Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 3.1900

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BEIBLATT

Notizen aus dem Leithagebiete.

I. Die Leitha umfließt südlich von Ung.-Broders- dem Steine gelang es mir nicht, mich davon zu Über-
dorf einen aus dem Hauptzuge des Leithagebirges im zeugen, ob C oder G geschrieben sei. Der Name Magu-
rochten AVinkel ausspringenden langgestreckten Hügel- rix ist aus Münzen der Carnutes (Hucher, L'art Gaulois
rücken; sein westliches Ende, das noch etwa 30m P-45; Muret-Chabouillet n. 6398) bekannt. Zu Octus
über die Ebene sich erhebt, trägt die weithin sieht- oder Odo, das ich nicht direct zu belegen vermag,
baren Reste eines vielleicht noch dem 14. Jahrhundert theilt mir Herr Archivar Holder gütigst mit: „Vgl.
angehörenden Kirchleins, die als die Composita Octo-duros (Veste

,Alte Kirche' in der Generalstabs-
karte verzeichnet sind.') Auf dem
Friedhofe, der die Ruine umgibt,
liegt eine Inschriftplatte, von deren
Existenz Herr Baron Koblitz, k. u.
k. Artilleriebauptmann, mir Kennt-
nis zu geben die Güte gehabt hat.
Die Platte (Sandstein, ro8m hoch,
0*66m breit, 0"20. m dick) trägt auf
ihrer Vorderseite eine Nische mit
einem Brustbild in kräftig profi-
liertem Relief und unter der Nische
die Inschrift. Das Brustbild ist das
eines unbärtigen Mannes, der ein
anscheinend aus starkem, grobem

mm

OCT OMACVKICI

F-AN-L H • S E ■
FRATR EIPOS-

des Odos), ferner Octog{ä)esa, dann
die Ableitungen Octonins und Odo-
rius; odo als Appellativ stimmt zu
welsch odh (violent, excessif, dur,
hargneux). Composita sind auch Ati-
oyttiSj Ati-oyj.a." Der Pfarrer von
Ungarisch - Brodersdorf, der mich
trotz seiner schweren Erkrankung
empfieng, theilte mir mit, dass er
schon vor 20 Jahren den Inschrift-
stein an seiner heutigen Stelle ge-
sehen habe, und dass bereits damals
über die Fundstelle nichts Genaueres
zu ermitteln gewesen sei. Er wies
mir auch eine kleine Anzahl gut

Stoffe gefertigtes Gewand (die pae- erhaltener römischer Kaisermünzen

nula ?) über den Kopf gezogen hat Fig. 1 vor, die in der Umgebung der ,alten

und den herabfallenden Saum mit Grabstein von Brodersdorf. Kirche'aufgelesen worden waren, und

der Rechten an die Brust presst, machte mich auf einen gleichfalls von

während die Linke frei (oder aus einem Ärmel?) dieser Ortlichkeit stammenden kleineren, schriftlosen

herausblickt. [Die Inschrift, deren Lesung bei dem Steinsarg aufmerksam, dessen Kiste (ohne Deckel)

starken Überzug mit Flechten und der Corrosion ich am Brunnen des dem Gemeindehirten zuge-

durch Regenwasser Mühe verursachte, lese ich so: wiesenen Hauses wiederfand. Ziegel finden sich

Odo Magurigi[s~\ hier nicht.

f(ilius) an(norum) L, h(ic) s{itus) e(st), Außerdem zeigte man mir vor dem Hause

fratres j>os(uerunt). (n. 102) des Bauern Wady zwei Bruchstücke einer

Ich habe bei dieser Umschrift im zweiten Namen Sandsteinplatte, die von einem Sarkophag her-

(Z. 1) vielleicht zweimal c durch g wiedergegeben; vor rühren, das eine 0'6o X 0-40 X 0"19 m, das andere

1. ai tt- 1. j 'vi c 1 tA wä« 0-59X ri2 Xo-24m (Buchstaben Z. 1 0-08 m, dann
J) Als Kirche des hl. Stephan aut dem tnedhot berge

bezeichnet sie die unten Sp. 7 erwähnte Handschrift in 0'078m, 0"074m, 0-0745™); die Platte war erst beim

Eisenstadt. Ausheben zerbrochen worden.

Jahreshefte des österr. archäol. Institutes Bd. III Beiblatt. .
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