Pan <Berlin> — 1.1895-96 (Heft I und II)

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Ehrenlegion erhalten. — Am 3. Juni flarb der verdienftvolle,
feinfinnige Dr. Conrad Fiedler in München, der Marks,
Böcklin, Thoma, Adolf Hildebrand und viele andere Künftler in
ihrem Wirken aufs nachärücklichfk gefördert und fich dadurch
das, Verdienß erworben hat, immittelbar nach dem Grafen Schuck
als einer unferer heroorragendflen Mäcene genannt zu werden.
— Der Maler Paul Chonavard, der in Paris geßorbm iß
(er war 1808 in Lyon geboren), hat der Stadt Lyon als feiner
Univerfalerbin die Verpflichtung auferlegt, jährlich 3000 frs. \ur
Unterflützimg von lyoner Künfllern im Alter von über 55 Jahren,
2000 frs. für das Bildniß äner lyoner Berühmtheit, die jedesmal
der, Gewinner des lyoner Preifes von Paris anzufertigen haben
wird, 1000 frs. %ur Vervollfländigimg des Mufeums Chonavard
%u verwenden und endlich jährlich 2000 frs. zurückzulegen, die
ßets nach Ablauf von zehn Jähren zum Ankauf
des hervorragendßen innerhalb diefer Zeit ent-
ßandenen Werkes eines lyoner Künfllers verwendet
werden Jollen. — Einer der thätigflen Kunft-
förderer, Ludwig Eduard Behrens, derBefitzer
äner äußerfl gewählten Galierie moderner Bilder
fowie einer reidmi Sammlimg altmeißner Porzel-
lane, iß in Hamburg geflorbeu. Er vermachte
der Hamburger Kumßhalle 150000 Mk. mit der
Jehr veißändigen Beftimmung, daß aus den Zinfen
diefes Kapitals nur Gemälde erflen Ranges an-
gekauft werden Jollen; falls Joldie gerade nicht
käuflid), find die Zinfen zum Zwecke Jpäter
geeigneter Wahl anzujammeln. — Fernand
Khnoppf's „Memories" wurde in Wien von der
Jury der XXIII. Jahresausflellung, allerdings unter
heftigen Widersprüchen außerhalb und innerhalb,
praeniiiert. — Das von derfelben Jury mit der
Karl-Ludwigs - Medaille gekrönte Bild Hans
Temple's „Victor Tilgner in Jeinem Atelier"
wird demnächft im Münchener Glaspalaß aus-
geflellt werden. — Der Bildhauer Tomaso
Gentile aus Florenz will Jeinen dauernden
Aufenthalt in Wien nehmen.
C Ausstellungen. D Vom 1. September bis 31.
Oktober wird eine akademifdK Kunflausßellumg
in Dresden ßattfinden. — Im lauf enden Jahre fällt
der Sdiweizer „Salon", die große, von den
eidgenöffifdoenBimdesbebördenfubventionierteAiis-
flelliMig, die alle zwei Jahre wiederzukelrren pflegt, aus. Dafür kon-
zentriert fidi das Kiimflintereffe aller Krcdfle auf die flogen. „Turnus-
ansßellu'Ug", eine vom Schweizerijchen Kunßverein arrangierte
Sammlung, die aus einer Stadt in die andere zieht und überall
fo lange verweilt, als Hoffnung befleht, etwas von den mitge-
brachten Sdmtzen an den Mann zu bringen. Indeffen würde
man fehl gehen, wollte man in diejer wandernden Ausflettumg
ein zutreffendes Bild Schweizerijdien Kunftlebens, Sdnveizerijdjer
Kunftübung erblicken. Denn die namhaften Künftler derdeutfdKii
Kantone fludot man hier vergebens. Die gehen mit ihren neueflen
Werken in den „Salon", oder, wenn diejer Jeine Pforten ge-
fdrtoffen, in die Ausflellung des jungen, von lebendigem modernen
Geißle erfüllten Vereins „Künßlerhaus Zürich". Die Weflfdowäzer
aber, voran die Genfer, haben ein befonderes, in fido abgefchloffmies
Kunflleben, in dem fie ilyr Genüge finden, und wenn fie über-
haupt hmausßreben, ßo weiß ihr Pfad naturgemäß nad) Paris.
Bleibt alßo für die Turnusausftellwig nur Jchivädolidoes Mittelgut

