Prinzhorn, Hans
Bildnerei der Geisteskranken: ein Beitrag zur Psychologie und Psychopathologie der Gestaltung — Berlin, 1922

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Problems später noch einiges beitragen. Hier genügt die Erklärung, daß wir
von Symbolik im weiteren Sinne immer sprechen, wenn wir in einem sinnlich
Gegebenen ein Abstraktes, Geistiges, Ubersinnliches find en, wenn uns das Bild
zum Sinnbild wird. Ob wir Symbole und die von ihnen nicht scharf trennbaren
Allegorien richtig zu deuten vermögen, hängt in erster Linie davon ab, wieweit
der Zeichner sich konventioneller Symbole bedient und wie weit er selbst neue
zu prägen unternimmt. Hiervon wäre noch zu unterscheiden eine magisch-
zauberische Bedeutung, die wohl kaum unmittelbar aus dem Bild erschlossen

werden kann, sondern nur
aus entsprechenden Äuße-
rungen. Die ergiebigsten
in symbolischer Vorstellungs-
weise verankerten Bildwerke
finden sich bei den zehn
Hauptfällen (S. 123ff.). Hier
sollen nur einige einfache Bei-
spiele zeigen, in wie verschie-
dener Mischung mit anderen
Tendenzen solche symbo-
lische Neigung auftreten kann.

Auf Abb. 64 werden kirch-
liche Symbole einfach locker
nebeneinander dargestellt.
Der Zeichner hat zahlreiche
ähnliche Blätter in starken
Farben unter reichlicher Ver-
wendung von Gold gemacht.
Vor allem aber phantastische
Altäre in dem Abteilungs-
zimmer aufgebaut, die sich
in ähnlicher Weise aus allen
möglichen Symbolen unter
großem Aufwände von pa-
pierner Pracht zusammen-
setzen. Vor diesen Altären
führte er feierliche Gebets-

^al-f.--

Fall 171.

Abb. 65.

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Symbolische Zeichnung (Tinte und Aquarell).

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