Prinzhorn, Hans
Bildnerei der Geisteskranken: ein Beitrag zur Psychologie und Psychopathologie der Gestaltung — Berlin, 1922

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szenen auf. Unser Bild, mit
zahlreichen Inschriften über-
wuchert, in denen „Gott All-
machts Hlg. Meister" mit
„Gambnnius" sich trifft, ist
sozusagen eine graphische
Vergegenwärtigung kirch-
licher Geräte und Symbole,
ohne daß ein Aufbau oder
auch nur eine durchgehende
dekorative Ordnung gesucht
wurde. Nur die im Strahlen-
kranze mitten zu oberst vor
dem Dreieck (Auge Gottes)
schwebende Taube verein-
heitlicht die lockere Fügung.
Abb. 65 d agegen meint eine
ganze Kirchenszene in kind-
licher Grundrißdarstellung
mit aufrechten Einzelheiten
und dabei werden nur einige
Symbole mit angebracht: das
Auge Gottes in zwei Formen,
der Hahn. Bei dem besonders

-K-X. a*-,#Hr

Fall 47.

Abb. 66.

23 x32

Religiös-symbolische kirchliche Zeichnung (Tintenstift).

simpel an ein Strichkreuz gehängten quadratischen Christus fällt die In-
schrift am Kopfe auf, durch die „Sünder-Menschen" als „Männlich-weiblich"
bezeichnet werden; darauf ist in anderem Zusammenhang zurückzukommen.
— Aus dem Umkreis einfacher Kritzelei gerät Abb. 67 in die symbolische
Sphäre. Sie stammt von demselben Manischen wie die Köpfe Abb. 23. Wie
von ungefähr scheint diese Kreuzigungsszene sich ergeben zu haben. Sind
die beiden Schächer noch kindlich-grotesk geraten, so wird die Maria
links unten nur mehr durch ein Fabeltier repräsentiert. In welcher Funk-
tion der Hahn vom Haupte Christi zu dem rechten Schächer fliegt, bleibt
unerklärlich. — Abb. 68 fügt zwar im unteren Teil ähnlich wie Abb. 64 kindliche
Geräte und Inschriften nur lose zusammen, gelangt dann aber in den beiden
fast gleichen, symmetrisch angeordneten, bärtigen Köpfen mit der Uberschrift

III
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