Robert, Carl [Gefeierte Pers.]
Aus der Anomia: archaeologische Beitraege ; Carl Robert zur Erinnerung an Berlin dargebracht — Berlin, 1890

Seite: 124
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Zum griechischen Roman,

Von

Georg Thiele.

Sollten es die Griechen in der erzählenden Prosadiehtungx)
über die rein erotische Erzählung} den fabulistisehen Reiseroman
und schliefslich den sophistischen Liebesroman, welchen Rohde
aus beiden entstehen läfst, wirklich nicht hinausgebracht haben?
So scheint es, und, während wir in der römischen Litteratur die
Trümmer eines großartigen kunstvollen Zeit- und Sittenromanes2)
voll feiner Charakterzeichnung' und lebendiger Kultursehilderung
besitzen, fehlt uns für die Periode der griechischen Litteratur,
in der wir am allerersten ähnliches erwarten dürfen, für die helle-
nistische Zeit, jede Spur von der Existenz einer solchen Gattung;
der Roman, glaubt Rolide, sei in Griechenland nicht aus der
Bahn der rein erotischen Dichtung und der Reisefabulistik heraus-
gekommen.

Ich will in Folgendem doch auf eine Überlieferung aufmerk-
sam machen, die uns zu der Annahme einer im angedeuteten
Sinne über jenen Erzählungsgattungen stehenden Art von Ro-
manen berechtigt. In Ciceros ars rhetorica (da inventione) I 19,

') Die sog. griechische Novelle soll von vornherein hier aus dem
Spiel bleiben.

2) Rohde, Der griechische Roman S. 248.
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