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Pauli, Johannes; Bolte, Johannes [Editor]
Schimpf und Ernst (1. Theil): Die älteste Ausgabe von 1522 — Berlin: Herbert Stubenrauch Verlagsbuchhandlung, 1924

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https://doi.org/10.11588/diglit.57346#0341
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Schimpf und Ernst c. 322—324

301

von den leichten Lüten, dis einander züsauffen ein Maß Weins zumal oder
ein groß Glaß vol gantz uß, als man andere güten Sing auch mißbrucht. Got
würt inen den Lon geben und sie darumb straffen, thün sie nit penitentz. Hüt
du dich!
I^XXVI. Von GeWOnheit.
Von Schimpff das 523.
Ser Storck kicket einem anderen Storcken ein Aug uß.
s Hel ein Storck einem andern Storcken ein Aug ußgebickt
^it seinem Schnabel, das was im so leid, das er uß dem Land fliehen
wolt, und da er also flöhe, da kam ein anderer zü im, dem sagt er es,
wie es im gieng und wa er hin wolt. Siser sprach zü im: -'Hastu den Schnabel
bei dir, damit du den Schaden gethon hast?' Ser Storck sprach Sa. Siser sprach:
"So blyb nur hie! Wan das du hie hast gethon, denselben Schaden magst du
anderßwa auch thün. Wiltu aber hinweg, so laß den Schnabel hie!'
Ser Schnabel bedüt den eignen Willen oder ein böse Gewonheit. Wa wir
hinkumen, so wöllen wir unsern eignen Willen haben und thün, wie wir ge^
wont haben. Sarumb so thün wir unß selbs grosen Schaden.

Von Ernst das 524.
Unser Sing ist Kleschenwerck.
1 ß nser Ding ist Wy AeschenWerck x Wannt man ein nüW Mtzine
I I §leschbönt,darnachschmecktflealwegen.Böntmanflemttwolschmecken"
den Singen, als mit Zmber undGewürtz,so schmeckt sie darnach, bönstu
sie mit Tüfelßtreck, mit Asiafetida, so stinckt sie darnach. Also wir sein gebönt
und haben gewont Leckery und haben nichtz anders gesehen von unsern Eltern.
So leren euwer Kind auch nichtz anders von euch, so sein wir also, wie wir ge/,
wont haben, stzuod nova testa capit, inveterata sapit.j Es singt ein jeglicher
Kogel, als im ein Schnabel gewachsen ist.
 
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