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Pfeilstücker, Suse
Das Wesen der Plastik — Führer zur Kunst, Band 20: Esslingen a.N.: Paul Neff Verlag (Max Schreiber), 1922

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https://doi.org/10.11588/diglit.67363#0015
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Die zwei Erscheinungsformen
der Plastik.
Vielgestaltig äußert sich die schöpferische Kraft des bilden-
den Künstlers. Der Baumeister sinnt kühne Dome mit ewigkeits-
starken Mauern und schlanken durchbrochenen Türmen, der
Maler bannt die große, vielfarbige Natur auf eine kleine Lein-
wand, und des Bildhauers geheimnisvolle Hände formen emsig
den zarten Leib einer schönen Frau.
Baukunst, Malerei und Bildhauerei, die drei bildenden
Künste, waren von jeher der Menschheit Glück und Stolz.
Schon der Mensch der ältesten Zeiten fühlte unbewußt ihre
beseligende Kraft, und mit frohem Lächeln schuf er kindliche,
aber in tiefer Seele geschaute Werke. Ihm stand neben der
Baukunst die Liebe zum Formen am nächsten. Wenn er zier-
liche Tiegel aus Ton knetete, den harten Stein zu feinge-
schwungenen Speerspitzen meißelte, aus Bronze einen Halsring
schmiedete, so formte er. Aber noch war dies Formen keine
Kunst, sondern nur Kunst h and werk. Bis es eines Tages
geschah, daß ein Jäger wie spielend aus einem Knochen das
große Beutetier schnitzte, das eben vor seinen Augen zusammen-
gebrochen war (Abb. 1). Da war Formkunst, Plastik, war
jene Kunst entstanden, die in vorgeschritteneren Zeiten eine
Aphrodite von Knidos, einen Moses, einen Beethoven schaffen
sollte.
Mit verschiedenen Namen bezeichnet man die Formkunst:
mit dem griechischen Wort „Plastik“, das körperlich runde
(daher plastische) Formenbildung bedeutet, und dem lateinischen
Pfeilstücker, Das Wesen der Plastik. 1
 
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