Verein Historisches Museum der Pfalz [Editor]; Historischer Verein der Pfalz [Editor]
Pfälzisches Museum: Monatsschrift d. Historischen Vereins der Pfalz und des Vereins Historisches Museum der Pfalz — 22.1905

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Monatsschrift

für heimatliche Literatur und Kunst, Geschichte und Volkskunde.

F>ercrusgegek>en r>on H*rof. Ar. JoH. Kiköerrbrcrnö im Auftrag öes
Literarifryen Wereins öer Wfcrtz.

DugtercH Mc>ncrtsbtuLt öes KistorifcHen Wereius öer H'fcrkz
uuö des 'AfätzifcHeu Kunstuereius.

XXII. Jahrgang Nr. Ä Kaifersrautern Februar 1905

Aulmi't: Anselnl Feuerbach und seine Kunst. Bon Fr. Ulm, Speyer. — Die Pflege der Mundart
und die Mundartabende in der Pfalz. Von Emil Haas, Klingenmünster (Fortsetzung).
- Zum tOO. Geburtstage von Friedrich Wilhelm und Karl Heinrich Schultz. Von
Or. Herrn Poeverleiu, Ludwigshafen. — Zwei Verordnungen über Beamte der kur-
pfälzischen Kanzlei, Rechenkammer und Verwaltung uirno 1664 und 1666. Von Or.
M. Thamm, Montabaur. — Miszelle l„Die Krim"). — Zeitschriften- und Bücherschau.
— Historischer Verein der Pfalz. — Pfälzischer Kunstverein.

Ansetni FeirerbnKj und seine Kunst.

Von Friedrich Ulm.

Zu Speyer, in Feuerbachs Geburtsstadt, erscheint mir in erster Linie die
Anregung gegeben zu sein, nachdem in Nr. 9 dieses Blattes der Lebensverhältnisse
dieses hochbedeutenden Künstlers gedacht ist, auch dem Knnstwirken desselben eine
eingehendere Schilderung zu widmen. Mögen deshalb die folgenden Zeilen einen
kleinen Beitrag zum Verständnis der eigenartigen Kunst dieses zu frühe dahin-
geschiedenen Meisters geben!

Es ist bekannt, daß Feuerbnchs Kunst im Gegensatz und Widerspruch zu
seiner Zeit und Umgebung stand und daß dadurch sein ganzes Leben eine wahre
Tragödie von Verkennungen und Zurücksetzungen war. Seine Bilder wurden meist
einer sehr herben, oft ungerechten Kritik unterzogen und die letzten Jahre seines
Lebens, namentlich sein Aufenthalt und Wirken in Wien, brachten ihm besonders
viel Ärgernisse.

Die Fragen: Warum wurde Feuerbach von seinen Zeitgenossen nicht ver-
standen^ Warum erkannte man damals nicht die Schönheit seiner hohen klassischen
Kunst? stehen im engsten Zusammenhang mit der allgemeinen Frage: Worin liegt
das Wesentliche in der Malerei, in der bildenden Kunst überhaupt? Man ant-
wortete auf diese Frage damals mit Beziehung auf die historische Kunst: Die
Kunst besteht im Herausgreifen, Festhalten und Schildern hervorragender Begeben-
heiten aus der Geschichte und Sage und in der Fähigkeit des Künstlers in seiner
Phantasie alle diese längst vergangenen Fakta wieder ins Leben zu rufen und an-
schaulich zu machen, Gedanken durch Formen zu versinnbildlichen und dadurch den
Geist des Beschauers nnzuregen. Diese Antwort wäre nicht unrichtig, wenn üe
nicht eine Menge Mißdeutungen im Gefolge gehabt hätte.

Indem man das Bild als eine Abbildung, als Illustration irgend eines be-
deutenden Faktums oder als symbolische Einkleidung > irgend einer philosophischen,
religiösen oder auch poetischen Idee auffaßte, war man leicht geneigt, diesefJdee
für das Wesentliche und das Bild für das Sekundäre zu halten. Dies war aber
falsch, denn jede Kunst ist eine Sprache für sich selbst, die entweder in Worten
oder Versen oder in Tönen oder in Linien, Farben und Formen spricht. In dieser
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