Die Verbündeten waren beisammen, der Reichskrieg erklärt, Truppen - vor allem die
gefürchteten Schweizer „Reisläufer" - geworben - es fehlte nur ein einheitlicher Kriegs-
plan. Zuerst faßte man den Plan, gegen den harmloseren Diethrich von Isenburg zu rük-
ken. Dabei wollte man mit der linken Hand sozusagen den Grafen von Katzenelnbogen
und den Grafen von Leiningen auf dem Zuge nach Mainz miterledigen. Da zeigte es sich,
daß sich die nördlichen Bundesgenossen nicht sehr angestrengt hatten, so daß der kühne
Plan im Sande verlief. Überhaupt waren es die südlichen Verbündeten, die vor Kampfesei-
fer brannten.
Man wollte sich für Verhandlungen eine möglichst günstige Grundlage für den Frieden
sichern; dazu bedurfte es nur einer raschen und kühnen Tat. Ihr Erfolg schien zum Grei-
fen nahe zu sein. Am 24. Juni 1462 brach Graf Ulrich mit seinen Truppen in Stuttgart auf,
um sich in Pforzheim mit den badischen und metzischen zu vereinigen. Einen Tag später
erfolgte der Aufmarsch des vereinigten Heeres bei Pforzheim, und schon am folgenden
Tag überschritt man die pfälzischen Grenzen und begann in der Umgebung von Bretten
das Werk der Verwüstung. Um das vor der Ernte stehende Getreide recht gründlich zu ver-
derben, begnügte man sich nicht mit dem bloßen Querfeldeinreiten, sondern band noch
den Pferden breite Äste quer an die Schweife, so daß jeder einzelne Reiter eine möglichst
breite Spur durch die Felder zog. Von Bretten aus zogen sie nach Nordwesten durch das
Saalbachtal gegen das befestigte pfälzische Städtchen Heideisheim, das im Handstreich
genommen werden sollte.
Heideisheim war wohl als Treffpunkt und Sammelplatz für den weiteren Zuzug der gewor-
benen, aber noch nicht anwesenden Schweizer Kriegsknechte gedacht; auch waren die
Kontingente, die Metz und andere süddeutsche Reichsstädte zu stellen hatten, noch nicht
eingetroffen. Bei dem Dörfchen Helmsheim ließen die Fürsten eine Wagenburg aufbauen
und begannen am 27., einem Sonntag, mit der Belagerung von Heideisheim. In der
Wagenburg und bei den Belagerern herrschte Siegeszuversicht, wozu man allen Grund zu
haben glaubte, denn man hatte noch keinen pfälzischen Ritter oder bewaffneten Knecht
zu Gesicht bekommen.
So sahen sich die nach einigen Tausenden zählenden Scharen des Reichsaufgebots bereits
im Besitze von Heidelberg selbst: „Ind hatten sich vermessen, Sy wulden die Wyngarden
vur Heydelberg, da des Pfalzgreuen Wonunge is, affhauen ind ym ander vill smaheit
andoin " [Kölnische Chronik nach Kremer].
Aus dem ganzen Feldzugsverlauf läßt sich die Planung beider Seiten klar erkennen. Die
Angreifer wollten eine große Übermacht - vor allem an Fußvolk - zusammenziehen, um
aus erdrückender Überlegenheit den entscheidenden Schlag zu führen. Bis dahin sollten
die Berittenen unter der Führung der drei Fürsten selbst und ihrer Lehensleute das Land
verwüsten, die Widerstandskraft der Pfälzer brechen und so dem Kurfürsten die Basis im
eigenen Lande wegnehmen. Für Friedrich hingegen war es notwendig, den entscheidenden
Sieg vor der Vereinigung aller feindlichen Völker zu erringen. Das war am leichtesten zu
erreichen, wenn es gelang, durch eigene Zurückhaltung die Streifereien der berittene^
Feinde zu ermutigen und sie so zu der Annahme zu verleiten, daß der Sieg schon eher un
leichter zu erringen sei. Schon an diesen ersten Tagen des Feldzuges läßt sich aber au
eine auffällige Diskrepanz in der Durchführung der beiderseitigen Kriegspläne festste e^-
Auf der Seite der drei verbündeten Fürsten unüberlegte Sprunghaftigkeit, halbe Ma»"
men und törichte Aktivitäten, auf der des angegriffenen Pfalzgrafen genaues BeobaJüclc.
des Gegners, List, klare Führung, blitzschnelles Reagieren, vollendete Tarnung und
sichtslose Ausnutzung jeder Chance. Nie hat Friedrich sein überragendes Feldherrng
überzeugender bewiesen als in diesen letzten Junitagen des Jahres 1462.
