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Pfeilstücker, Suse
Das Wesen der Plastik — Führer zur Kunst, Band 20: Esslingen a.N.: Paul Neff Verlag (Max Schreiber), 1922

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https://doi.org/10.11588/diglit.67363#0082
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Die Plastik und Wir.
Es gibt in Deutschland viele hochgebaute Museen, in deren
feierlichen Hallen Werke alter und neuer Plastik ausgestellt
sind: sie werden nur spärlich besucht.
In unserem Lande leben viele tüchtige Bildhauer; ihre
Kunst bringt ihnen sehr, sehr wenig ein. In einer großen
Stadt Westdeutschlands ist es unlängst vorgekommen, daß ein
hervorragender Bildhauer aus Mangel an Aufträgen Straßen-
bahnangestellter wurde und nun tagtäglich an dem von ihm
geschaffenen Denkmal, einem der besten und volkstümlichsten
der ganzen Stadt, vorbeifahren konnte.
Es gibt unter uns viele Kunstliebhaber, die mit innigem
Entzücken, ja mit Rührung ein schönes, altes Bauwerk, ein
gutes Gemälde oder eine sinnvolle Radierung zu betrachten
wissen, — eine Plastik dagegen sagt ihnen wenig oder
nichts.
Wie mag es nur kommen, daß der Deutsche von heutzu-
tage der Bildhauerkunst so fremd gegenübersteht! Einerseits
ist im Nordländer, im Germanen, der Sinn für schöne Stel-
lungen, schwungvolle und wohlabgerundete Gebärden, für
einen gelassenen und anmutigen Gang nicht so entwickelt wie
bei den Romanen und anderen südlichen Volksstämmen. Man
vergleiche nur einmal einen nordischen Volksredner mit einem
südländischen, betrachte nacheinander Momentphotographien,
die deutsche und italienischen Straßenscenen darstellen! Doch
diese angeborene Abneigung des Deutschen gegen
schöne, „malerische“ Stellungen bringt nicht allein die
 
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