Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen und Funde.

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rechten Seite ganz von Eost zerfressene Eisenüberreste, ob jedoch dieselben
Fragmente einer Pfeilspitze oder eines anderen kleinen Gegenstandes aus
Eisen seien, konnte nicht mehr bestimmt werden.

Grab 1, 2 u. 4 enthielten die Begräbnisse von 2 Mädchen und 1 Ivna-
ben, die in jugendlichem Alter verstorben sind; Grab 8 das eines Kriegers,
der, nach dem guterhaltenen Gebiss zu schliessen, ebenfalls eines friihon
Todes verstorben ist.

Ich glaube das Puchtige getroffen zu haben, wenn ich annehme, dass
durch die Eberbeigaben nebst Pfeilspitzen das frühe Hinscheiden hat sym-
bolisirt werden sollen, wie auch bei den Griechen des kalvdonischen Helden
Bild mit Jagdspeer, Eberkopf und Hund als Symbol eines friihen Todes
gegolten hat. Hiedurch wüirde sich auch das Yorkomnren von Pfeilspitzen
iu weiblichen Begräbnissen erklären lassen.

Känrnre fanden sich nur iu den beiden Mädchengräbern 2 u. 4; die
Erauengräber enthielten keine Känrme. Tn Grab 2 war der Kanrnr zu Fiissen
und in Grab 4 am Kopfende niedergelegt. Jedenfalls haben wir es auch
hier mit einer symbolischen Handlung zu thun.

Hier sei auch bemerkt, dass es sowohl in Dettenheinr , wie auch in
anderen Orten dieser Gegend, in manchen Fanrilien heutzutage noch Brauch
ist, jenen Kanrnr, mit clem der Yerstorbene zuletzt gekämnrt worden ist,
mit in das Grab zu geben. Aucb der von dem Todten inr Leben gebrauchte
Löffel und die Gabel figuriren heute noeh als Grabbeigaben. Es soll auch
noch in den letzten Jahren vorgekonrnren sein, dass eine Frauensperson
dieser Gegend ihren verstorbenen Angehörigen anr Allerseelentage Speisen
auf das Grab legte.

In Nr. 6 der ,,Prähistorischen Blät.ter. 1889 a theilte Herr Lindenschmit
nrit, dass in den Eeihengräbern von Schierstein Schwert und Sax so gut
wie gänzlich fehlen, wäbrend dagegen die Lanze in den verschiedensten
Fornren sehr häufrg vertreten ist. Für die Gräber von Dettenheinr ergibt
sich die umgekehrte Wahrnehmung. In den Kriegergräbern finden sich
stets Spatha und Sax beisammen, während bis jetzt auch nioht eine einzige
Lanze erhoben werden konnte.

Aus Bronze fanden sich 2 Gürtelschliessen, 1 Spangenfibel und ein
schwaches Gürtelbeschläge; alle sonstigen Metallgegenstände waren aus
Eisen.

AVas endlich den Perlenschnruck in den Frauen- und Mädchengräbern
anlangt, der nach Form und Farbe die reichste Abwechslung bietet, so
glaube ich annehmen zu müssen, dass wir es hier durchweg nrit impor-
tirten Fabrikaten zu thun haben ; nur eitrige nachgeformte Sandsteinperlen
können als einheimische Erzeugnisse in ßetracht komnren. Herstellungs-
weise und Form zeugen von einer fortgesclrrittenen Technik, wie sie bei der
einheinrischen Bevölkerung nicht gesuclrt werden kann.

Noch sei mir erlaubt, kurz auf die Erzeugnisse der Töpferei zu kom-
nren. Dieselben sind durchweg schwarz bemalt und verlaufen von der
Mitte der Gefässwände aus nach unten und oben kegelförnrig. Die bis
jetzt beobachteten Verzierungen finden sich nur auf den oberen Gefäss-
hälften vor. (Vergl. Lindenschnrit, Handbuch d. deutschen Alterthumskunde.
S. 480 Fig. 1.) Wenn auch die Fornr der Gefässe weniger gefällig ist, so
sind doch die Verzierungen sorgfältig ausgeführt.

Ich schliesse diesen Bencht nrit dem AVunsche, wenigstens ein Scherf-
lein zur Klärung der Vorgeschichte unseres Vaterlandes beigetragen zu
haben und mit einenr frohen „Glück auf!“ für die Ausgrabungen des ange-
fangenen Jahres.
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