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gefürchteten Schweizer „Reisläufer" - geworben - es fehlte nur ein einheitlicher Kriegs-
plan. Zuerst faßte man den Plan, gegen den harmloseren Diethrich von Isenburg zu rük-
ken. Dabei wollte man mit der linken Hand sozusagen den Grafen von Katzenelnbogen
und den Grafen von Leiningen auf dem Zuge nach Mainz miterledigen. Da zeigte es sich,
daß sich die nördlichen Bundesgenossen nicht sehr angestrengt hatten, so daß der kühne
Plan im Sande verlief. Überhaupt waren es die südlichen Verbündeten, die vor Kampfesei-
fer brannten.
Man wollte sich für Verhandlungen eine möglichst günstige Grundlage für den Frieden
sichern; dazu bedurfte es nur einer raschen und kühnen Tat. Ihr Erfolg schien zum Grei-
fen nahe zu sein. Am 24. Juni 1462 brach Graf Ulrich mit seinen Truppen in Stuttgart auf,
um sich in Pforzheim mit den badischen und metzischen zu vereinigen. Einen Tag später
erfolgte der Aufmarsch des vereinigten Heeres bei Pforzheim, und schon am folgenden
Tag überschritt man die pfälzischen Grenzen und begann in der Umgebung von Bretten
das Werk der Verwüstung. Um das vor der Ernte stehende Getreide recht gründlich zu ver-
derben, begnügte man sich nicht mit dem bloßen Querfeldeinreiten, sondern band noch
den Pferden breite Äste quer an die Schweife, so daß jeder einzelne Reiter eine möglichst
breite Spur durch die Felder zog. Von Bretten aus zogen sie nach Nordwesten durch das
Saalbachtal gegen das befestigte pfälzische Städtchen Heideisheim, das im Handstreich
genommen werden sollte.
Heideisheim war wohl als Treffpunkt und Sammelplatz für den weiteren Zuzug der gewor-
benen, aber noch nicht anwesenden Schweizer Kriegsknechte gedacht; auch waren die
Kontingente, die Metz und andere süddeutsche Reichsstädte zu stellen hatten, noch nicht
eingetroffen. Bei dem Dörfchen Helmsheim ließen die Fürsten eine Wagenburg aufbauen
und begannen am 27., einem Sonntag, mit der Belagerung von Heideisheim. In der
Wagenburg und bei den Belagerern herrschte Siegeszuversicht, wozu man allen Grund zu
haben glaubte, denn man hatte noch keinen pfälzischen Ritter oder bewaffneten Knecht
zu Gesicht bekommen.
So sahen sich die nach einigen Tausenden zählenden Scharen des Reichsaufgebots bereits
im Besitze von Heidelberg selbst: „Ind hatten sich vermessen, Sy wulden die Wyngarden
vur Heydelberg, da des Pfalzgreuen Wonunge is, affhauen ind ym ander vill smaheit
andoin " [Kölnische Chronik nach Kremer].
Aus dem ganzen Feldzugsverlauf läßt sich die Planung beider Seiten klar erkennen. Die
Angreifer wollten eine große Übermacht - vor allem an Fußvolk - zusammenziehen, um
aus erdrückender Überlegenheit den entscheidenden Schlag zu führen. Bis dahin sollten
die Berittenen unter der Führung der drei Fürsten selbst und ihrer Lehensleute das Land
verwüsten, die Widerstandskraft der Pfälzer brechen und so dem Kurfürsten die Basis im
eigenen Lande wegnehmen. Für Friedrich hingegen war es notwendig, den entscheidenden
Sieg vor der Vereinigung aller feindlichen Völker zu erringen. Das war am leichtesten zu
erreichen, wenn es gelang, durch eigene Zurückhaltung die Streifereien der berittene^
Feinde zu ermutigen und sie so zu der Annahme zu verleiten, daß der Sieg schon eher un
leichter zu erringen sei. Schon an diesen ersten Tagen des Feldzuges läßt sich aber au
eine auffällige Diskrepanz in der Durchführung der beiderseitigen Kriegspläne festste e^-
Auf der Seite der drei verbündeten Fürsten unüberlegte Sprunghaftigkeit, halbe Ma»"
men und törichte Aktivitäten, auf der des angegriffenen Pfalzgrafen genaues BeobaJüclc.
des Gegners, List, klare Führung, blitzschnelles Reagieren, vollendete Tarnung und
sichtslose Ausnutzung jeder Chance. Nie hat Friedrich sein überragendes Feldherrng
überzeugender bewiesen als in diesen letzten Junitagen des Jahres 1462.
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