Editor]
"Raubritter" oder "Rechtschaffene vom Adel"?: Aspekte von Politik, Friede und Recht im späten Mittelalter — Oberrheinische Studien, Band 14: Sigmaringen: Thorbecke, 1997

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Graf, Klaus: Die Fehde Hans Diemars von Lindach gegen die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (1543-1554). Ein Beitrag zur Geschichte der Städtefeindschaft
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https://doi.org/10.11588/diglit.52732#0173
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Die Fehde Hans Diemars von Lindach
gegen die Reichsstadt Schwäbisch Gmünd (1543-1554)
Ein Beitrag zur Geschichte der Städtefeindschaft

VON KLAUS GRAF
Im Januar 1925 brachte der Turnverein Lindach, damals bekannt nicht nur wegen seiner
turnerischen, sondern auch wegen seiner schauspielerischen Leistungen, im großen Saal
des Gasthauses zur Linde ein Stück zur Aufführung mit dem Titel: »Ritter Hans Diemer
auf Schloß Lindach«. Angekündigt würden »herrliche Bilder aus den Zeiten Gmünds mit
kernigem Humor gewürzt«, die an den größten Feind der Stadt Gmünd in der Mitte des
16. Jahrhunderts erinnern sollten1. Die bis heute in Lindach nachwirkende Traditionsbil-
dung um Hans Diemar zu Lindach hatte bereits im 19. Jahrhundert eingesetzt. So wid-
mete Michael Grimms Gmünder Stadtgeschichte von 1867 Diemar einen eigenen Ab-
schnitt2 mit wörtlicher Wiedergabe eines Absagebriefs an die Gmünder Untertanen aus
dem Jahr 1544. Unhistorisch ist an Grimms Darstellung freilich nicht nur der Diemar
fälschlich beigelegte Rittertitel. Von der Episode, daß Diemar die Gmünder vor dem
Schmiedtor verspottet und ihnen eine Viehherde weggetrieben habe, worauf die Gmün-
der »racheschnaubend« vor sein Schloß Lindach gezogen seien, aber dank der guten Be-
festigung nichts hätten ausrichten können, wissen die zeitgenössischen Akten ebenfalls
nichts. Bei der Erfindung dieser Geschichte3 haben unverkennbar die Raubritter-Vorstel-
lungen des 19. Jahrhunderts Pate gestanden. Ausgangspunkt der Traditionsbildung war
freilich die Gmünder chronikalische Überlieferung4, die wiederum durch das große Auf-
sehen veranlaßt worden war, das Diemars Fehde auch außerhalb der engeren Umgebung
der Reichsstadt Schwäbisch Gmünd erregt hatte. So liest man in der Chronik des Stutt-
garter Ratsherrn Sebastian Küng: Anno 1544 ist die statt Gemundt durch Hanns Diemern
übel befedert worden5.
1 Rems-Zeitung Nr. 1 vom 2. 1. 1925, S. 5.
2 M. Grimm, Geschichte der ehemaligen Reichsstadt Gmünd, Gmünd 1867 (ND Grafenberg 1989),
S.134-136.
3 Sie wurde von Grimm übernommen aus der Epple’schen >Chronik der Stadt Gmünd< im Gmün-
der Intelligenz-Blatt 1833, S. 174, wo sich 1834, S. 3, auch der Absagebrief abgedruckt findet. Die
Hauptquelle Epples, die Chronik Franz Xaver Deblers (StadtA Schwäbisch Gmünd Ch 2, S. 253),
schreibt an dieser Stelle noch nichts von der Fehde.
4 Zuerst die >Annalistischen Einträge zur Gmünder Geschichte 1529-1543<, ediert bei K. Graf,
Gmünder Chroniken im 16. Jahrhundert, Schwäbisch Gmünd 1984, S. 274. Vgl. auch die hand-
schriftlichen Chroniken Dudeums (StadtA Schwäbisch Gmünd Ch 2, S. 311) und Dominikus
Deblers (StadtA Schwäbisch Gmünd Ch 2, 5, S. 85).
5 I.K. Sommer, Die Chronik des Stuttgarter Ratsherrn Sebastian Küng, Stuttgart 1971, S. 146.
 
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