Prähistorische Blätter — 6.1894

Seite: 77
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Ausgrabungen und Funde.

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wenig Resultate, die zweite dagegen hat verschiedene Inschriften geliefert,
von denen eioe hochalterthümlich ist, und ehenso zahlreiche Fragmente
von feinen mykenisehen Yasen und von alterthümlichen griechischen Vasen
mit Darsteilungen in Relief. Äuch habe ich prähistorische Steine erlangt,
die neue Syllabarzeichen enthalten, durch die sie mit den von Herrn Evans
entdeckten in Verbindung gesetzt werden. Ich habe jetzt auch begonnen,
meine Aufmerksamkeit auf das Studium der vorhellenischen Schreibweise
von Kreta zu richten, und kann jeden Tag neue Fortschritte verzeichnen.
Während der letzten Woche habe ich zwei neue Zeichen von zwei in
Vorus gefundenen Steinen eintragen können. Wir haben auch eine Höhle
in der Nähe von Lebena erforscht, wo wir Vasen gefunden haben, die
denen von Thera (2000 v. Chr.) ähnlich sind, dazu kamen noch Gegenstände
aus Stein und eine prähistorische Wohnung. Auch auf den Abhängen des
Ida sind altertbiimliche Reste zu Tage gekonnnen.“

Bei Stetten im Lonthal, O.-A. Ulm , hat man einen Steinhügel fge-
öffnet, der einen weiblichen Schädel, eine Bronzenadel und einige Scherben
entbielt. Bedeutungsvoll wird der Fund dadurch, class durch ihn die An-
nahme gerechtfertigt wird, dass eine sehr grosse Anzahl von ähnlichen
Hügeln, die sich in den umliegenden Waldungen befinden — es-sollen tiber
1000 sein — ebenfalls prähistorische Grabstätten bilden.

Das Härdtfeld in vorr ömischer Zeit (Würt.temberg.) Unter
dem Härdtfeld versteht man bekanntlich den hochgelegenen Landstrich,
welcher in west-östlicher Richtung von dem Brenzthal nach der bayerischen
Grenze, in nord-sridlicher vom Quellgebiet der Jagst in allmählicher Ab-
flachung gegen das Donauthal sich hinzieht. Das Ganze gleicht, wenn man
ein Stück bayerisches Gebiet im Osten, das geographisch dazu gehört, bei-
zielit, einer Vorschanze, die vor dem mächtigen Bollwerk der Alb, bezw.
des deutschen Jura breit und massig hingepflanzt ist. Hier eröffnet sich
dem Alterthumsfreunde ein reiches Forschungsgebiet: Hügelgräber, Erd-
schanzen, Ringwälfe, Hochäcker aus prähistorischer Zeit, Ueberreste röm-
ischer Niederlassungen, Gräber alemaunisch-fränkischen Ursprungs geben
Zeugniss von der Besiedlung dieser Gegend von jenen in reizvolles Dämmer-
licht gehüllten Zeiten an, denen der Forscher fast nur durch die Arbeit des
Spatens ihre Geheimnisse abzuringen vermag, bis in die Tage, da der Stamm,
dessen Eigenart sich heute noch in so vielen charakteristisclren Zügen des
schwäbisehen Volksthums wiederspiegelt, noch immer alt-arischem Brauche
treu, den Voiksgenossen Waffen und Schmuck, daran bei Lebzeiten ihr Herz
gehangen, mit in die letzte Ruhestätte gab. Während nun die Kulturver-
hältnisse der Bewohner der nahen Alb aus prähistorischer Zeit, abgesehen
von den auch auf diesem Gebiet grundlegenden Forschungen des alten
Paulus und den auf die Höblenzeit beftndlichen Entdeckungen, besonders
durch die verdienstvollen Untersuchungen Föhrs vielfach beleuchtet worden
sind, haben die Alterthumsdenkmale des Härdtfeldes nocli nicht die Be-
achtung gefunden, die ihnen ohne Zweifel zukommt. Gerade hier aber
wäre bei dem abgeschlossenen Charakter des Forschungsgebiets eine mono-
graphische Behandlung gewiss sehr lohnend, und als kleiner Beitrag zu
einer solchen mögen die hier niedergelegten Untersuchungen angesehen
werden.

Als Ausgangspunkt ftir dieselben diente die besonders den Geologen
und Mineralogen wohl bekannte Umgegend von Nattheim, Oberamts Ileiden-
heim , und da ich bei der Kürze der mir zur Verfiigung stehenden Zeit
mich auf das Wescntlichste beschränken musste, so wandte sich mein In-
teresse vor allem den zahlreichen Hügelgräbern und den Erdschanzen zu,
weleh letztere dem in Württemberg häufig vertretenen Typus angehören,
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