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Die Synodos der ökumenischen Hieroniken und Stephaniten
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oder abwechselnd in verschiedenen Städten gefeiert
wurde, bleibt ungewiß. Gab es einen Vorort, dann
könnte schwerlich ein anderer als Ephesos in Be-
tracht kommen.
In den einzelnen Städten hatten die dort be-
heimateten Hieroniken, auch abgesehen von ihren Privi-
legien, eine bevorzugte Stellung. Bei festlichen Auf-
zügen der Bürgerschaft und kultlichen Prozessionen
traten sie korporativ im Schmucke der ihnen zu-
stehenden Kränze und Prachtgewänder20) auf, im
Theater sind ihnen besondere Plätze zugewiesen21)
und bei öffentlichen Geldverteilungen werden sie
gelegentlich bedacht22). In größeren Orten mögen sie
eigene Lokalvereine gebildet haben, die dann als
Filialen der ökumenischen Synodos anzusehen sind,
doch ist uns ein solcher Lokalverein bisher nur für
Tralles, also gerade die Stadt, in welcher unsere
Inschrift mit den Privilegien des Bundes aufgestellt
war23 * * * * *), und vielleicht für Hierapolis am Lykos24) be-
zeugt. Aus Milet kennen wir einen πρόξενος των άπά
τής οικουμένης ίερονεικών25), bei welchem die zu den
Διδύμεια kommenden fremden Wettkämpfer Unter-
kunft und Unterstützung gefunden haben mögen.
Smyrna JOSEF KEIL
Mysterieninschrift aus dem äolischen Kyme.
Von der im folgenden behandelten Inschrift, die
aus Kyme in das Museum der evangelischen Schule
in Smyrna gekommen ist, sind bisher nur Reste von
Z. 1—6 und dann Z. 41—60 nicht ohne mancherlei
Versehen veröffentlicht worden1). Wenn es mir bei
der argen Zerstörung der Schrift auch nicht möglich
wurde, einen ganz lückenlosen Text herzustellen, so
glaube ich doch, was ich in mehrwöchentlichen an-
gestrengtesten Bemühungen vor dem Stein erreichte,
schon jetzt vorläufig bekanntmachen zu sollen, da es
auf das Interesse der Fachgenossen rechnen darf.
Ich füge ein Faksimile bei, in welchem ich die aller-
dings oft trügerischen Buchstabenreste, so gut es mir
möglich war, eingezeichnet habe, um auch anderen
die Kontrolle meiner Ergänzungen und die Ausfül-
lung der noch vorhandenen Lücken zu ermöglichen.
Träger der Inschrift ist eine unten bestoßene
oder abgebrochene Stele aus graubläulichem Marmor,
die oben mit einfachem Profil geradlinig abschließt,
h. o‘74m, br. (Schaft) oben 0^253m, unten O'29m,
d. (Schaft) O'o8m. Die Rückseite ist roh belassen,
die rechte Schmalseite an der vorderen Kante durch
spätere Verwendung rundlich abgeschliffen, wobei
die Endbuchstaben der Zeilen zum Teil zerstört
wurden. Die wenig regelmäßige Schrift, in welcher
C mit Σ, M mit M wechseln, bedeckt den ganzen
Schaft; Z. i steht auf der Leiste des Oberprofils.
Ihre Höhe beträgt ΟΌΙ bis OOO7m. Von Z. 3 bis
Z. 40 ist die Schriftfläche derart zerstört, daß von
vielen Zeichen nur ganz geringe und oft schwer
deutbare Reste übrig geblieben sind und die Lesung
den größten Schwierigkeiten begegnet.
20) Nach P Z. 18 haben sie für ihre Panegyris
das Recht der πορφύρα.
21) Z. B. Inschr. v. Pergamon I n. 246 = W. Ditten-
berger, Or. Gr. 332 Z. 34 t.; CIG 2963 c; die Salu-
tarios-Inschrift aus Ephesos erwähnt mehrmals die
άεΐ χρυσοφοροΰντες ιερείς καί ίερονεΐκαι, denen im
Theater besondere Sitzreihen bewilligt werden.
22) IG XII 2, 68 Z. 11; Forschungen in Ephe-
sos II S. 138 unten.
23) Athen. Mitt. XXI 1896 S. 263; Bull, de
corr. hell. XXVIII 1904 p. 80 n. 3; CIG 2931.
Nach dem Hauptagone der Stadt heißt der dortige
Verein ή Όλυμπική σύνοδος των από τής οικουμένης
ίερονεικών καί στεφανειτων. Daß es wirklich ein be¬
sonderer Lokalverein war, geht daraus hervor, daß
er gemeinsam mit Rat, Volk, Gerusie und den Neoi
der Stadt verdiente Bürger ehrt.
24) Inschr. v. Hierapolis n. 36 Z. 1 ff. ή βουλή
καί δ δήμος . . . [κα]ί ή γερουσία καί ή είροτάτη
σοίνοδος καί ύ άπδ τής οικουμένης ίερονΐκαι κτλ.
2δ) Revue de phil. XIX 131= W. Dittenberger,
Or. Gr. 494 Z. 13 ff.
1) Μουσ. κ. ß. 1875 —1876 S. 20 n. ρια'(Abschrift
von A. Fontrier).
