Prähistorische Blätter — 6.1894

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Ausgrabungen und Funde.

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So hat uns durch 3 Jahrtausende der Spaten geführt,
einen gevvaltigen Zeitrauin und doch erscheint er dem ge-
ringfügig, der in Tonna prähistorisch zu sehen gewohnt ist.
Nur wenige hundert Meter westwärts von unserer Grabstätte
liegt das engbegrenzte Gebiet der Kalktuffe, jener Diluvial-
gebilde, die durch die in sie eingeschlossene Fauna und Flora
uns Kunde geben von einer um viele, viele Jahrtausende
älteren Zeit. Dort sammeln und bewundern wir die fossilen
Reste des Elephas antiquus, Rhinoceros tichorrhinus, des
Ursus speläus, der Hyaena spelaea, Pilanzenreste von Gly-
ceria spectabilis, Coryllus arelaha, endlich die unzähligen
Heliceen wie helix liquida, costulota, der, der Tonna ihren
Namen gegeben hat — heiix tonnensis und viele andere mehr.

Aber auch diese Zeit genügt noch nicht, die Epochen
zu umspannen, von denen Tonna Zeugniss gibt. Der ober-
fiächlichste Spaziergang schon bringt eineu fast Schritt für
Schritt in Berührung mit den Heliceen der Trias, Ceratiden
und Encrineen, die von einer Zeit reden, wo ein tropisches
Klima unter unserem Breitegrad herrschte. Nocli wenige
Schritte weiter und mächtige Granitbiöcke zeigen uns die
Grenze, bis zu der die Gletscher der Eiszeit sich dereinst
vorgesclioben hatten, zwischen deren Muränenschutt sich
später der Lauf unserer Unstrut herausgebildet hat.

So drängt sich auf einem kleinen Flecken von kaum
V-2 □ Meile ein unendlicher Zeitraum zusammen. Tonna
repräsentirt an sich eine Geschichte. Zahlreicher als selten
sonst sind uns palaeontologische, prähistorische und histo-
rische Documente enthalten, uns Kunde gehend von uns
vollkommen fremden Welten und, dann allmählich zur heu-
tigen Welt herüberleitend, von ihren vorgeschichtlichen Be-
wohnern und ihren geschiehtlicben Begebenheiten. Nur
von einer winzigen Episode daraus handelt die gegebene
Schilderung einer Ausgrabung prähistorischer Zeiten, doch
möge sie genügen, das Interesse an Tonna wieder erweckt
zu haben.

Ausgrabungen und Funde.

H ocliäcker im Taunus. Nachdera bereits vor melireren Jahren
der Direktor des Nass. Altertkumsvereines, Herr Sanitätsrath Dr. B. Flor-
schütz, in der Nähe von Wiesbaden, und zwar oberhalb der Station
Ckausseehaus, derAAiesbaden-Schwalbacher Bahn, Hochäcker nachgewiesen
hatte, hat man in diesem Frühjahre die diesbezüglichen Forschnngen wieder
aufgenommen uud werden dieselben uach den neuerdings gemachten Ent-
deckungen wohl bald m dem Schlusse ftihren, dass die ganzen Südabhänge
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