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Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Jahreshefte des Österreichischen Archäologischen Institutes in Wien — 14.1911

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Walter, Otto: Neugewonnene Reliefs der athenischen Museen
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Fiebiger, Otto: Zur Geschichte der Bastarnen im zweiten vorchristlichen Jahrhundert
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https://doi.org/10.11588/diglit.45359#0310

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O. Fiebiger, Zur Geschichte der Bastarnen im zweiten vorchristlichen Jahrhundert

62

Um von den zahlreichen mir möglich gewor-
denen Zusammensetzungen an Weihreliefs wenigstens
einige zu nennen, will ich das Bruchstück Friederichs-
Wolters, Gipsabgüsse 1142 (Schöne, Griech. Rel. 80)
mit dem galoppierenden Pferde anführen, das durch
das anpassende Fragment Conze, Att. Grabrel. I 17
Taf. X, im Magazin des Akropolismuseums (Inv.
n. 4688) seine Hinterbeine wiederbekommt; letz-
teres Stück ist somit aus dem Grabreliefwerk zu
streichen. Zu dem Relief im Magazin des Akro-
polismuseums Inv. n. 2735 (= Sybel, Kat. 16972)
gehört ein Bruchstück ebda. Inv. n. 2567, welches
das Innere der Grotte mit einer Tänzerin vor einer
Herme zeigt. Ein aus drei ebenda befindlichen Stücken
(zwei davon Inv. n. 2994 und 2932) zusammengesetz-

tes Relief stellt drei sitzende Göttinnen dar. Durch
seine Form erinnert ein anderes ebenda Inv. n. 4731 -|-
2605 -J-2447 an das Stück im Nationalmuseum 1377;
wir sehen rechts neben der Cella, in der ein alter-
tümliches Bild einer Göttin mit Mantel und Polos
hinter einem Opfertisch steht, Athene nach rechts-
hin sitzend; auf dem zugehörigen Fragment Inv.
n. 2306 naht von rechts ein Zug Adoranten.
Zum Schluß erwähne ich noch, daß ich den
oberen Abschluß der in Bukarest befindlichen, von
Wilhelm in Jahreshefte IV Beiblatt 9 ff. Fig. 3 ver-
öffentlichten Stele mit erhobenem Händepaar im
hiesigen Nationalmuseum gefunden habe.
Athen. OTTO WALTER

Zur Geschichte der Bastarnen im zweiten vorchristlichen Jahrhundert.

Während früher die Meinungen über den wahren
Volkscharakter jener Galater, die durch ihr plötz-
liches Erscheinen an der Nordküste des Pontus
Euxinus um 190 v. Chr. die Bewohner der Griechen-
stadt Olbia in Schrecken setzten, weit auseinander-
gingen, darf es heute auf Grund der überzeugenden
Ausführungen E. Sehmsdorfs1) und F. Stähelins2)
für ausgemacht gelten, daß die für Kelten gehaltenen
Feinde vielmehr die germanischen Bastarnen waren3).
Die im ersten Viertel des zweiten Jahrhunderts
v. Chr. lebenden Olbiopoliten, die ihrem großen
Mitbürger und Wohltäter Protogenes zu Ehren den
vielerörterten, zuletzt von W. Dittenberger4) ver-
öffentlichten Beschluß faßten, hatten eben, wie
Sehmsdorf (a. a. O. S. 7) treffend bemerkt, von der
ethnographischen Zugehörigkeit der ihnen unbe-
kannten bastarnischen Barbaren keine richtige Vor-
stellung. Das läßt sich meiner Meinung nach sogar

direkt beweisen. Am Schlüsse des neunten Kapitels
der plutarchischen Lebensbeschreibung des Aemilius
Paulus heißt es von den Bastarnen, die, bald nach-
dem sie das pontische Olbia bedroht hatten, sich mit
dem makedonischen Könige Philipp V. und später
mit dessen Sohne Perseus verbündeten: Τπεκίνει δέ
(Περσεύς) καί Γαλάτας τούς περί τον ’Ίστρον φκημέ-
νους, Βαστέρναι καλούνται, στρατόν Ιππότην καϊ μά-
χιμον. Jenes neunte Kapitel nun geht, wie zuerst
H. Nissen5) und nach ihm W. Schwarze6) eingehend
dargelegt haben, nicht auf Polybius, Plutarchs Haupt-
quelle für das Leben des Paulus, sondern höchst-
wahrscheinlich auf einen von Plutarch nur in zweiter
Linie benutzten Geschichtschreiber Posidonius zu-
rück. Dieser Posidonius aber stammte nach Suidas7)
aus dem pontischen Olbia, lebte zu Perseus Zeit
und schrieb über die damaligen, ihm aus eigener
Anschauung bekannten kriegerischen Vorgänge in

4) Die Germanen in den Balkanländern 1899
S. 4 ff.
2) In der Festschrift zum 60. Geburtstage von
Th. Plüss 1905 S. 46 ff.
3) L. Schmidt, Geschichte der deutschen Stämme
I 1910 S. 460.

4) Dittenberger, Sylloge I2 1898—-1901 S. 226.
5) Kritische Untersuchungen über die Quellen
der 4. und 5. Dekade des Livius 1863 S. 299 f.
6) Quibus fontibus Plutarchus in vita L. Aemilii
Paulli usus sit 1891 p. 19 f.
7) Recens. Bernhardy II 2 p. 376.
 
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