Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 5.1902

Page: 177-178
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eckige Zapfen erhalten, mit dem der Stein einst in
seine Unterlage eingelassen war. Die Umralimung ist
die einer Aedicula; in dem von schief cannelierten
Säulchen getragenen Giebel ein Adler mit ausge-
breiteten Schwingen auf einer Schlange stehend; die
zwei Ecken ober den Giebelseiten sind mit äbwärts
gerichteten Delphinen ausgefüllt. Das untere Drittel
des Schriftfeldes ist leer, der Charakter der Schrift
spätestens trajanisch.

Auf die Setzung von e statt ae, die Yerschrei-
bungen in Z. 7 und die Correctur des Zahlzeichens
V aus | in Z. 9 machte bereits v. Jaksch aufmerksam,
der auch in der Carinthia demnächst über das Er-
gebnis einer im Sommer 1902 veranstalteten Nach-
grabung berichten wird: Zerstörtes Brandgrab mit
wahrscheinlich hadrianischem Kupferas, Scherben
eines frührömisclienTerra sigillata-Bechers undandere,
aber ganz ordinäre Gefäßtrümmer, hübsclie Lampe

mit IEGIDI.

5. Gefunden September 1901 in Cilli gelegent-
lich einer Canalgrabung im Hofe der Burgkaserne,
in eine spätrömischeMauer verbaut, zusammen mit dem
in den Mitth. der C. C. 1902 Sp. 193 fT. publicierten
Relief; gegenwärtig im Cillier Localmuseum: kleines
schmales Bruchstück einer weißen Marmorplatte, lang
in der Diagonale 0'365 m, br. 0'o8 m, d. noch 0'085 m.
Links oben Rest der abgebrochenen Randleiste.
Ziemlich gute Buchstaben, offenes P. — Z. 7 etwas
höher als alle vorangehenden, die von 0^032 ra zu
0'024 m abnehmen [= CIL III S 15205 1].

Augenscheinlich liegt hier
ein Beleg vor für die bisher
nur durch einen Cursus hono-
rum CIL XI 5028 und durch
Ziegelstempel in Germania
sup. bezeugte dritte spanische
Auxiliarcohorte (s. Cicho-
rius in Pauly-Wissowa, IY
301 — 2). Leider ist aber auch
hier niclits weiter als die
hier ausnahmsweise(doch vgl.
CIL III 4849) ausgeschrie-
beneNummer und Herkunfts-
bezeichnung der Cohorte an-
gegeben, und aus ihrer Erwähnung eine zeitweilige
Anwesenheit in Noricum auch deshalb nicht zu fol-
gern, weil in Celeia, als dem Sitze des Statthalters,
genug Ordonanzen und Abcommandierte zusammen
gekommen sein werden.

In Z. 1 stand A oder M- — In Z. 5 wäre vor

HI$P . . . nur Raum für einen Buchstaben, folglich
kann das im Cohortentitel etwa zu erwartende
FLAV' oder dgl., wenn überhaupt, nur in der vierten
Zeile gestanden haben, und wird vor dem H vielmehr
leerer Raum gewesen sein. — In Z. 6 steht vor
der Zahl ein Punkt und davor der Rest eines C oder
G, (nicht S) wonach LE G zu ergänzen ist, was gerade
den Raum füllt. Zu denken wäre dann an die XXX.
Ulpia Traiana, oder wie sie auf Carnuntiner Ziegel-
stempeln heißt, Ulpia victrix, welche etwa um die
Mitte des zweiten Jahrhunderts in Germania inferior
(CIL YI 3492 Z. 6), voriibergehend auch, und zwar
vielleicht früher, in Pannonien stand (ClL III p. 482,
vgl. Kubitschek-Frankfurter, Fiihrer durch Carnun-
tum 3 13 —14). Das Nebeneinander von Auxiliar-
cohorte und Legion würde sich aber dadurch er-
klären, dass der Verstorbene — denn das Fragment
wird einem Grabstein angehören — aus der einen
Truppe in die andere versetzt war. Am nächsten
läge die Rittercarriere eines Präfecten, der zum
Legionstribunat befördert wurde. Dies scheint aber
ausgeschlossen, da [trib] mil(itum) vor der Cohorten-
bezeichnung stünde. Indes ist ein directer Übergang
von Personen des Mannschaftsstandes aus dem Miliz-
heer in die Legion zwar bekanntlich ebenso regel-
widrig wie heute der aus der Landwehr in die Linie,
allein nicht ohne Ausnahmen, die hier wie dort die
Regel bestätigen. Einen solchen Ausnahmsfall nun
würde gerade die Provinzhauptstadt Celeia am ehe-
sten verständlich machen, da hier, wo Soldaten ver-
schiedenster Herkunft zusammenkamen, wohl auch ein-
mal ein Auxiliare — etwa wegen seiner Sprachkennt-
nisse — in Beziehung zu einem Legionsoffizier treten
konnte. In der That weist mir Hula aus Doma-
szewskis Aufsatz über den bekannten Carnuntiner
Stein mit der Carriere eines Cohortendecurio zum
Centurionen Arch.-epigr. Mitth. Y 205 ein ähnliches,
wenn auch in späte Zeit fallendes Beispiel nach:
CIL V 898 [Au]re[l ius)] Moca militavit in (cohorte)
Claud(ia) miliarense . . . f]ac[t]us b. f. trib(uni) . . .
inde translatus in l(egionem) Au(reliam, so Hula),
factus signif(er) etc. . . . Icli vermutlie daher, dass bei
einer Zeilenbreite von 0'33 m etwa zu ergänzen sei:

Z. 3 MIL' [COHORTIS];

Z. 4 TERT[IAE, darnacli FLAV oder ähnlich;
z. 5 H IS PA[N (orum) B(eneficiarius) TPIB(uni)];
Z. 6 LE]C (ionis) XXX' [VLP(iae) VI C(tricis)].

Die größere Schrift der Schlusszeile ließe sich
leicht auf verschiedene Weise, z. B. durch den Namen
eines zweiten Bestatteten erklären.
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