Prähistorische Blätter — 6.1894

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1 cm
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Ein Eronzedepotfund von Szczodrowo, Prov. Posen.

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Ringe, wie jene massiv, viel stärker und dernentspreehend
auch um das dreifache schwerer wie jene. Ihr Gewicht be-
trägt nämlich 508, 549,5 und 619 gr*), die Dicke eines
jeden Ringes an der stärksten Stelle 21 mm, an den Enden
11 mm; diese sind ebenso wie bei den Szczodrowo’er Ringen
an ihrer Aussenseite mit Einkerbungen versehen (4 -j- 4,

5 -f 4, 6 -j- 6) und stossen tlieilweise ganz dicht an-
eiuander, theilweise sind sie nur 1 mm von einander entfernt.

Auch sie konnten erst durch Schmieden in ihre Eorm
gebracht werden, da die Enden bei einem Exemplare so
dicht aneinander schliessen, dass kaum ein Blatt Papier da-
zwischen gebracht werden kann.

Der 8. Ring des Kokorzyner Fundes ist ein gegossener,
offener, ovaler, massiver Ring, 416 gr schwer; die Enden,

6 cm von einander entfernt, sind zu Endplatten verbreitert.

Die Zeit, der beide Funde angehören, ist nicht genau
zu bestimmen, da weiter keine Gegenstände mit ilmen ge-
funden wurden, die darüber Auskunft geben könnten; wohl
Bronze- oder schon allerfrüheste Ftallstattzeit. Letzteres
wenigstens schliesst S. von Zakrzewski aus ähnlichen Funden,
die zusammen mit Objekten aus der Hallstattperiode früher
in der Provinz Posen gemacht worden sind.

Dass Szczodrowo schon in früheren und noch in späteren
prähistorischen Zeiten bewohnt war, zeigen B'unde aus der
jüngeren Steinzeit und Reste einer ganz bedeutenden Eisen-
schmelze; jedenfalls ist Szczodrowo eine uralte prähistorische
Ansiedlung, der die geschützt.e Lage am Obrabrucli gentigend
Schutz und Sicherheit vielleicht durch Jalirtausende ge-
geben hat.

*) Sollte es auch gewagt erscheinen, trotz der grossen Gewichts-
difFerenz von 111 gr zwischen dem schwersten und leichtesten dieser
3 Ringe ein Durchschnittsgewicht zu berechnen, das 559 gr betragen
würde, so ist es zum mindesten auffallend, dass 3 Ringe vom Szczodrowo’er
Typus ü zusammen genommen dasselbe Gewicht zeigen (3 mal dem
Durchschnittsgewicht 188 gr = 564 gr). Ueberhaupt wäre es an der
Zeit, bei allen Beschreibungen von Bronzedepotfunden etc. aueh das
genaue Gewicht der betreffenden Stücke mitzuteilen, um zu ermitteln,
ob dieselben, die ja als Handelswaare dienten und als solche importiert
wurden, nicht etwa nach irgend einem Gewichtssystem abge-
wogen sind, dessen Heimat uns über den Ursprung der Bronze auf-
klären würde.
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