Rott, Hans
Kunst und Künstler am Baden-Durlacher Hof bis zur Gründung Karlsruhes — Karlsruhe, 1917

Seite: 147
DOI Seite: Zitierlink: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/rott1917/0172
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen Nutzung / Bestellung
0.5
1 cm
facsimile
kaner in Rastatt seit 1700 aus;1) unter der Direktion Rossis begann Giov. Mazza 1698 mit
dem Wiederaufbau von Kirche und Kolleg der Jesuiten zu Baden, dessen sich der Breeenzer
Jakob Rischer infolge Mazzas Wegberufung nach Durlach zeitweise annahm und hierbei mit
Rossi heftig zusammenstieß."') Rossi legte auch bereits 1702 den Grund zu der von ihm
entworfenen Marktkirche, deren Aufbau infolge des Krieges unterblieb und dann entsprechend
dem Zuwachs der Gemeinde vergrößert und durch die Brüder Michel Ludwig und Peter
Ernst Rohrer zur Vollendung gebracht wurde.3)

Zu all diesen Arbeiten übernahm der Oberbaudirektor, der auch von einer »lang würrigen
Kranckheit« heimgesucht war,4) die Herstellung des monumental gedachten Durlacher Schlosses,
mit dessen Planlegung wir den großen Barockkünstler alsbald nach seiner Ankunft zu Rastatt,
Anfang April 1698, also gleichzeitig mit dem frühesten Baubeginn der Baden-Badener Resi-
denz, beschäftigt finden.

In Durlach hatte man sich bereits seit Herbst 1697, a^s Lefebure noch in der Festung
Philippsburg gefangen saß, eingehend über den Wiederaufbau von Stadt und Schloß beraten;
Stadtbaupläne von Baumgarten, von Lefebure und Samson Schmalkalder, dem Ouartier-
meister des schwäbischen Kreisregiments Durlach, wurden dem Markgrafen nach Basel
hinauf gesandt") und den umliegenden Ortschaften die Wegführung des riesigen Brand-
schuttes im Schloß und in den Straßen befohlen.c) Im Dezember kam Friedrich Magnus
in die Markgrafschaft herab, wo er zunächst das dem Brand entgangene »alte Gebäu« im
Pforzheimer Schloß und seit Frühjahr 1698 das »Hohe Haus« zu Grötzingen bewohnte, um
das Bauwesen besser übersehen zu können.

In einer der dort Dezember 1697 abgehaltenen Sitzungen beschloß man, »das fürst-
liche Schloß auf das alte Fundament recht- und linker Hand des Eingangs« zu setzen; der
Untervogt Steck bat damals »umb Communication des Baumodels« für Durlach, dessen Plan

') Vollendung der Kirche um 1708, des Klosters erst nach 1710. G.L.A., Rastatt Stadt. Stifter und Klöster
1699—1799; Handschr. 222 (Annales conv. Fremersb.) fol. 3.

-) G.L.A., Baden Stadt fasc. 613. Vertrag der Jesuiten mit Mazza für 1000 fl. »wegen Reparirung der
Kirchen« am 10. Sept. 1698. Mit Rossi wegen des Kollegbaues am 10. Mai 1698. Derselbe wurde am 15. August
1702 seitens des Kollegiums wieder aufgehoben, da das Bauwesen allzu langsam gefördert wurde. Dez. 1703 war
kaum der dritte Teil vollendet. Das übrige anscheinend von Jakob Rischer, den Rossi einen »aufgenommenen Cerls«
und xFuscher« betitelt, zu Ende geführt. Dessen Beschwerde über Rossi an Markgraf Ludwig Wilhelm, abgedruckt
von Lohmeyer in Z.G.O.2 XXVII, 303 f., wohl vom Herbst 1702.

3) G.L A., Rastatt Stadt. Kirchenbau fasc. 34. Hier die Rede von Rossis »gemachtem abriess«. Auch der Riß zum
Pfarrhaus von 1699 stammt von ihm; ib. fasc. 40. — Für das erste und zweite Jahrzehnt führe ich für den Baden-
Badener Hof außer den genannten noch folgende Künstler an: 1699 und 1706/07 Hamilton, wohl der Tiermaler
Johann Georg, von 1707 bis 1718 in auschließlichem Dienst des Fürsten Adam Franz zu Schwarzenberg, des
Schwiegervaters Markgr. Ludwig Georgs von Baden-Baden. Im Schwarzenberg-Palais war auch sein Bruder Ferd. Philipp
tätig. Ersterer wurde um 1720 Hofmaler in Wien. Berichte u. Mitteil. d. Altert.Vereins in Wien XXII (1883) p. 104;
XXIII (1886) p. 190. Wurzbach, Biogr. Lex. VII, 263 ff. Von Hamilton Gemälde in der Karlsr. Galerie. — G.L.A.,
H. u. St.Arch. II. Haus- und Hofsachen, Hofökonomie fasc. 34 (»Hammeltung« ; 1699 hat er icoo, 1706/07 gar
1500 fl. Gehalt); Karl, Maler aus Wien 1699 mit 100 fl.; für 1699, 1706/07 der genannte J. Andr. Cratochwill
(»Grattoquil«) mit 100, dann 300 fl. und sein Gehilfe Matth. Langhans; für 1706/07 der Maler Franz Pfleger
(»designeur«) mit 180 fl.; ein Marmolier mit 208 fl.; der Graveur und Petschierstecher Jakob Preiß mit 250 fl.; der
Kunsttischler Tschamerell mit 256 fl.; der Hofschreiner Joh. Lorenz mit 205 fl. (1. c. Hofokonomie fasc. 34). K. Obser
in Z.G.O.- XXVII (1912), 705 f. — Zu 1733 außer H. Liehl, Mart. Eigler, Ant. Rochlitzer noch die Maler Anton
Wohlhaupter (100 fl.) und Loth. Schweickart (150 fl.), ein auch in Bruchsal tätiger Künstler.

4) G.L.A., Bad. General. 4055 zum 1. Juli 1702.

B) G.L.A., Durlach Stadt. Bausache fasc. 236. Lefebure an Friedrich Magnus am 13. Juli 1697. Beantragt die
Ausarbeitung eines besseren Stadtgrundrisses, »indem der erste, so ich mit dem hern Baumgartnern [sc. in Grund gelegt],
und der Salomon Smalcalder für seine arbeyt ausgeben und Ihro Dhl presentiert, zimlich falsch sich befindet«;
ib. Geheimratsprot. (Baden-Durlach) zum 11. Dez. 1697. Sitzung des Geh. Rats-Präsid. von Gemmingen, der Hofräte
Boch und Maler und des Kammerrats Jak. Christ. Zandt.

c) Ein Erlaß vom 12. Jan. 1694 hatte angeordnet, die im Schloß »noch stehende gewölber und andere gebäw
mit nötiger eindeckung vor mehrerm verderben und gäntzlichem einfall bis zu künftiger völliger reparation« zu
versehen. L. c. Durl. Bausache 234. Bericht Joh. Andr. Stecks an Friedrich Magnus vom 14. Aug. 1697, daß
die Gewölbe über der Hofküche und der Pfisterei teilweise eingestürzt seien wegen des »übergross und schweren,
ja 3 manns hoch darauf gelegenen kummers und großen lasts«. Die übrigen noch in gutem Stand.

147
loading ...