A manually made transcription or edition is also available for this page. Please change to the tab "transrciption" or "edition."
VI
VORWORT.
gen wird, sehr oft nicht das naheliegende, dem Sinne nach ein-
fache u. leicht hegreifliche aufgenommen, wenn die aus allge-
meiner Beobachtung sich ergebenden kritischen Grundsätze entge-
genstanden. Ich würde diese für jede Texteskritik selbstver-
ständlichen leitenden Gesichtspunkte nicht erwähnt haben, wenn
ich nicht wüsste, dass in diesem besonderen Fall bei der hand-
schriftlichen Uberlieferung des Waischen Gastes über das Mass
ihrer Amvendbarkeit allerlei Zweifel vorhanden sein kann. Die-
selbe ist in der That, trotz einer nicht geringen Anzahl meist
von einander unabhängiger Hds., so übel beschaffen, wie bei weni-
gen anderen berühmten Werken der klassischen Zeit unserer mit-
telalterlichen Poesie. Trotzdem hat sich mir doch eine gewisse
Basis der Kritik aus der unmittelbaren u. noch mehr aus der
mittelbaren Überlieferung einiger Hds. ergeben, wie ich bei der
Anführung derselben im allgemeinen bemerkt u. in den Anmer-
kungen an den einzelnen Fällen ausgeführt habe. Sie war nur
auf etwas andere Weise wie sonst, nicht so ich möchte sagen
mechanisch zu gewinnen, sondern mehr von innen heraus zu
entwickeln u. zu benutzen. Damit ist freilich ihre subjective
Färbimg von vorne herein zugegeben, wenigstens für alle die
Leser, welche über eine mechanische Construction kritischer
Grundsätze nicht hinaus können u. wollen. —
Ausser zur Bechtfertigung meiner Textesherstellung in dem
eben angedeuteten Sinne habe ich die möglichst kurz zusammen-
gedrängten Anmerkungen auch zur Hervorhebung der haupt-
sächlichsten Eigenthümlichkeiten der äusseren Form des Werkes,
sprachlicher u. metrischer Besonderheiten u. Unregelmässigkeiten
benutzt. Vieles, was nach dem gewöhnlichen Sprach- u. Kunstge-
brauch jener Literatur-Periode dem feineren Geschmacke als nn-
zidässig gelten musste, hat bei dem Verfasser des Wälschen Gastes
seinen wohlberechtigten Platz. Es kam hauptsächlich darauf an,
mit Hülfe der gefundenen leitenden kritischen Grundsätze die oft
sehr versleckte Linie aufzuzeigen, welche diese Abweichungen
von dem Kunstcanon von wirklichen durch nachlässige u. rohe
Textesüberlieferung, theilweise auch durch missverstandene Ana-
logien eingeschleppten späteren Fehlern trennt. Als allge-
meines Ergebniss könnte man anführen, dass in sprachlicher
VORWORT.
gen wird, sehr oft nicht das naheliegende, dem Sinne nach ein-
fache u. leicht hegreifliche aufgenommen, wenn die aus allge-
meiner Beobachtung sich ergebenden kritischen Grundsätze entge-
genstanden. Ich würde diese für jede Texteskritik selbstver-
ständlichen leitenden Gesichtspunkte nicht erwähnt haben, wenn
ich nicht wüsste, dass in diesem besonderen Fall bei der hand-
schriftlichen Uberlieferung des Waischen Gastes über das Mass
ihrer Amvendbarkeit allerlei Zweifel vorhanden sein kann. Die-
selbe ist in der That, trotz einer nicht geringen Anzahl meist
von einander unabhängiger Hds., so übel beschaffen, wie bei weni-
gen anderen berühmten Werken der klassischen Zeit unserer mit-
telalterlichen Poesie. Trotzdem hat sich mir doch eine gewisse
Basis der Kritik aus der unmittelbaren u. noch mehr aus der
mittelbaren Überlieferung einiger Hds. ergeben, wie ich bei der
Anführung derselben im allgemeinen bemerkt u. in den Anmer-
kungen an den einzelnen Fällen ausgeführt habe. Sie war nur
auf etwas andere Weise wie sonst, nicht so ich möchte sagen
mechanisch zu gewinnen, sondern mehr von innen heraus zu
entwickeln u. zu benutzen. Damit ist freilich ihre subjective
Färbimg von vorne herein zugegeben, wenigstens für alle die
Leser, welche über eine mechanische Construction kritischer
Grundsätze nicht hinaus können u. wollen. —
Ausser zur Bechtfertigung meiner Textesherstellung in dem
eben angedeuteten Sinne habe ich die möglichst kurz zusammen-
gedrängten Anmerkungen auch zur Hervorhebung der haupt-
sächlichsten Eigenthümlichkeiten der äusseren Form des Werkes,
sprachlicher u. metrischer Besonderheiten u. Unregelmässigkeiten
benutzt. Vieles, was nach dem gewöhnlichen Sprach- u. Kunstge-
brauch jener Literatur-Periode dem feineren Geschmacke als nn-
zidässig gelten musste, hat bei dem Verfasser des Wälschen Gastes
seinen wohlberechtigten Platz. Es kam hauptsächlich darauf an,
mit Hülfe der gefundenen leitenden kritischen Grundsätze die oft
sehr versleckte Linie aufzuzeigen, welche diese Abweichungen
von dem Kunstcanon von wirklichen durch nachlässige u. rohe
Textesüberlieferung, theilweise auch durch missverstandene Ana-
logien eingeschleppten späteren Fehlern trennt. Als allge-
meines Ergebniss könnte man anführen, dass in sprachlicher