übrig, einige Dilettanten, wie fie fich in allen „Kunftvereinen"
breit zß machen verftehen, einige Maler, die noch immer grollend
abfeits der neu gefundenen Wege flehen, endlich einige gute ältere
Studie, die vom letztjährigen „Salon" her bekannt find. Das iß
Alles. Die künfllerißdie Ausbeute ifl demnach Jehr gering. Unter
den ungemein zuhlrdd} vertretenen Landßdoaften — von iyo Ge-
mälden gehören faß 100 dieflem Genre an — verdienen allein
Beadihmg ein warm abgetönter Sandreuter „Rheinufer bei
Stein a. Rh." und eine prachtvoll durdigeführte Baumgruppe von
der nimmer müden Hand Rudolf Kollers. Am maßen Auf-
fiehen erregen zwei Arbeiten des Genfers Ferdinand Hodler,
der als auf flelbfländigen Bahnen wandelnder Kolorifl nicht ohne
Bedeutumg ifl. Sein „Mann ohne Arbeit" ifl eine tüchtige Ate-
lierftudie, während die „Anbetimg" — ein Kind, in verzücktem
Gebete imter Blumen hnieend — den Einfluß der
Parißer „ Roßenkreuzer* verrät. Erwähnt Jei noch
von den wenigen Skulpturen eine fein empfun-
dene Bronze von R. Reymond, den Didrter
Duchqfal darflellend. — Unmittelbar nachdem
die „Turnusausflelhmg" uns vetiaffen haben
wird, eröffnet — Anfang Juni —■ der Verein
„Künßlerhaus Zürido" die. Pforten feines neuen
provijorijchen Ausflellungsgebäudes, das genü-
gend Raum gewährt, um nicht nur die heften
Schweizer Arbeiten aufzunehmen, Jondern aud)
das Ausland zu Worte kommen zu laßen. Die
Vereinsleitung ifl beflrebt, fo viel als möglidi
"Neues zu bieten, und hat dabei von Deutfch-
land aus fldoon lhatkräfiige Unterfliilzung er-
fahren. Neben den rein idealen Zielen wird
dabei auch ein praktifdm Zweck verfolgt: einen
eigenen Sdnvei'zer Kunftmarlit, der bisher fehlte,
Zu begründen. — Mit der in dieflem Sommer
in LÜBECK abzuhaltenden Nordißchen Aus-
ßellimg wird eine Abtheilimg für die Kunft
der Oflfeeländer verbimden Jein. — Berlin:
Ausßelhmg der Verfalyren des Kunfldrucks im
Kunftgewerbe-Mujeum vom iß. April bis zum
9. Juni; bejonders reichhaltig die farbigen
Drucke vertreten; widjtig für das Affidien-
wefen. — Im Mäix bei Georges Petit
eine gewählte Ausflellung, die gute Bildnifße von
Alexander, Skiern von Cottet, Laudßhaften
von Aman Jean und Tbaulow, vor allem aber zwei Whiftlers
enthielt, eine fdieinbar nur Jhizzjrte dod) vollendet aufgeführte
Darflellimg feines Ateliers und ein duftiges Bild der Themfle bei
Abend. — Vom 20. März bis 20. April Ausßelhmg der Rose f
Croix, mit poetiflchen weiblichen Köpfen von Maurin, ftimmungs-
vollen Kompofitionen von Gület, Osbert, Point Seon, Zeichnimgen
für Glasgemälde von Duthoit u. a. — Die Entwürfe zwm
Bismarck-Denkmal für Berlin, über 100, werden im Juni im
Ausftelhmgspalafl ausgeßellt iverden. — iß. Anguß bis30. November
in Paris im Champ de Mars, Galierie Rapp, eine internationale
Ausflellung zur Feier der Erfindung der Lithographie vor hundert
Jalrren. — Demnächft foll bei M. Bing in Paris, Rue de Pro-
vence, eine Ausflellung der Werke des belgijcheu Bildhauers Con-
ftantin Meunier ßattfinden. Die Anzeige des neuen Bing'flehen
Salons finden imßere Lejer als Beilage. Wir find mit großer Freude
bereit, feine Beflrebimgeu,die den unfleren verwandtfind, nach beflen
Kräften zu unterftützen. Was er will, geht am heften aus einem

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