Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

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einem geschützten Raum befand, macht ihre vorzügliche Erhaltung begreiflich:
sie sieht aus, als hätte sie gestern die Werkstätte des Steinmetzen verlassen.

Ihr Eigenthümer, der meinen Begleiter und mich durch gastlichste Aufnahme
verpflichtete, hatte auch die Güte, eine genaue Publication zu ermöglichen. Dank
seiner Vermittlung ist für das Institut von einem Photographen zu Empoli die
Aufnahme angefertigt worden, die der vorstehenden Abbildung (Fig. i) zugrunde
liegt. Die Inschrift lautet:

u(ivus) j\ecit). | C. Gavius L(uci) ßilius) Asper \

L. Gavio Q(uinti) f(ilio) patri, \

Graeciae A(uli) f(iliae) Quintae \ matri, \

A. Gavio Q(uinti) f(ilio) patruo, \

L. Gavio L(uci) f(ilio) Mansueto \ fratri,
mil(iti) chor(tis \ duodecimae) urb(anae), \
vixit annos XXXVI, \ militavit annis V.

Der Stein gehört danach zu einem Familiengrab, das angelegt wurde, als
ein Gavius mit dem Vornamen Lucius und dem Cognomen Mansuetus im Alter
von 36 Jahren gestorben war, nachdem er fünf Jahre hindurch als Soldat der
zwölften städtischen Cohorte gedient hatte. Angelegt wurde das Grab von
seinem Bruder, also auch einem Gavius und Luci filius, aber mit dem Vornamen
Gaius und dem Cognomen Asper, und dieser bestimmte das Grab auch für
seinen Vater L. Gavius Q(uinti) f(ilius), seine Mutter Graecia A(uli) f(ilia) Quinta
und seinen Oheim, Vatersbruder A. Gavius Q(uinti) f(ilius). Es ergibt sich somit
folgender Stammbaum, in welchem ich die aut der Platte nicht verzeichneten
Namen eingeklammert habe:

(A. Graecius / f.) (Q. Gavius / f.)

_l_

Graecia A. f. Ouinta ^ L. Gavius O. f. A. Gavius Q. f.

___l_

L. Gavius L. f. Mansuetus C. Gavius L. f. Asper

Von den beiden Gentilnamen Gavius und Graecius gehört der erstere zu
den ältesten, an den sich deshalb auch eine ganze Reihe von Weiterbildungen
angeschlossen hat, wie Gavidius, Gavil(l)ius, Gavienus, Gavisidius, Gavolenus.
Dagegen ist der Gentilname Graecius verhältnismäßig spät. Entstanden wird er
sein, ebenso wie der entsprechende Gallius, als eine Persönlichkeit griechischer,
beziehungsweise keltischer Herkunft das römische Bürgerrecht erhielt.

Cognomina führen die Mutter und der Verstorbene selbst und dessen Bruder,
dagegen nicht deren Vater und Vatersbruder. Bekanntlich ist in der römischen
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