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Galerie Flechtheim [Contr.]
Der Querschnitt — 13.1933

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Nr. 6
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Louis Ferdinand: Ein Besuch bei Henry Ford
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https://doi.org/10.11588/diglit.74396#0549

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Erik Nitsche


Ein Besuch bei Henry Ford
Von
Dr. Louis Ferdinand Prinz von Preußen
Eine Karosseriefabrik, die Ford beliefert, mit der er aber gar nichts zu tun
hat, streikte, da sie ihren Arbeitern sehr niedrige Löhne bezahlt, und Ford
sah sich gezwungen, den Bau seines neuesten Modells für einige Tage zu unter-
brechen, da er auf die Lieferung der Karosserien angewiesen war. Sofort hieß es:
Ford ist pleite.' Kaum zwei Wochen später zeigte Ford durch die Drohung, daß
er sein Geld aus den beiden größten Detroiter Banken zurückziehen würde, daß
er weit vom Pleitesein entfernt sei. Sofort geriet wieder alle Welt in Aufregung
und beschuldigte Ford, daß er die Bankwelt ruinieren wolle, was letztere des öfteren
an ihm, nur erfolglos, versucht hat.
Diese beiden Beispiele mögen nur die Tatsache erläutern, daß Henry Ford
zu den Männern unserer Zeitgeschichte gehört, die im Brennpunkt des öffent-
lichen Interesses stehen. Es erscheint mir daher eigentlich als ein müßiges Unter-
fangen, ihn vorzustellen, da er doch jedermann schon bekannt ist. Aber vielleicht
ist es doch möglich, das große Bild, welches die Weltpresse und Weltmeinung
von diesem in vieler Beziehung einzigartigen Manne gemalt hat, durch eine kleine
Skizze zu ergänzen, die nur einige Züge wiedergeben soll, die, wie ich glaube,
bei den Monumentalbildern Fords zumeist vernachlässigt worden sind.
Auf unserer Seite des Atlantischen Ozeans scheint Ford hauptsächlich eine
Theorie oder besser gesagt ein System zu verkörpern, wie ja hier vieles Mensch-
liche so gern in Systeme gepreßt wird. Er ist zwar der Automobilgewaltige, mit
dessen Produkt jedes Schulkind vertraut ist, aber irgendwie assoziiert sich beim
Europäer, wenn er an Ford denkt, zwangsläufig das „laufende Band“, dessen
Gedanke allein uns schon eine Gänsehaut über den Rücken schickt.
Auf der anderen Seite des Atlantiks ist man weniger theoretisch und system-
begeistert eingestellt. Man begnügt sich einfach mit der Feststellung: Ford ist
ein paar hundert Millionen Dollar wert, ja vielleicht sogar ein paar tausend, man
weiß es nie ganz genau; er muß jedenfalls ein sehr guter Geschäftsmann sein.

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