Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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Schimpf und Ernst c. 381—383

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mein Her Dionisius wolt, so bedörfftestu nit Kraut essen und Heltest wol besser
Sing zü essen/ Diogenes sprach: ^Woltestu Krut essen, so bedörfftestu deinem
Herren Dioniflo nit adulieren und Schmeichlerei treiben/
Das ist war? wan an der Fürsten Höss da schmeichlen sie allein den Herren,
das sie zü essen und zü trincken haben und sie betriegen umb das Zr und geston
den Herren alles, das sie sagen. Loben die Herren ein, so loben sie in auch,
schellen die Herren ein, so schelten sie in auch. Und die Schmeichler, die
Pfefferlecker und Dellsrschlecker sein arme elend Lüt und sein darzü Unglück^
hälftige Kögel, sie tragen Wasser uff beiden Achßlen und schleissen Scheren
und wenden und reiten uff zweien Süllen, sie dienen zweien Herren und sein
keinem günstig, und etwan dreien.
XL.V. Von Vantzen und Pfeiffen.
Von Ernst das Z§Z.
Der Tüfe! machet zü Tantz.
^71 n dem Tütschen Land ist es geschehen, dss ein Pfeiffer
bestell was in einem Dorff und solt inen zü Dantz pfeiffen, und kamen
die uß den nechsten Sürffern auch dar zü dem Dantz, als man nit in
allen Dörffern Pfeiffer zü besolden vermag. Es fügt sich in dem Zar, das diser
Pfeiffer und Trumenschlager kranck ward und beichtet und versähe sich zü
sterben, und sagt dem Priester zü, das er sein Leben lang nimerme zü keinem
Dantz pfeiffen noch die Trumen schlagen wolt. Und an dem dritten Sontag
hort der Priester, das einer zü Dantz schlüg, und gedacht: ^Zst der so bald
widerumb gefallen nach seinem Züsagen?' und gieng zü dem Dantz und lügt,
ob es derselb wer. Und da er zü dem Dantz kam, da sähe er in dort sitzen, und
schlüg zü Dantz. Soch^woit der Priester die Sach recht erfaren und gieng in des
Pfeiffers Huß, da fand er in an dem Bet ligsn. Sa gieng der Priester wider
in die Kirchen und holt ein Stolen und gieng wider zü dem Dantz und warff
dem Tüffel den Stol an den Hals und sprach: ^Zch beschwer dich bei dem
lebendigen Got, das du mir sagest, wer du seiest/ Er sprach: ^Zch bin der
Tüffel, und ist mir leid, das ich uff disen Tag solt ein semlichen Schaden leiden
von des Schalcks Willen, der von meinem Dienst gewichen ist. Mir ist leid,
das ich im nit vor langem den Hals hab abgebrochen, und bin selber an seiner
Stal gestanden/ Sa verschwand er vor iren aller Augen und liesi ein grosen
Gestanck hinder im.
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