Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen nnd Funde.

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Die Sammlung der Funde, die Jedermann gerne zur Besiehtigung offen
steht, enthält Folgendes :

Einige Kopfknochenfragmente, 2 UnterMeferäste mit 13 cm langen Eck-
zähnen, 1 Backen-, 3 Mahlzähnen und einem Theil des Zwischenkiefers mit
3 Schneidezähnen, sowie Theile von Kiefern und einzelne Zähne und
Eckzähne,

1 Unterkieferast eines jungen Bären, dessen Eckzahn noch im Kiefer
eingeschlossen steckt, und eines älteren Thieres, Eckzahu halb hervorstehend.

Hals, ßrust und Rückenwirbel, 5 Wrrbel wurden noch vollständig bei-
sammenliegend gefunden,

Rippen, meistens abgebrochen, längste Stiicke 25 cm lacg,

Schulterblatt zerbrochen,

Schlüsselbein sehr stark,

Beckenknochen eines alten und jungen Thieres,

Schenkelknochen 30 bis 40 cm lang,

Fusswurzelknochen, Zehen und Krailen sehr stark.

Den Kiefern nach zu schliessen , dtirften die Ueberreste ca. 6 Bären
angehören, deren Körper im Verhältniss zu unseren jetzigen braunen Bä-
ren ungleich grösser und kräftiger war. Die kolossaien Wirbel mit den
sehr langen Fortsätzen . Schenkelknochen mit mächtigen Gelenkköpfen und
über 30 cm lange Unterkieferäste beweisen dies zur Geniige.

Auch kann das Alter kein geringes sein, denn ich fand Knochen 30 cm
im Lehm , die mit Silikaten fast vollständig eingehüllt waren , auch ein
Stosszahn ist derart mit der Tropfsteinmasse eingehüllt, dass nur die Spitze
heraussteht.

Das Email der Zähne ist noch fast vollständig und glänzend erhalten,
überhaupt ist alles verhältnissmässig gut erhalten, was jedeufalls der zähen
Lehmsehichte zu verdanken ist.

Ausser diesen Sachen fand ich weniger bedeutende Reste anderer dilu-
vialer Thierchen, auch einige Stückchen von Rehgewichtern und abgenagte
Knochen mit Zahnspuren.

Noch ist zu bemerken , dass die Knochen zerstreut liegen und dürfte
dies auf das Eindringen des W rassers zurückzuführen sein , wodurch die
Knochen verschwemmt wurden Nur die 5 zusammengehörigen Wirbel-
knochen lagen beisammen in einer buchtähnlichen Aushöhlung.

Der Wasserspiegel der Donau ist ca. 20 m unter dem Niveau des
Höhlenbodens.

Ganz am Eingange fand ich oberflächlich in jüngerer Ablagerung einige
Topfscherben, die germanischen Ursprungs sind. Also jedenfalls hat die
Höhle erst später Menschen zur Wohnstätte gedient und nicht im Zeitalter
der Höhlenbären.

Erwähnenswerth finde ich noch ein abgeschlossenes Bohrloch im In-
nern der Höhle, wo der senkrechte Schacht in den grossen Raum mündet,
und wird dieser Schuss eine Erweiterung des aufsteigenden Schachtes her-
beigeführt haben.

Vielleicht sind durch die Anfangs erwähnten Felsensprengungen Ende
vorigen Jahrhunderts gelegentlich des Strassenbaues verschiedene Einstürze
in der Höhle vor sich gegangen, so dass jetzt der Zugang zu weiteren Hohl-
räumen verschüttet ist. Laut mündlicher Tradition soil sich dio Höhle sehr
weit fortsetzen und heim ,,Frauenbrünnl u ihren Ausgang Iraben.

Weiter wurden einige Steinniesser gefunden. Eugen Schneider.
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