7. BRIEF
Nr. 7
DÜRER AN WILLIBALD PIRCKHEIMER IN NÜRNBERG
Venedig, 18. August 1506.
Zeigt in scherzhaft schwülstiger Weise, wie er italienisch kann. Neckt Pirckheimer mit seinem vermutlichen
Auftreten in den Verhandlungen mit Kunz Schott und Genossen, seiner Eitelkeit und den vielen Lieb-
schaften. Dankt, daß er Frau Agnes seine Sache klar gemacht habe. Wäre mit weiteren Ringangelegen-
heiten gerne verschont. Kann in zwei Monaten noch nicht heimkehren. Bittet, falls die Mutter Geld
benötige, ihr 10 fl. zu leihen. Schickt das gebrannte Glas und will die zwei Teppiche, die Federn und das
Papier besorgen; griechische Bücher sind in der letzten Zeit nicht erschienen. Gemalte „Historien“, die
Pirckheimer interessieren, sehe er keine. Hat kürzlich geschrieben. Pirckheimers Zerwürfnis mit Kunz
Imhoff. Angst vor der Lues. Grüße an Eucharius Carl, Stephan Paumgartner, Lorenz Beheim und die
„Buhlen“. Kunhofers Zustand. Ginge gern mit König Maximilian nach Rom.
Original in der Stadtbibliothek Nürnberg (Pirckh. 394,6), 1 Bl. 29.7 X 22 cm. WZ wie bei Nr. 4. Ohne
Siegel und Adresse.
Die ersten vier Zeilen, Datierung und Unterschrift sind faksimiliert von Ch. G. v. Murr, Journal zur Kunst-
geschichte und zur allgemeinen Litteratur 17 (1789), Tab. II, unter „Chirographa Virorum celebrium“.
Grandisimo primo homo de mundo. Woster serfi-
tor, eil schciavo Alberto Dürer disi1 salus suum
mangnifico miser Willibaldo Pircamer. My fede el
aldy2 wolentire cum grando pisir3 woster sanita e
5 grondo hanor4. El my maraweio5, como eil possi-
bile star vno homo cusy wu6 contra thanto sapien-
tissimo Tiraybuly7 milytes; non altro modo nysy8
vna gracia de dio. Quando my leser woster litera
de questi strania fysa de cacza9 my habe thanto
10 pawra el para my vno grando kosa10. Aber jch halt,
daz dy Schottischen ewch awch gefurcht hand11,
wan jr secht awch wild vnd sunderlich jm heiltum,
wen jr den schritt hypferle12 gand. Aber es reimt
sich gar vbell, daz sych sollich lantzknecht mit tzi-
15 beta13 schmiren. Jr wolt awch ein erchter14 seiden
schwantz15 werden vnd meint, wen jr nun den hurn
woll gefalt, so sey es aws gericht. Wen jr doch als
ein lieblich mensch werd as jch, so thet es mir nit
czoren. Jr hand as vill pulschaft vnd wen jr ein
20 jtliche nun ein moll tzolt prawten, jr vermochtetz
jn eim monett vnd lenger nit czv ferpringen. Jtem
jch danck vch, daz jr mit meinem beib mein sach
also zum pesten gerett hand16, wan jch erken vill
Weisheit jn ewch beschlossen. Wen jr nun als senff-
Das Original ist nicht interpungiert. 15. wolt] danach ein Wort
gestrichen (asch?); ein] über der Zeile.
mütig bert als jch, so hett jr all dugent. Awch danck 25
jch ewch als, daz jr mir zw gut thüt, wen jr mich
allein vngeheit1' list mit den ringen. Gefallens ewch
nit, so precht jn den köpf ab vnd werftz jns
schei[s]haws, als der Peter Weisbeber18 spricht. Was
meint jr, daz mir an eim sollichem tregwerg lieh? 30
Jch pynn ein zentilam zw Fenedig worden. Awch
hab jch woll vernumen, daz jr woll reimen künt. Jr
wert gut zw vnseren geygeren hy, dy machns so üb-
lich, daz sy selbs weinen. Wolt gott, daz vnser
Rechenmeisterin19 solt hören, sy weinet mit. Awch 35
noch ewerem befelch will jch meinen zorn noch
lassen vnd mich tapfrer haltn wyder'20 mein ge-
wohnheit jst.
Aber jn 2 monten kan jch nit hin aws kumen, wan
jch hab noch nit, daz jch mich kun hinaws schicken, 40
als jch ewch den vor geschriben hab21. Vnd dorum
pit jch ewch, ob dy muter zw ewch köm leihens
halb, wolt jr 10 fl. leihen, pis mir gott hin aws hilft.
So will jehs ewch zw danck als gar erberlich mit ein
ander czalen. 45
Jtem daz fitrum vstum22 schick jch ewch mit dem
potten. Vnd dy 2 tebich will mir Anthoni Kolb2,J
awff daz hubschpt, preytest vnd wolfeillest helfen
29. scheihaws. 36 meimen.
