Conze, Alexander [Editor]
Altertümer von Pergamon (Band I, Text 3): Stadt und Landschaft — Berlin, 1913

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Quellgebiete.
Die vcrichiedencn Wa Her! ei tun gen von Pcrgamon haben untereinander wenig oder gar
keinen Zulammenhang. Sic lind nicht ein einheitliches Wasserwerk, welches allmählich ver-
größert und ausgebaut wurde, sondern (ic beliehen aus einzelnen Leitungen, welche gelbnderte
Quellgebiete aufluchten und aus ihnen Waller zur Stadt und vielsach auch belli mm ten An-
lagen zuführten. Solange die Ansiedlung auf dem Burgberg keinen großen Umsang hatte und
(ich auf leine Spitze belchränkte, wird man sich mit der Wallerentnahme aus einzelnen Quellen
am Berge und mit Zisternenwasser begnügt haben. Bei weiterer Ausdehnung des Stadtgebietes
kam als Quellgebiet die Gegend zwilchen den beiden Klüss'en Sclinus und Ketios vornehmlich
in Betracht bis hin zu dem fernen Gebirgsllock des Madaras-Dag im Norden (vgl. die Karten
Taf. I und II). Als sich die Stadt bis an den Fuß des Burgberges erweiterte, konnte man auch
das Gebirge westlich von Pergamon, den Geikli-Dag, und die Gegend des Kolak als Quellge-
biete mit hinzunehmen, und in römilchcr Zeit, als sich die Stadt bis in die Ka'ikosebenc er-
llrecktc, ging man noch weiter und zog die im Ollen liegenden Gebirge, ja lelbit den auf der
südlichen Seite des Ka'ikosllulses gelegenen Trachala-Dag sowie die Quellen des Ka'ikos mit in
den Rahmen.
So wurde allmählich die' ganze pergamenilche Landlchast in einer Entsernung bis zu 40 km
Radius vom Mittelpunkt der Stadt und darüber sür die Wallergcwinnung nutzbar gemacht.
Der Gebirgsllock in der näheren Umgebung von Pergamon belteht aus einem feilen Trachyt-
geltcin, welches durch vulkaniiehe Evolutionen der Urzeit vielfach große Adern porösen zer-
setzten Gelleins enthält, geeignet, das Mcteorwaller l'chwammartig aufzuiaugen und in vielen
Quellen wieder austreten zu lallen. Der Quellenreichtum der Gegend wird durch die zerklüstete
GcHalt der Berge und die jetzt noch gute Bewaldung der höheren Berggebiete unterllützt. Das
Metcorwalser würde aber den großen Wallergehalt, der ielblt in den trocknen Jahreszeiten nicht
versiegt, nicht allein erklären, wenn nicht die Kondensation der Lustseuchtigkeit durch Abkühlung
im Erdinnern noch unterltützend hinzuträte, die in dem windreichen Küllenlhiche der nord-
weillichen Ecke Kleinasiens von großer Bedeutung ilU.
Der Hauptstrom, welcher die pergamenilche Landlchast durchssießt, ill der Ka'ikos. Unge-
sähr beim erllen Drittel seines Lauses von der Mündung auswärts ergießen sich in ihn, von
Norden mit starkem Gesälle aus den Gebirgen kommend, zwei Zwillingsllüsse, welche während
ihres annähernd parallelen Lauses nur einen Raum von 1 — i'/a km Breite zwilchen lieh lallen, der
Selinus und Ketios. Zwilchen dielen Flülsen erhebt sich als letzter Ausläuser des Gebirges der
Burgberg von Pergamon, lehr Heil nach der Seite des Ketios, weniger steil nach der Seite des
Selinus, nach Süden sich allmählicher in die Kaikosebene lenkend. Der Berg erreicht eine ab-
solute Höhe von 335 m über dem Meere, über der Kaikosebene steigt er etwa 300 m, Über der
modernen Stadt etwa 270 m empor.

1 Über die Grund- und Quellwasserbüdung h;ibe ich in der Deutschen Bauzeitung, Jahrg. 1907, n. S2, S. 578,
gehandelt.
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