Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

Seite: 75
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rott1917/0099
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
Haudegen als Generalleutnant nochmals teilgenommen hatte, mißlungen war, zog sich Georg
Friedrich mit seinen Töchtern und dem Enkel Karl Magnus zu einem stillen Leben nach
Straßburg in den markgräflichen Hof, das Drachenschloß, zurück, das sein Vater gekauft
und zu einem reizenden Wohnsitz umgeschaffen hatte.

Nach der III zu lag das aus einem Hakenbau bestehende, mit Treppenturm belebte und mit
einem Balkon nach der Wasserseite hin gezierte Palais (Abbild. 27), aus dem den Edlen von
Endingen einst gehörigen Flügel des XV. Jahrhunderts und dem Neubau Karls samt einem
Ehrenhof bestehend. Eine Galerie über die Drachengasse hinweg verband dieses Herrenhaus
mit dem weitläufigen Nebenbau von Dienerwohnungen, Stallungen, Remisen und zwei größeren
Höfen. Hier hausten Georg Friedrich und seine Nachkommen bis zur Einnahme von Straß-
burg durch die Franzosen. Nach vorübergehender Verpachtung an die Stadt verkaufte Markgraf
Friedrich Magnus nach mannigfachen Plackereien mit den französischen Eindringlingen 1683
das Drachenschloß um 12000 Reichstaler der Stadt Straßburg, die es dem Militärgouvernement
überließ, das hier bis 1771 seinen Sitz hatte.

Vornehme Gäste beherbergte einst dieses »Hotel de Bade-Dourlach«, nachdem zuerst 1418
Kaiser Sigismund fröhliche Tage darin verbracht hatte: Im Jahre 1681 den Sonnenkönig,
dann den Stadt- und Festungsgouverneur Marquis de Chamilly, 1725 den Polenkönig Stanis-
laus Leszczynski, dessen Tochter von dem Balkon aus den Vorbereitungen zu ihrem Fest
zugeschaut. Seitdem der Drachenhof (seit 1771) nur noch den Namen »Altes Gouvernement«
trug, sank sein Ruhm; er wurde mit seinem herrschaftlichen Flügel militärisches Bett- und
Wäschedepot, während die Nebengebäude in der Folge an mehrere Besitzer veräußert wurden.
Schließlich mußte die baufällig gewordene Ruine 1891 abgebrochen werden, so schwer man
sich auch von der reizenden Ansicht des »Drachenfels« am Iiistaden und seinen historischen
Erinnerungen trennen mochte.') Die Künstlerhand des Straßburger Aquarellisten E. Schweitzer
hat uns aber den markgräflichen Hof unter Benutzung eines zuverlässigen Stichs des Malers
Joh. Martin Weiß von 1749 im ursprünglichen Bild mit dem belebten und reizenden Iiiprospekt
festgehalten.2)

Für uns hat der markgräfliche Hof nicht nur deshalb historischen Wert, weil Georg
Friedrich darin nach sturmbewegtem Leben seine späteren Lebensjahre in stiller Muße ver-
brachte, sich der Wissenschaft und dem Studium der Bibel hingab, die er bei seinem am
14. September 1638 erfolgten Tod eben zum 59. mal durchlas,3) sondern auch, weil die beiden
kunstliebenden und literarisch feingebildeten Prinzessinnen Anna und Elisabeth, seine Töchter
von der zweiten Gemahlin Agathe von Erbach, hier ihre heiter-frohe Jugend verlebten und
ihre Erziehung genossen.

Des Vaters Bild von »Alacritet und Courage« hat der Pinsel und die Radiernadel des
Straßburger Meisters Johann van der Heyden und seines Sohnes Jakob in einem guten Porträt-
stich von 1607 mit reicher Renaissanceumrahmung (Abbild. 25) und von des letzteren Hand in
einem Brustbild aus dem Jahre 1620 festgehalten (Abbild. 28). Auch auf dem Kupfer, welches
das verschanzte Lager des Markgrafen bei Ihringen am Kaiserstuhl 1620 darstellt, hat Jakob van
der Heyden das ausgezeichnete Porträt des kriegerischen Unionshelden in einer guten Radie-
rung angebracht.4) Noch oft wurde der lebhafte sympathische Fürstenkopf von den Brüdern
L. und W. Kilian, E. Kieser und andern anonymen Nachstechern wiederholt, namentlich für

') Siehe oben p. 21 und Fr. X. Kraus, Kunst und Altertum in Elsaß-Lothringen I (1876) p. 554. — An der
Stelle des markgräflichen Palastes jetzt die »Drachenschule«.

2) Eine kleine Abbildung auch bei A. Seyboth, Das alte Straßburg, 1890, p. 176. Andere kommen teils wegen
Unzuverlässigkeit, teils wegen der weniger dankbaren Ansicht seit Anlage des Illkais nicht in Betracht — Der
Elsässischen Druckerei und Verlaganstalt (vorm. Fischbach) sei besonders geziemender Dank ausgesprochen, da sie
die hier gebrachte Nachbildung für den besonderen Zweck dieser Arbeit in liebenswürdigster Weise gestatten wollte.

8) Z.G.O.2 XIII (1898), 127 und Sachs IV, 455.

4) Exemplar in der Handschrift Nr. 60 fol. 85 und Plansammlung Hd. Nr. 21 rot des Großh. Hausfideikommisses
im G.L A Hier ist das oftzitierte ausgeschnittene Ovalbild unterzubringen. Über die noch nicht genügend erforschte

75
loading ...