Robert, Carl [Honoree]
Aus der Anomia: archaeologische Beitraege ; Carl Robert zur Erinnerung an Berlin dargebracht — Berlin, 1890

Page: 158
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Die Iliupersis des Euphronios,

Von

Ferdinand Noack.

Bei einer Untersuchung über die poetische und litterarische
Quelle der im V Jahrhundert in der griechischen Kunst und Lit-
teratur dargestellten Iliupersis kommt eine Gruppe von rotfigurigeu
Vasen deshalb als selbständiger Faktor in Betracht, weil nach
unserer neuesten Erkenntnis eine Abhängigkeit derselben von der
grofsen Malerei des Polygnot, wie sie noch Klein Euphronios 2
will, nicht mehr angenommen werden kann, — nämlich die Iliu-
persisvasen aus dem Kreise des Euphronios, zunächst die des
Euphronios selbst, die des Brygos und auch die Vivcnziovase.

Die Iliupersis des Euphronios gehört zu den ältesten Werken
des Meisters1). Er zeigt uns in seinen erhaltenen Werken eine
lange Entwickelung seines künstlerischen Könnens und Schaffens;
die Künstler aus seinem Kreise aber, die schon den Einflufs
seines entwickelten Stiles zeigen, wie Hieron und Duris, müssen
bereits vor 480 in voller Thätigkeit gewesen sein: der Boden der
Akropolis, der Perserschutt mit seinen Scherben hat es uns ge-
lehrt2). Vereinigt man diese Thatsachc mit den von Studniczka11)
und Dümmler4) beigebrachten Argumenten, so wird man die erste

') Robert Arch. Ztg. 1882 S. 46.

■) 'Etptift. äQZ. 1885 S. 56. Athen. Mitteil. XII S. 142. Jahrb. II
S. 229-32 und B. Graef Athen. Mitteil. XV S. 30.
;!) Jahrb. II S. 159 f.
4) Jahrb. II S. 1(59.
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