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vorhanden ist*). Das Ergebniss unserer vorstehenden Untersuchungen dürfte somit nicht ohne
Analoga bleiben, und damit für die deutsche mittelalterliche Illustrationskunst auf dem Ge-
biete der weltlichen Stoffe eine Continuität festgestellt werden, welche meines Wissens bisher
nicht genügend beachtet ist und den zünftigen Laien-Betrieb zum Theil von noch engeren
Banden umschlungen zeigt, als die klösterliche Bilder-Produktion unter der Zucht der tra-
ditionellen kirchlichen Anschauungsweise. Die Werthsehätzung der mittelalterlichen Kunst-
übung auf dem Gebiete der Büchermalerei wird durch die Anerkennung dieser Thatsache
in keiner Weise gemindert, vielmehr nur der richtige Standpunkt gewonnen, von dem aus
die Illustrationsthätigkeit jener bilderfrohen Epoche zu betrachten ist.

Zum Schlüsse sei noch kurz auf die litterar-geschichtliche Bedeutung derartiger
vergleichender Bilder - Studien hingewiesen. In Bezug auf die Textkritik bedarf es nur
einer Erinnerung an das 81. Bild, wo die vergleichsweise angeführte Eule auch in den
Mss. abgebildet erscheint, welche aus Unverstand des Vergleiches das Wort „iule" in „un-
wille" oder „spot" (s. oben S. 57 f.) verwandelt haben, und daher zur Darstellung einer Eulef
gar keine Veranlassung hatten. Die Lesart „iule" kann somit, trotzdem die älteste und |
beste Handschrift (A) die Lesart „Unwille" aufweist, unbedingt als die ursprüngliche be-*
zeichnet werden, ein Resultat, zu welchem Rückert auf anderem Wege, nämlich durch rein
sprachliche Untersuchungen, gleichfalls gekommen ist. Aber auch für die Bestimmung der
zeitlichen und örtlichen Herkunft ist die aus der vergleichenden Bilderkritik gewonnene
Feststellung der Abhängigkeit der Handschriften von einander von grosser Wichtigkeit,
Die Constatirung des Verwandtschaftsgrades der Bilderfolgen zweier Handschriften kann
schliesslich auch die textliche Verwandtschaft aufklären, so dass die vorstehenden Unter-
suchungen der philologischen Kritik wohl auch bei Aufstellung eines Stammbaums aller
Handschriften des wälschen Gastes bestimmte Anhaltspunkte darzubieten geeignet sein werden.

*) Die Uebereinstimmung der Bilderfolge in Werken wie der „biblia pauperum", dem „speculum
humanae salvationis" oder der „concordantia earitatis" hat hiermit nichts zu thun. Die Auswahl und Reihen-
folge der Bilder ist hier nach einem bestimmten Plane gestaltet und in sich selbst begründet. Es handelt
sich hier nicht um einen Bilderkreis aus der biblischen Geschichte, sondern um eine nach bestimmten Ge-
sichtspunkten geordnete Reihe von Bildern, deren Bedeutung in der richtigen Zusammenstellung beruht.
 
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