Die Synodos der ökumenischen Hieroniken und Stephaniten
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oder abwechselnd in verschiedenen Städten gefeiert
wurde, bleibt ungewiß. Gab es einen Vorort, dann
könnte schwerlich ein anderer als Ephesos in Be-
tracht kommen.
In den einzelnen Städten hatten die dort be-
heimateten Hieroniken, auch abgesehen von ihren Privi-
legien, eine bevorzugte Stellung. Bei festlichen Auf-
zügen der Bürgerschaft und kultlichen Prozessionen
traten sie korporativ im Schmucke der ihnen zu-
stehenden Kränze und Prachtgewänder20) auf, im
Theater sind ihnen besondere Plätze zugewiesen21)
und bei öffentlichen Geldverteilungen werden sie
gelegentlich bedacht22). In größeren Orten mögen sie
eigene Lokalvereine gebildet haben, die dann als
Filialen der ökumenischen Synodos anzusehen sind,
doch ist uns ein solcher Lokalverein bisher nur für
Tralles, also gerade die Stadt, in welcher unsere
Inschrift mit den Privilegien des Bundes aufgestellt
war23 * * * * *), und vielleicht für Hierapolis am Lykos24) be-
zeugt. Aus Milet kennen wir einen πρόξενος των άπά
τής οικουμένης ίερονεικών25), bei welchem die zu den
Διδύμεια kommenden fremden Wettkämpfer Unter-
kunft und Unterstützung gefunden haben mögen.
Smyrna JOSEF KEIL
Mysterieninschrift aus dem äolischen Kyme.
Von der im folgenden behandelten Inschrift, die
aus Kyme in das Museum der evangelischen Schule
in Smyrna gekommen ist, sind bisher nur Reste von
Z. 1—6 und dann Z. 41—60 nicht ohne mancherlei
Versehen veröffentlicht worden1). Wenn es mir bei
der argen Zerstörung der Schrift auch nicht möglich
wurde, einen ganz lückenlosen Text herzustellen, so
glaube ich doch, was ich in mehrwöchentlichen an-
gestrengtesten Bemühungen vor dem Stein erreichte,
schon jetzt vorläufig bekanntmachen zu sollen, da es
auf das Interesse der Fachgenossen rechnen darf.
Ich füge ein Faksimile bei, in welchem ich die aller-
dings oft trügerischen Buchstabenreste, so gut es mir
möglich war, eingezeichnet habe, um auch anderen
die Kontrolle meiner Ergänzungen und die Ausfül-
lung der noch vorhandenen Lücken zu ermöglichen.
Träger der Inschrift ist eine unten bestoßene
oder abgebrochene Stele aus graubläulichem Marmor,
die oben mit einfachem Profil geradlinig abschließt,
h. o‘74m, br. (Schaft) oben 0^253m, unten O'29m,
d. (Schaft) O'o8m. Die Rückseite ist roh belassen,
die rechte Schmalseite an der vorderen Kante durch
spätere Verwendung rundlich abgeschliffen, wobei
die Endbuchstaben der Zeilen zum Teil zerstört
wurden. Die wenig regelmäßige Schrift, in welcher
C mit Σ, M mit M wechseln, bedeckt den ganzen
Schaft; Z. i steht auf der Leiste des Oberprofils.
Ihre Höhe beträgt ΟΌΙ bis OOO7m. Von Z. 3 bis
Z. 40 ist die Schriftfläche derart zerstört, daß von
vielen Zeichen nur ganz geringe und oft schwer
deutbare Reste übrig geblieben sind und die Lesung
den größten Schwierigkeiten begegnet.
20) Nach P Z. 18 haben sie für ihre Panegyris
das Recht der πορφύρα.
21) Z. B. Inschr. v. Pergamon I n. 246 = W. Ditten-
berger, Or. Gr. 332 Z. 34 t.; CIG 2963 c; die Salu-
tarios-Inschrift aus Ephesos erwähnt mehrmals die
άεΐ χρυσοφοροΰντες ιερείς καί ίερονεΐκαι, denen im
Theater besondere Sitzreihen bewilligt werden.
22) IG XII 2, 68 Z. 11; Forschungen in Ephe-
sos II S. 138 unten.
23) Athen. Mitt. XXI 1896 S. 263; Bull, de
corr. hell. XXVIII 1904 p. 80 n. 3; CIG 2931.
Nach dem Hauptagone der Stadt heißt der dortige
Verein ή Όλυμπική σύνοδος των από τής οικουμένης
ίερονεικών καί στεφανειτων. Daß es wirklich ein be¬
sonderer Lokalverein war, geht daraus hervor, daß
er gemeinsam mit Rat, Volk, Gerusie und den Neoi
der Stadt verdiente Bürger ehrt.
24) Inschr. v. Hierapolis n. 36 Z. 1 ff. ή βουλή
καί δ δήμος . . . [κα]ί ή γερουσία καί ή είροτάτη
σοίνοδος καί ύ άπδ τής οικουμένης ίερονΐκαι κτλ.
2δ) Revue de phil. XIX 131= W. Dittenberger,
Or. Gr. 494 Z. 13 ff.
1) Μουσ. κ. ß. 1875 —1876 S. 20 n. ρια'(Abschrift
von A. Fontrier).