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Nr. 7
DÜRER AN WILLIBALD PIRCKHEIMER IN NÜRNBERG
Venedig, 18. August 1506.
Zeigt in scherzhaft schwülstiger Weise, wie er italienisch kann. Neckt Pirckheimer mit seinem vermutlichen
Auftreten in den Verhandlungen mit Kunz Schott und Genossen, seiner Eitelkeit und den vielen Lieb-
schaften. Dankt, daß er Frau Agnes seine Sache klar gemacht habe. Wäre mit weiteren Ringangelegen-
heiten gerne verschont. Kann in zwei Monaten noch nicht heimkehren. Bittet, falls die Mutter Geld
benötige, ihr 10 fl. zu leihen. Schickt das gebrannte Glas und will die zwei Teppiche, die Federn und das
Papier besorgen; griechische Bücher sind in der letzten Zeit nicht erschienen. Gemalte „Historien“, die
Pirckheimer interessieren, sehe er keine. Hat kürzlich geschrieben. Pirckheimers Zerwürfnis mit Kunz
Imhoff. Angst vor der Lues. Grüße an Eucharius Carl, Stephan Paumgartner, Lorenz Beheim und die
„Buhlen“. Kunhofers Zustand. Ginge gern mit König Maximilian nach Rom.
Original in der Stadtbibliothek Nürnberg (Pirckh. 394,6), 1 Bl. 29.7 X 22 cm. WZ wie bei Nr. 4. Ohne
Siegel und Adresse.
Die ersten vier Zeilen, Datierung und Unterschrift sind faksimiliert von Ch. G. v. Murr, Journal zur Kunst-
geschichte und zur allgemeinen Litteratur 17 (1789), Tab. II, unter „Chirographa Virorum celebrium“.
Grandisimo primo homo de mundo. Woster serfi-
tor, eil schciavo Alberto Dürer disi1 salus suum
mangnifico miser Willibaldo Pircamer. My fede el
aldy2 wolentire cum grando pisir3 woster sanita e
5 grondo hanor4. El my maraweio5, como eil possi-
bile star vno homo cusy wu6 contra thanto sapien-
tissimo Tiraybuly7 milytes; non altro modo nysy8
vna gracia de dio. Quando my leser woster litera
de questi strania fysa de cacza9 my habe thanto
10 pawra el para my vno grando kosa10. Aber jch halt,
daz dy Schottischen ewch awch gefurcht hand11,
wan jr secht awch wild vnd sunderlich jm heiltum,
wen jr den schritt hypferle12 gand. Aber es reimt
sich gar vbell, daz sych sollich lantzknecht mit tzi-
15 beta13 schmiren. Jr wolt awch ein erchter14 seiden
schwantz15 werden vnd meint, wen jr nun den hurn
woll gefalt, so sey es aws gericht. Wen jr doch als
ein lieblich mensch werd as jch, so thet es mir nit
czoren. Jr hand as vill pulschaft vnd wen jr ein
20 jtliche nun ein moll tzolt prawten, jr vermochtetz
jn eim monett vnd lenger nit czv ferpringen. Jtem
jch danck vch, daz jr mit meinem beib mein sach
also zum pesten gerett hand16, wan jch erken vill
Weisheit jn ewch beschlossen. Wen jr nun als senff-
Das Original ist nicht interpungiert. 15. wolt] danach ein Wort
gestrichen (asch?); ein] über der Zeile.
mütig bert als jch, so hett jr all dugent. Awch danck 25
jch ewch als, daz jr mir zw gut thüt, wen jr mich
allein vngeheit1' list mit den ringen. Gefallens ewch
nit, so precht jn den köpf ab vnd werftz jns
schei[s]haws, als der Peter Weisbeber18 spricht. Was
meint jr, daz mir an eim sollichem tregwerg lieh? 30
Jch pynn ein zentilam zw Fenedig worden. Awch
hab jch woll vernumen, daz jr woll reimen künt. Jr
wert gut zw vnseren geygeren hy, dy machns so üb-
lich, daz sy selbs weinen. Wolt gott, daz vnser
Rechenmeisterin19 solt hören, sy weinet mit. Awch 35
noch ewerem befelch will jch meinen zorn noch
lassen vnd mich tapfrer haltn wyder'20 mein ge-
wohnheit jst.
Aber jn 2 monten kan jch nit hin aws kumen, wan
jch hab noch nit, daz jch mich kun hinaws schicken, 40
als jch ewch den vor geschriben hab21. Vnd dorum
pit jch ewch, ob dy muter zw ewch köm leihens
halb, wolt jr 10 fl. leihen, pis mir gott hin aws hilft.
So will jehs ewch zw danck als gar erberlich mit ein
ander czalen. 45
Jtem daz fitrum vstum22 schick jch ewch mit dem
potten. Vnd dy 2 tebich will mir Anthoni Kolb2,J
awff daz hubschpt, preytest vnd wolfeillest helfen
29. scheihaws. 36 meimen.
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