Verein Historisches Museum der Pfalz [Editor]; Historischer Verein der Pfalz [Editor]
Pfälzisches Museum: Monatsschrift d. Historischen Vereins der Pfalz und des Vereins Historisches Museum der Pfalz — 22.1905

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und Abschwächungen bringt, so besonders Vers 2): „Ich sattle mir mein Pferd,
setz' mich auf meinen Mantelsack und reite weit umher als Jäger aus Kurpfalz",
statt des unstreitig Richtigeren: „Auf, sattelt mir mein Pferd und legt darauf
mein'n Mantelsack, so reit ich hm und her als Jäger aus Kurpfalz." — Hier die
gebieterische,^ zu befehlen gewohnte Herrensprache, dort der gehorsame Diener, der
sich sein Rößlein selber schirrt! —

Als Vorzug rechne ich jedoch der Freiburger Ausgabe den Umstand an, daß
sie das ganze neuere Lied nur in den drei bekannten, weil allgemein gesungenen
Strophen niit der uns geläufigen Melodie wiedergibt, während die beiden anderen
Ausgaben in Vers 3 und 4 noch zwei für den Laien schwerverständliche Ein-
schiebungen enthalten. Auch der Inhalt des kürzeren Liedertextes steht in erklär-
lichem, gemeinverständlichem Zusammenhänge:

1) Reiten und Wildschießen im Walde nach Gefallen,

2) Aufbruch zu und von der Jagd mit Hin- und Herritt,

3) Bis zum nächtlichen Kuckuckschrei anhaltender Jagdeifer,' dazu jeweils das
Lob der Jägerlust auf grüner Heide!

Wie fremd dagegen und unbeholfen muten uns die beiden Einschiebsel an:

„Des Jägers seine Lust den großen Herrn ist bewußt, ja wohl bewußt, wie
man das Wildbret schuß. Wohl zwischen die Bein, da muß der Hirsch geschossen
sein,- geschossen muß er sein auf eins, zwei, drei!"

Letzteres ließ ich mir als Jäger zur Not noch gefallen, nämlich das stille
Tempogeben zum Gewehrabdrücken, dagegen muß ich die weiter anempfohlene Art
den Hirsch zu erlegen als durchaus unweidmännisch rügen,' man schießt das Hoch-
wild bekanntlich mit der Kugel aufs Blatt und nicht zwischen die „Läufe", wie die
Beine des Haarwildes in der Jägersprache genannt werden müssen. Also zwei
grobe Verstöße gegen die Jägerregel nach Inhalt und Form in dem einzigen Satz:
„Wohl zwischen die Bein, da muß der Hirsch geschossen sein!"

Diese in einen, alten vielgesungenen Jägerlied immerhin ausfällige Erscheinung
findet jedoch ihre natürliche Erklärung dadurch, daß beide Einlagen nur Lückenbüßer
und mundgerecht gemachte, verwässerte Wiedergaben für Strophe 3 und 4 des
älteren größeren Liedes sind. Auch die letzte Strophe der drei neueren Ausgaben
ist nur eine abgeschwächte Form des etwas deutlicheren fünften Verses älteren Textes.

Ich lasse deshalb die für sich sprechenden und für den Leser wohl mäuniglich
keines weiteren Kommentars mehr bedürfenden drei älteren Verse 3 mit 5 hier
absichtlich noch einnial folgen:

Vers 3) Hubertus auf der Jagd, der schoß ein'n Hirsch und einen Has', er traf
ein Mägdlein an, und das war achtzehn Jahr. Juja, juja! Gar lustig re.

„ 4) Des Jägers seine Luft, die hat der Herr noch nicht gewußt, wie man

das Wildbret schießt, schießt's in die Läuf' hinein, juja, juja! Da muß
das Tier getroffen sein s: allhier auf grüner Heid' :s.

„ 5) Jetzt reit ich nicht mehr heim, bis daß der Kuckuck „Kuckuck" schreit, er-

schreck die ganze Nacht, Hab mich zum Schatz gemacht. Juja, juja!
Und bleib bei ihr die ganze Nacht, f: bis daß der Kuckuck schreit:j.

Außer diesem mit seiner Begleiterscheinung in derber Jägersprache gegebenen
Liebesabenteuer enthält jedoch das ältere Lied noch in Vers 0 mit 9 eine harmlose,
urgemütliche und darum auch recht ansprechende Episode, welche auf das pfälzische
Volks- und Wanderleben zur Wende des 16. Jahrhunderts ein behagliches Streif-
licht wirft.

Unser umherreitender Jägersmann begrüßt zwei zur Kurpfalz reisende Frem-
den, bietet sich ihnen als Reisebegleiter an und stellt sich nur als Jäger aus Kur-
pfalz vor, sichtlich bestrebt sein Inkognito zu bewahren.
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