Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen und Funde.

Ausgrabungen und Funde.

Das Reiliengräberfeld bei üettenheim.

Mitgetbeilt von Lehrer Roth in Schambach.

(Schluss.)

"Werfen wir einen kurzen Rückblick auf die bis jetzt vollführten Aus-
grabungen.

Was die Anordnung der aufgedeckten Gräber anlangt, so haben sich
bisher in fortlaufender Reihe von Westen nach Osten 7 Begräbnisse'er-
geben, die in regelmässigen Abständen von circa 1 m übereinander lagen.
Zu dieser Reihe zählen die mit 1, 2, 4, 5, 7, 9 u. 10 bezeichneten Gräber.
In der davon cirea 1 m nach Norden liegenden Reihe fanden sich bloss
3 Begräbnisse und zwar Grab 3 neben 2 und 6 neben 5, imd das nebeu
Grab 9 erwähnte Begräbniss, dessen Ueberreste in der obersten Ackerschicht
zum Vorscheine kamen. Von der nach Süden anliegenden Reihe wurde
bloss eine Stelle neben Grab 7 untersucht und das mit Ziffer 8 bezeichnete
Begräbniss aufgedeckt.

In den Gräbern 5 u. 6 u. 7 u. 8 fand sich je eine Frauenbestattung
neben einer Kriegerbestattung und zwar immer das Frauengrab links vom
Kriegergrab. Sowohl die Uebereinstimmung in der Reichheit der Grabbei-
gaben, sowie die in der nördlichen Reihe erwiesenen Unterbrechungen flihren
zu der Annahme, dass hier familienweise begraben worden sein müsse oder
dass zum wenigsten Mann und Frau neben einander bestattet worden seien.

Die Gräber 3 u. 10 enthielten männliche Bestattung ohne Waffen-
beigaben. Dies und die sonst ärmlichen Grabbeigaben lassen vermuthcn,
dass wir es hier mit Personen zu thun haben, die eine untergeordnete
Stellung im Stamme einnahmen und die zum mindesten nicht den freien
Männern des Stammes zuzuzählen sind.

Was die TiefLage der Gräber anlangt, so differirt dieselbe zwischen
0,20 m imd 1,80 m.

Kindergräber wurden, wie auck heutzutage, weniger tief angelegt.
Dock wurde beobacktet, dass ein Kindergrab um 0,45 m tiefer lag als ein
Frauengrab unmittelbar danebeu; anderseits aber fand sich auck, dass ein
Frauen- und Kindergrab nebeneinander gleiche Tiefe hatten. Es scheint
sonack hierin kein bestimmtes Mass eingehalten worden zu sein.

In der Hauptsacke fiel die Grabsohle mit der beginnenden gelbeuSand-
schicht zusammen. Doch ging auch ein Grab noch fast */2 m in die Sand-
schicht hinunter.

Von den aufgedeekten Gräbern zeigten bloss zwei — die Gräber 4 u. 5
— auf der Grabsohle Holzspuren, so dass angenommen werden kann, die
Todten seien auf einem Brette liegend zu Grabe gebracht worden.

In den übrigen Gräbern scheinen die Todten in ihrer Kleidung bezw.
Ausrüstung auf den Boden niedergelegt worden zu sein.

Beziiglick der Niederlegung der Grabbeigaben ist zu bemerkeu , dass
Gebraucksgegenstände — Messer und Spindeln — stets auf der linken Seite
sich fanden, wührend die Waffen auf der rechten Seite — einmal auck auf
dem Körper (Grab 8) — niedergelegt wurden.

Die Grabgefässe fanden sich stets auf der rechten Seite unmittelbar
am Handgelenke.

In 4 Gräbern fanden sich auck Thierknochen und zwar dreimal Ueber-
reste von Eberldefern und lmal 3 Eberrippen; in drei Fällen lagen diese
Ueberreste neben dem Grabgefäss körperaufwärts (Grab 2, 4 u. 8) und in
einem Fall am Fussende (Grab 1). In dreien dieser Gräber fanden sich
Pfeilspitzen (Grab 1, 2 u. 8). In Grab 4 zeigten sich zwar auck an der
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