Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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Schimpf und Ernst c. 2H1—2YZ

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Von Ernst das 292.
Ein Kind fand seim Vatter grau Har.
s was ein Buer in einem Dorff, der Hel vil Kind^ der ward
Mörder, das treib er ein lange Zeit. Uff einmal het er ein Söchterlin,
das steig uff ein Banck und wolt im Lüß süchen uff dem Lopff mit dem
Strel, als es auch thet. Und da sie also sucht, da fand es graweHar und sprach:
Walter, du hast grawe Har.' Er sprach: ^Züch mir eins uß?' Sas Söchterlin
zohe im eins uß. Ser Man nam es in sein Hand und sprach: O ewiger Got,
ist es umb die Zeit umb mich, das ich grau bin, so ist es warlich Zeit, das ich
mich besser/ Und er bessert sich und thet penitentz umb sein Sünd umb eins
grswen Hars willen.
Mancher hat den Lopff vol und würt vor Gräwe wider weiß, als da sie Lind
waren, dannocht ist noch kein Besserung da, sie machen es, wie sie es gewont
haben. Aa, sprechen sie, weißheit kumet nit vor den Aaren. Sie Aar sein auch
nit güt für die Thoren. Ich hab manchen alten Narren gesehen, ich hab auch
manchen jungen weisen gesehen und manchen jungen Narren und manchen
alten weisen. Aber der Tüffel haßt die alten Narren.

XXIX. Von der Selcht.

Von Schimpfs das 2qz.
Ein Segin verlor die Kürsen.
ü Straßburg sein vil Beginen, die tragen gewonlich Mentel
und Lürsen von Beltz darunder. Uff einmal kam ein Begin von den
und wolt Heimgon, da begegnet ir ein erbere Krau, die wolt
Jauch Meß hören, und es was in dem Advent. Sie Krau sprach zü der
Beginen: ^Schwester, wa kumen ir her?' Sie sprach: ^Ich kum von
meinem Beichtvatter und hab gebeichtet, und ist mir recht leicht worden.' Und
da sie heimkam, da Hel sie die beltzin Lürsen verloren, die was ir under dem
Mantel hinweggerütscht, darumb was ir so leicht worden.
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