Rosenberg, Marc ; Stark, Carl Bernhard
Quellen zur Geschichte des Heidelberger Schlosses — Heidelberg, 1882

Seite: 97
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PETER HARER.

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I

1266—1277. «Auß irem gmach den edlen fchatzs,
«Becleidet mit eym filberin ftuckh,
«Kunftlich geworcht. Ir hieng zuruckh
«Das har gefponnen krauß finwel
«Hinab biß über die kniekel.
«Dem Hechten golt es gleich glaftet;
«DarauflF ein koftlich cron raffet
«An irem helßlin blanckenfar
«Lag ein hochgultigs halßbandt zwar.
«Solch beide ftuckh von perlin groß
«Unnd edlem gflein gantz ubertmoß
1277. «Wercklich in fernes golt verfetzt»

1289—1295. «Do trat für ir zur kirchen fein

«In hohem bracht und hubfehem fchein,
«Das frawenzymmer vor berirt,
«Mit koftlichem gewandt bezirt,
«Und ir juögfrawen fchon un zart.
«Demnach freuntlich vergleitet wart,
1295. «Die edell braut zur kirchenthur.»

1300—1309. « Der breutgam und die furften all
•«Voigten nach mit fchroem gang,
«Keynem was die weill do lang.
«Nachdem fo ging der adell fein,
« Do ftund der bifchoff in feim fchein
«Unnd Ornament, anthon zierlich,
«Intronifit alfo chriftlich
«Den breutgam und braut lobefan.
«Darauff thett man in dkirchen gan.
1309. «Inn der viel fußer ftym erklang»

1313—1321. «Als das vollendt, wie fichs geburt,
«Do wart die braut widder gefurt
«In dem jungfrawlichem fcnappell
«Durch furften beidt auß der cappell
«Mit vorberurter ordenung
«Und loblicher verfammelung
«Wol ubern hoffe1) in ir gemach.
«Die furften all Voigten ir nach
1321. «Unnd gaben ir alfo das gleidt.»

Dann zogen fich alle bis zum Nachtmahl in ihre Gemacher zurück.

1330—1334. «Als nun was zeit im großen fal,
«Mit feulen rotundt underftutzt2),
«Luftig unnd fchon wol außgebutzt,
«Wurden gefordert zum nachtmall
1334. «Der breutgam etc. etc.»

1341 —1353. «Eß waren wol drey furftentifch:
«Am erften, der verordent ift
1343. «Geweft in dem erckher oben,

1344. «Welcher vonn kunft billich zu loben —
«Ich glaub, der tempell auff montlaluat,
«Den Titurell erbauwet hat,
«Mocht dißem werckh geleichen nicht:
«Gethierts, laubwerckh, und bild, ma ficht,
«Gantz artlich und reyn ergraben,
«Viel pollament wercklich erhaben,
«Das gcwclb zierlich gchymmelt,
«Von färben fchon außgeplummelt.

1353. «Eß ift an dem kein vleis gefpart3) —»

') Um aus der Kirche in ihr Gemach zu gehen, mußte die Prinzeffin über den Hof. Das ftimmt mit unferen
Annahmen der Kapelle an Stelle des jetzigen Friedrichsbaucs und der Wohnung der Braut im jetzigen Bandhaufe.
Man vergleiche den Grundriß nach Münfter und den Excurs über die Kapelle.

2) Der große Saal ift, wie wir fchon aus Lcodius erleben haben, das Bandhaus, die Aula major. Es ift
der von runden Pfeilern oder Säulen getragene Feftraum des Schloffes. Die Bezeichnung ift hier fo genau, als man
nur wünfehen mag.

3) Es ift der Erker gemeint, den diefer Saal nach der Nordleite zu hat, und der auf der Abbildung bei
Münfter auch von außen fichtbar ift. Heute ift er ummauert. Von der künftlerifchen Ausfchmückung, die Harer
hervorhebt, find noch fchwachc Reftc vorhanden in den Spuren reicher Profilirung der Gewölbrippen und eines
lebhaften gothifehen Blattornaments, welches wir ftiliftifch Zwilchen das dritte und letzte Viertel des 15. Jahrhunderts
verweilen müffen. Doch kann es Umftändc geben, die die Entftehung eines folchen Ornaments bis an's beginnende
16. Jahrhundert hinausfehieben.

Rofenberg, Schloß Heidelberg. 13
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