Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

Seite: 32
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rott1917/0050
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
kirche (1551), den wir früher schon in nahem Zusammenhang mit Christoph von Urach genannt
haben. Seine bis jetzt nachgewiesenen Arbeiten zeigen dadurch, daß sie örtlich weit auseinander
liegen, daß er aus der Werkstatt dieses Meisters oder einer andern mit fern reichenden
Beziehungen herkam. Die Anfänge Schmids, eines tüchtigen, sachlich arbeitenden Künstlers,
dessen Stärke im Ornament besteht — manchmal huldigt er einer etwas oberflächlichen
Formenschönheit —, liegen bis jetzt noch im Dunkeln. Sein frühestes nachgewiesenes Werk
ist das Dalberg-Epitaph zu Herrnsheim bei Worms um 1550. Damals war er auch mit Michael
von Hardt als Stukkateur zu Heidelberg am Gläsernen Saal beschäftigt.l) Darauf ist es zurück-
zuführen, daß auf seinen bildhauerischen W'erken die Wappen zu Häupten der Dargestellten
wie angeleimt erscheinen.

Aus demselben Jahre (1554), in welchem Joseph Schmid zu Berneck im Nagoldtal das
Epitaph Balthasars von Gültlingen (f 1563) aufstellte, datiert das im gewohnten Grabmal-
schema verfertigte, ehedem über dem inneren Portal des Hochberger Schlosses aufgestellte
Standbild des Markgrafen Karl, das deutlich genug das Firmenschild seiner Werkstatt trägt,
ohne daß bis jetzt der Meister des Werkes erkannt wurde. Die Bildnistafel trägt sein
Zeichen I-ji S, das wir an dem ihr ähnelnden Grabmal Wolfs von Vellberg (f 1556) zu
Stöckenburo- östlich Schwäbisch-Hall wiederfinden, ebenso zu Herrnsheim an dem erwähnten
Epitaph des Wolf Kämmerers von Dalberg wie an der steinernen Umrahmung der Erzplatten
im Chorhaupt der Tübinger Stiftskirche.2)

Der Vermittler des Auftrags für das Hochberger Monument war wohl der 1562 ver-
storbene Baumeister und Burgvogt von Hohenasperg, Wilhelm von Janowitz, der etwa Ende
15 533) bereits sein Epitaph von Joseph Schmid in der Tübinger Stiftskirche verfertigen ließ, im
folgenden Jahr als fortifikatorischer Berater Karls auf Hochberg weilte (siehe oben p. 20) und
damals den Markgrafen auf den tüchtigen Meister hinweisen konnte, als jener sich hier zu ver-
ewigen gedachte. Kurz nach dieser 1554 vollendeten Arbeit ist Joseph Schmid, von dem bis jetzt
nur Werke von 1549 bis 1555 nachgewiesen sind, anscheinend noch ziemlich jung gestorben.

Bedauerlicherweise besitzen wir in dem heute an der Chorhochwand der protestan-
tischen Kirche zu Emmendingen eingemauerten Reliefbild, das hier für menschliche Augen
schlecht erreichbar ist, nicht mehr das Original Schmids, was dem Bearbeiter des betr.
badischen Denkmälerbandes entgangen ist.4) Wir haben hier nur die Kopie des »durch den
Krieg völlig ruinirten Bildnus«, die ein Freiburger Barockbildhauer 1749 recht und schlecht
nach dem Original vornahm, das in den 30er Jahren von seinem hohen Standort auf Hoch-
berg herab in die Roßschwemme gefallen und auf Befehl Karl Friedrichs später wieder
herausgeholt worden war. Für 30 Gulden stellte der »Künstler« die Nachbildung »accurat
nach dem alten Stein widerum gar schön« her, so daß das Werk bei der Aufbringung im
Kirchenchor 1 749 allgemeinen Beifall fand, an dem wir heute bei dessen Anblick nicht mehr
teilnehmen können. Immerhin hat der Bildhauer das Werk Schmids derart »menagirt und
so verschonet, daß er am alten Stein nichts hat abgehen lassen«, d. h. alles noch Brauch-
bare an dem verstümmelten und ruinierten »Altertum« in seine Kopie aufnahm, darunter
auch des Urachers charakteristisches Meisterzeichen.5) —

') H. Rott, Ottheinrich und die Kunst p. 2 16 ff.

2) Theod. Demmler, Die Grabdenkmäler des württemb. Fürstenhauses und ihre Meister p. 90 ff. — Die Alter-
rumsdenkmale im Königr. Württemberg. JagstkreisI (1907), p. 692 (Zeichnung zu flott und nicht genau). Auf dem Ar-
chitrav die Täfelchen mit der Jahrzahl 1553 wie bei der Hochberger Reliefplatte, auf den Pilastern das Meisterzeichen
und I. S. v. Urach. — Kunstdenkmäler im Großherz. Hessen. Provinz Rheinhessen. Kreis Worms, 1887, p. 68.

:i) Nach dem am 23. Febr. 1553 erfolgten Tode seiner Frau. Demmler, 1. c. p. 95, 112 ff.

4) Die Kunstdenkmäler des Großh. Baden. Landkreis Freiburg (VI, 1), p. 132 mit Abbild.

"') G.L.A., Baden Gen. 4821. »In dem verstörten schloß Hachberg stehen über Caroli ao. 1554 aufgerichtet, in
stein ausgehauen und durch den krieg völlig ruinirten bildnus von erbauung solches Schlosses folgende worte ... ab
orig. decop. den 7. mai 1730«. — Ib. Bildersammlung C. H. 2. Zeichnung des XVIII. Jahrh. u. Kopie der Inschrift. —
Vgl. unten in der Beilage Nr. 10.
loading ...