Institut Français d'Archéologie Orientale <al-Qāhira> [Editor]; Mission Archéologique Française <al-Qāhira> [Editor]
Recueil de travaux relatifs à la philologie et à l'archéologie égyptiennes et assyriennes: pour servir de bullletin à la Mission Française du Caire — 34.1912

Page: 152
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iûr Misraim, Aegypten, die Vermutung ausgesprochen, dass man es als eine Ueber-
setzung von die beiden Lande, angesehen habe, « die beiden Hàlften ». Es kônnte
sich da aber doch wohl nur um eine nachtrâgliche Erklàrung oder vielmehr Umwand-
lung des eingebùrgerten Namens Misr, Musr, handeln, die die im Hebràischen auf-
tretende Dualform begreiflich machen wùrde. Dass dièse Form aber nicht die Grund-
form ist, scheint mir der bis auf den heutigen Tag erhaltene arabische Name Aegyptens,
Masr, zu zeigen. Winckler hat zudem darauf hingewiesen, dass in den Amarna-
briefen Mi-is-ri-i, im Plural, steht, wàhrend die nach der Ausprache schreibenden
palâstinisch-phônikischen "Briefe Mi-is-ri, also den Singular, schreiben1. Eine âgyp-
tische, der gemeinsemitischen lautlich vergleichbare Bezeichnung fur das Nilland
giebt es nicht.

Zwei Môglichkeiten bleiben : entweder der Stamm, der das kurzlebige kilikische
Reich Musr grùndete, hatte einen Namen, der zufâllig an die alte Bezeichnung fur
Aegypten anklang, und daher von den Assyrern genau wie dièses geschrieben wurde —
eine Verwechslung der beiden weit entfernten Gebiete war ja im Gegensatz zu dem
angeblichen arabisclien Musr Wincklers nicht môglich; — oder aber es liegt der
Bezeichnung fur Aegypten wie fur das kilikische Land eine gemeinsame Wurzel zu
Grunde, wie das Hommel 2 vermutet hat. Allein bis ein wirklich passender und wirklich
sprachlich plausibler derartiger Begrifï gefunden ist — « Grenzland » scheint mir fur
das unbedeutende kilikische Gebiet im Verhaltniss zu Assyrien nicht probabel — halte
ich die erste Erklàrung fur die einfachere und vorerst wahrscheinlichere. Soviel aber
ist gewiss : ein kilikisches Musr hat es nur etwa 150 Jahre lang in der 2ten Hâlfte
des 2ten Jahrtausends gegeben, ein arabisches Musr nie, Aegypten aberfùhrt bei den
Semiten den Namen Misr, Musr, Masr seit dem 2ten Jahrtausend v. Chr. bis auf den
heutigen Tag.

( Schluss fol(jt).

KOPTISCHE MISCELLEN3

von

WlLHELM SPIEGELBERG

XLVI. Die Etymologie von gTooire « Morgen ».
XLVII. Zu der Partikel s'e : « ferner, noch ».
XLVIII. •xepo* : s'epo* « meinen, anrufen ».

1. Alttestamentl. Unters.,168 ff. Zwei Briefe nur schreiben Mi-is-sa-ri, was hebrâischem Missôr entspricht,
Die masoretische Punktierung Masôr-poetisch fur Misraim ist also irrtûmlich. Die spâteren Babylonier und
die Achâmeniden scbreiben Mi-sir, die Assyrer Mu-su-ru, Mu-us-ru. Dièse Verschiedenheit der Vokalisation
ist wohl eine der Grunde gewesen, aus denen Winckler das assyrische Land Musr aus dem Zusammenhang
mit Aegypten gerissen hat.

2. Geschichte, s. 530, 2 « mOglicherWeise eine allgemeine Bezeichnung wie « Grenzgebiet, Militargrenze»,
leider ohne Belege fur dièse sonst nirgends angenommene Bedeutung.

3. Fortsetzung von Recueil de Travaux, XXXI (1909), S.. 153 ff.
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